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Cortina d`Ampezzo ist bekannt als „Perle der Dolomiten“ und steht bei dieser Ski-Weltmeisterschaft aufgrund der weltweiten Covid-19-Pandemie vor großen Herausforderungen.

„Gold für Cortina“: Probelauf für Olympia 2026

Morgen startet mit der Damen-Kombination die 46. Alpine Ski-Weltmeisterschaft im 6.000-Einwohnerort Cortina D`Ampezzo. Es grenzt an ein kleines Wunder, dass diese stattfinden kann. Der Skisport braucht die Einnahmen und das so schwer vom Coronavirus gebeutelte Italien ein Event mit Symbolkraft. Das Programm ist so dicht wie nie: 13 Rennen warten in 14 Tagen. Parallel kämpft man aufgrund der Virus-Mutationen gegen einen unsichtbaren Feind.

16 Jahre nach Bormio 2005 gibt Italien sein Comeback als WM-Ausrichter. Gleichzeitig geht es um einen erfolgreichen Probelauf für die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand/Cortina. Durch die Covid-19-Pandemie sind die Herausforderungen weitaus komplexer, als die Organisatoren das je ahnen konnten. „Ich kann mich an keinen Veranstalter erinnern, der so viele Aufgaben wie Cortina bewältigen musste, damit wir alle in den nächsten zwei Wochen hier sein können“, sagte FIS-Präsident Gian Franco Kasper.

„Würde es eine Goldmedaille für Ausdauer und Beharrlichkeit geben, würde das gesamte Cortina-2021-Team gewinnen.“

Budget und Investitionen: Eine schwarze Null

„Von 2017 an hat uns die Regierung 40 Millionen Euro garantiert, unsere Gesamtinvestitionen belaufen sich auf 95 Millionen“, gibt der Regierungsbeauftragte der WM, Valeria Toniolo, Auskunft und ergänzt:

„Wir wollten Cortina begleiten, um ein Vermächtnis zu hinterlassen.“

Der Rettungsanker sind die TV- und Marketing-Einnahmen, die durch die WM generiert werden. „Dieses Geld wird dann an die Verbände ausgeschüttet, damit wir die Saison überleben“, so der Südtiroler Markus Waldner, seines Zeichens FIS-Renndirektor für die Herren-Bewerbe. Der Präsident des Organisationskomitees und Textilunternehmer Alessandro Benetton, der mit der italienischen Skilegende Deborah Compagnoni verheiratet ist, überraschte erst kürzlich mit einer Aussage: „Es besteht die Chance, dass wir ohne Verlust aussteigen.“ Es wird erwartet, dass bis zu 500 Millionen Menschen aus aller Welt das Event vor den TV-Geräten verfolgen.

Das Corona-Protokoll: 600 Läufer aus 70 Nationen

Zuschauer sind keine vor Ort. Ex-Skistar Kristian Ghedina, berühmter Sohn des Ortes, spricht deshalb von einer „Torte ohne Schlagobers“. Dennoch werden gut 3.500 Leute wie Sachbearbeiter, Techniker, Fitnesstrainer und Betreuer plus 450 Medienvertreter im auf 1.200 Meter gelegenen Olympia-Gastgeberort von 1956, in dem Toni Sailer dreimal Olympiagold erobern konnte, tätig sein. An die 600 Skirennläufer aus 70 Nationen werden teilnehmen. Wie das ohne Zwischenfälle von statten gehen soll? Durch zahlreiche Testungen. Schon acht bis zehn Tage vor der Anreise muss ein negativer PCR-Test vorgelegt werden, drei Tage davor ist ein weiterer notwendig, gefolgt von einem negativen Antigen-Test bei der Ankunft. Danach wird alle drei Tage getestet. Das gilt auch für die 450 Medien-Akkreditierten. Positive Fälle und Corona-Schlagzeilen sind bei dieser Testoffensive bereits vorprogrammiert.

Rettungsanker für eine „geschundene“ Region

Auch wenn die Infektionszahlen in der Provinz Belluno wieder sinken: Das strikte Covid-19-Protokoll braucht es zur „Rettung“ der Region, zumal die Skigebiete frühestens Mitte Februar 2021 aufsperren. „Wir haben die Ziellinie jetzt direkt und klar vor uns“, sagt Cortinas Bürgermeister Gianpietro Ghedina. Bleibt nur zu hoffen, dass man hinter dieser Ziellinie zufrieden abschwingen kann. #

Foto: Erich Spiess/ASP/Red Bull Content Pool