Eishockey-Ligastart im September mit Vollvisier

In der Österreichischen Fußball-Bundesliga startet Anfang Juni 2020 unter strengen Auflagen wieder der Spielbetrieb. Die Vereine der heimischen Eishockeyliga blicken trotz neuem Liga-Sponsor und neuem TV-Partner einer ungewissen Zukunft entgegen.

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Die Covid-19-Pandemie hat auch Österreichs Eishockey-Klubs schwer getroffen

Anders als in der Schweiz oder in Schweden sind die heimischen Vereine stark von Zuschauereinnahmen abhängig. „Der Anteil der Zusehereinnahmen macht 15 bis 20 Prozent unseres Budgets aus“, sagt Bernd Vollmann, Geschäftsführer der Graz99ers. Da keine Spiele mehr ausgetragen werden durften, verloren die Klubs viel Geld. Alleine die Grazer schätzen, dass ihnen ein „finanzieller Schaden im niedrigen sechsstelligen Bereich entstanden“ sei. Corona führte außerdem zu einem Transferstopp, auch Vertragsverhandlungen wurden ausgesetzt.

Liga-Geschäftsführer Christian Feichtinger: »Die Möglichkeit der Verwendung von Vollvisierhelmen könnte uns in die Karten spielen« | © GEPA pictures

Doch wie geht es mit der Liga weiter?

„Unsere Planungen laufen auf Meisterschaftsstart am 18. September. Es hat für uns oberste Priorität bereits im September unsere internationale Liga fortzuführen. Natürlich sind wir uns weiterhin unserer Verantwortung bewusst und sind mit den zuständigen Behörden im permanenten Austausch. Die Möglichkeit der Verwendung von Vollvisierhelmen könnte uns in die Karten spielen“, so Liga-Geschäftsführer Christian Feichtinger gegenüber dem Sport Business Magazin. Weitere Möglichkeiten wären eine unvollständige Meisterschaft (ohne bestimmte ausländische Teams) oder eine rein nationale, österreichische Liga. Welche Variante umgesetzt werde, hängt vor allem von Beschlüssen und Vorgaben der Bundesregierung ab – favorisiert wird jedoch eindeutig die internationale Variante.

Dass es noch keine klare Entscheidung gibt, stellt die Vereine besonders bei der Sponsorensuche, der Finanzplanung und in weiterer Folge auch bei Spielerverpflichtungen vor große Herausforderungen. Denn das Budget der Klubs hängt stark vom Liga-Konzept ab. „Wir haben uns bisher mit Sponsorverhandlungen zurückgehalten. Wir wollten abwarten bis sich das psychologische Vorzeichen in der Gesellschaft von einem Minus in ein Plus wandelt. Einige Sponsoren haben bereits von sich aus mitgeteilt, dass sie von einem Engagement in der nächsten Saison Abstand nehmen werden“, erklärt 99ers-Geschäftsführer Vollmann.

Ähnlich sieht das Dieter Knoll. Der HC Bozen-Geschäftsführer und -Sportdirektor stellt klar, dass „die unsicheren budgettechnischen Möglichkeiten in Hinblick auf die nächste Saison, eine Kaderplanung zum aktuellen Zeitpunkt unmöglich machen“. Der italienische Eissportverband (FISG) beziffert den durch Covid-19 entstandenen wirtschaftlichen Verlust mit rund 6,6 Millionen Euro – nur für die italienischen Klubs. FISG hat angekündigt Vereine, Organisationen und Sportler mit rund 1,3 Millionen Euro zu unterstützen – davon könnte auch der HC Bozen profitieren.

Graz99ers-Geschäftsführer Bernd Vollmann: »Der Anteil der Zusehereinnahmen macht 15 bis 20 Prozent unseres Budgets aus« | © GEPA pictures

In Österreich hoffen Vereine ebenfalls auf finanzielle Unterstützung seitens der Liga und des Bundes

„Natürlich setzen wir alle Hebel in Bewegung, um für die Vereine entsprechende Sportförderungen zu erhalten. Es gibt konstruktive Gespräche mit den Verantwortlichen im Sportministerium, die über unsere bereits eingereichten Anträge entscheiden werden“, so Liga-Geschäftsführer Feichtinger. Besonders für Klubs, die hauptsächlich von Kleinsponsoren abhängig sind, ist die Lage prekär: Für sie besteht die Gefahr, dass ein Großteil der Sponsoren wegbrechen könnten. Häufig sind das kleinere Unternehmen, die ihrerseits schwer unter der Coronakrise leiden und in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage sind.

„Unser Überleben sichern viele kleinere Sponsoren. Die sind jetzt aber selbst von Corona hart getroffen. Ich rechne damit, dass wir bis zu 20 Prozent weniger Budget haben könnten“, sagt VSV-Finanzvorstand Andreas Schwab zur aktuellen Lage im Videotalk mit der „Kleinen Zeitung“. Allerdings waren es in jüngster Zeit größere Engagements von Panaceo und eine angebliche Zuwendung von Red Bull, die den „Adlern“ das Überleben sicherten. Damit die Budgetplanung für die kommende Saison endlich starten könne, fordert VSV-Sportvorstand Gerald Rauchenwald in Interviews „eine rasche Entscheidung“ und sprach sich für ein nationales Liga-Format aus. „Es würde die Kosten enorm senken und bei einer erneuten Grenzschließung etliche Probleme vermeiden“, begründet Rauchenwald seinen Vorstoß.

