EXKLUSIV-GESPRÄCH Erfolgstrainer Thomas Silberberger über Budgets, Loyalität, sein Erfolgsrezept, Führungsstil und Karriereziele.

Thomas Silberberger, 47, beginnt seine Karriere im Nachwuchs des SV Wörgl. Im Herbst 1993 schafft er im Alter von 20 Jahren den Sprung in den Profikader des FC Tirol Innsbruck, bei dem er bis 1997 spielt. Über die Stationen SC Kundl und GAK kehrt er 1997 zu seinem Heimatverein SV Wörgl zurück. Mit diesem schafft er 1998 den Aufstieg in die zweithöchste Liga und beendet dort 2004 seine Profikarriere als Spieler. Seit der Saison 2013/14 ist er Cheftrainer der WSG Tirol, mit der er 2019 sensationell den Aufstieg in die Österreichische Fußball-Bundesliga schafft.

Herr Silberberger, Sie haben bereits als Spieler beim SV Wörgl und später beim FC Kufstein Vereinstreue bewiesen. Nun sind Sie seit 2013 Cheftrainer der WSG Tirol. Ist Ihnen Loyalität auf und abseits des Fußballplatzes wichtig?

Loyalität ist für mich ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens und zwar auf sowie neben dem Platz. Das habe ich auf beinahe allen Stationen meiner Laufbahn bewiesen. Wörgl ist mein Heimatverein und es macht mich stolz, dass ich ihn damals als Kapitän in die 2. Liga führen durfte. Aus diesem Grund bin ich dem Verein bis heute sehr verbunden und verfolge aufmerksam seine Entwicklung. In Kufstein bekam ich die Möglichkeit, einen fliegenden Wechsel vom Spieler zum Trainer eines Regionalligavereins zu machen. Ich bin noch heute dem damaligen Kufstein-Präsidenten Herbert Gartner unendlich dankbar, dass er so großes Vertrauen in meine Person hatte. In Wattens marschierten wir 2013 als Tabellenvierter der Regionalliga bis in die Bundesliga durch.

Sie spielen dieses Jahr nur aufgrund der letztjährigen Insolvenz des SV Mattersburg in der Bundesliga. Wie realistisch schätzen Sie in diesem Zusammenhang die Chancen ein, dass wir die WSG Tirol nächstes Jahr im Europacup sehen werden?

Insolvenzen gab es bereits vor der Causa Mattersburg und wird es immer wieder geben. Wir werden oft dafür angeprangert, dass wir eigentlich sportlicher Absteiger sind. Doch wir sind schuldlos an dieser Situation.

Abgesehen davon, möchte ich die Frage in den Raum werfen, wer heute noch weiß, welcher Verein davon profitierte, als 2002 der große FC Tirol in Konkurs ging und in die Regionalliga absteigen musste? Es war die Admira. Das wissen die Wenigsten und es macht deutlich, dass nach einiger Zeit keiner mehr einen Gedanken darüber verschwenden wird, wie wir uns in der Bundesliga hielten. Der Europacup wäre der krönende Abschluss einer einzigartigen Erfolgsgeschichte, zwischen einem Verein und einem Trainer – von Platz vier in der Regionalliga, bis in den Europacup.

Gibt es ein Erfolgsrezept für den Höhenflug der WSG Tirol?

Das gibt es definitiv nicht. Wir haben eine sehr junge Mannschaft und eine einfache Spielphilosophie. Ich denke, es wäre ein großer Fehler die Mannschaft mit zu vielen Systemen und Spielanlagen zu überladen. Junge Spieler brauchen Einfachheit und Klarheit in allen Belangen.

Die WSG Tirol hat mit 7,3 Millionen Euro den mit Abstand geringsten Marktwert aller Bundesligaklubs und befindet sich trotzdem auf Europacupkurs. Spielt Geld doch kein Fußball?

Der Marktwert ist in Wirklichkeit fiktiv. Der entscheidende Faktor ist das Budget. Aber auch in diesem Ranking sind wir gemeinsam mit Hartberg abgeschlagen Letzter. Wir wissen, dass diese Saison ein positiver Ausreißer ist. Normalerweise kannst du mit diesem Budget nicht dauerhaft für die Meistergruppe planen.

WERTE »Loyalität ist für mich ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens und zwar auf sowie neben dem Platz«

Sie sind unter anderem für Ihre markigen Sprüche bekannt. So meinten sie unlängst gegenüber einem ORF-Journalisten, »dass jeder Spieler froh sein muss, wenn er unter Ihnen spielen darf«. Was für ein Trainertyp sind Sie?

Der Spruch wurde aus dem Kontext gerissen. Es war die Antwort auf die Frage, ob ich mich bei unserem Torschützen im Spiel gegen den SCR Altach bedankt habe.

Der autoritäre Trainer hat keine Zukunft. Meine Stärken sehe ich im Leadership und in der taktischen Ausrichtung einer Mannschaft. Autoritär war gestern.

Sie mussten mit dem Abgang des ghanaischen Stürmertalents Kelvin Yeboah zum Ligarivalen Sturm Graz einen schmerzlichen Verlust verkraften. Werden Sie diesen kompensieren können?

Wir werden versuchen, ihn zu ersetzen. Da Kelvin kurz vor Transferschluss seine Wechselabsichten kundtat, hatten wir keine Möglichkeit, ihn durch einen Transfer zu ersetzen. Der Stürmer, der uns sofort hilft, war nicht am Markt. Aber grundsätzlich ist das Damoklesschwert eines möglichen Yeboah- Wechsels jede Transferperiode über uns geschwebt. Wir haben ihn zum völligen Nulltarif aus Italien geholt und ihn toll entwickelt. Es gab immer wieder Begehrlichkeiten anderer Klubs in Bezug auf Kelvin. Bei Sturm Graz hat jetzt das Gesamtpaket gepasst.

 

»Meine Stärken sehe ich im Leadership und in der taktischen Ausrichtung einer Mannschaft. Autoritär war gestern.«

Thomas Silberberger

 

Welches Saisonziel haben Sie?

Bestmöglichen Erfolg.

Gibt es für den Tiroler Erfolgstrainer Thomas Silberberger noch persönliche Karriereziele?

Natürlich, ich habe kürzlich eine Autogrammkarte aus dem Jahr 2000 von mir in der Hand gehabt. Diese ist aus der Zeit, als ich noch Austria-Salzburg-Spieler war. Auf der Rückseite steht: »Leben in den USA.« Dieses Ziel habe ich noch immer – ideal wäre es in beruflicher Verbindung.

Herr Silberberger, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. #

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Fotos: WSG Swarovski Tirol/Helene Bischof

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