Wenig Begeisterung gibt es dafür allerdings beim Lokalrivalen KAC. Dessen Manager Oliver Pilloni sieht Rauchenwalds Vorschlag skeptisch. Bei einer rein österreichischen Liga müssten alle Vereine drastisch abspecken – die Zahl der Legionäre pro Klub würde dadurch stark eingeschränkt werden.

Darunter würden nicht nur das spielerische Niveau und die internationale Konkurrenzfähigkeit der Vereine leiden, sondern daraus folgend auch die Attraktivität der Liga und es würde die Preise für heimische Topspieler noch weiter in die Höhe treiben. Auch Bozen-Boss Knoll wird in seiner Funktion als einflussreicher Vizepräsident der Liga einer „nationalen Lösung“ sicher nicht zustimmen und sich damit selbst ausschließen. Das wäre sowohl sportlich als auch wirtschaftlich für die „Foxes“ ein Desaster, denn in Italien sind sie ohne gleichwertige Gegner.

KAC-Manager Oliver Pilloni: »Geisterspiele sind gerade im Eishockey, wo sehr viel Emotionen auch über die Zuseher transportiert werden, relativ schwierig« | © Champions Hockey League

Einigkeit gibt es hingegen beim Thema „Geisterspiele“: Keiner will sie

„Geisterspiele sind gerade im Eishockey, wo sehr viel Emotionen auch über die Zuseher transportiert werden, relativ schwierig“, sagt Pilloni im Gespräch mit dem Sport Business Magazin. Abgesehen davon sind Zuschauer für den Großteil der Vereine die Haupteinnahmequelle. Zwar konnte die Liga nach dem Ausstieg von Servus TV mit dem Privatsender Puls 24 einen neuen TV-Partner gewinnen, doch „Medienspiele“ – also Matches ohne Zuschauer – wären ein großer finanzieller Verlust für Liga und Vereine und werden daher nur als Übergangslösung gesehen. Umso mehr, bedenkt man, dass Servus TV einen Marktanteil von 3.5 Prozent in Österreich hat, während das neue Puls 24 aktuell bei maximal 0.5 Prozent liegt, lediglich im Verbund mit der „Mutter“ Puls 4 auf ähnliche Werte wie Servus TV kommt.

„Ohne noch genau die Auswirkungen zu kennen, gehe ich davon aus, dass wir maximal vier bis sechs Wochen ein System ohne Zuseher anwenden können. Länger wird es nicht gehen“, so Graz99ers-Chef Vollmann. Zweifelsohne könnten andere Klubs wie Salzburg, Wien oder Klagenfurt, die in erster Linie von ihren Mäzenen leben, länger durchhalten, aber sehenswert wären die Matches unter Ausschluss der Öffentlichkeit freilich nicht.

 

Unklar ist auch noch die genaue Zusammensetzung der neuen Liga

Mit den iClinic Bratislava Capitals gibt es einen Neueinsteiger, allerdings stehen im Moment erst zehn Vereine für die Saison 2020/21 fest. Denn in Linz matchen sich gleich zwei Klubs, um die Aufnahme in die Eishockeyliga: Nach einem für Außenstehende schwer zu durchschauenden und noch schwerer zu verstehenden Streit, wollen sowohl die Black Wings Linz als auch der neu gegründete EV Linz mitspielen. Eine Entscheidung steht noch aus. Vor wenigen Tagen die nächste schlechte Nachricht: Orli Znojmo wird kommende Saison nicht an der internationalen Liga teilnehmen. Der tschechische Verein steigt nach neun Saisonen vorerst aus wirtschaftlichen Gründen aus und heuert in der dritten tschechischen Liga an. Damit gibt es in der grenzüberschreitenden Liga erneut maximal zwölf teilnehmende Klubs.

Der neue Nachrichtensender Puls 24 konnte sich exklusiv die Free-TV-Rechte für die Eishockey-Liga sichern. | © twitter.com

Dass die Eishockeyliga trotz der schwierigen aktuellen Rahmenbedingungen Interesse weckt, zeigt nicht nur der neue TV-Partner „Puls 24“

Den Liga-Verantwortlichen ist es außerdem gelungen den Online-Sportwettenanbieter „bet-at-home“ als neuen Hauptsponsor an Land zu ziehen. Die „Erste Bank“ hatte mit Ende der Saison 2019/20 ihren Ausstieg als Liga-Sponsor verkündet. Mit „bet-at-home“ ist im Juni ein kompletter Relaunch des Liga-Auftritts geplant, bei dem der neue Liga-Name und das Logo öffentlich präsentiert werden sollen. „Die definierte Laufzeit von zumindest drei Jahren lässt uns mittel- und langfristige Ziele der Liga bestmöglich umsetzen. Darüber hinaus haben wir mit bet-at-home als Partner die Möglichkeit, unser digitales Engagement weiter auszubauen“, so Liga-Geschäftsführer Feichtinger. Vertragsdetails mit dem neuen Liga-Sponsor und Informationen, ob es eventuell finanzielle Einbußen geben wird, werden nicht bekannt gegeben.

Feststeht, dass die neue Eishockeysaison für die Liga und für die Vereine eine besondere Herausforderung wird – nicht nur wegen Corona.

bet-at-home als neuer Hauptsponsor: »Die definierte Laufzeit von zumindest drei Jahren lässt uns mittel- und langfristige Ziele der Liga bestmöglich umsetzen« | © twitter.com

 




Von Anja Habich, Harry Miltner