,Marco Rose ist mit seinen 42 Jahren der erfolgreichste Trainer des FC Red Bull Salzburg. Sowohl in der Liga als auch international in der Europa League läuft es für den Bullen-Coach hervorragend. Wir haben mit dem Erfolgstrainer gesprochen. Marco Rose über seinen Lehrmeister Jürgen Klopp, den Einstieg ins Trainerbusiness, Taktik, Talent und Social Media.

Das Feilschen um Salzburg-Coach Marco Rose ist in vollem Gange. Laut einem Bericht der Salzburger Nachrichten will Österreichs Serienmeister seinen von internationalen Topklubs umgarnten Trainer nicht kampflos gehen lassen. „Wir werden alles versuchen, um Marco Rose zu halten“, wird Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz zitiert.

Der Red-Bull-Boss würde eine vorzeitige Verlängerung des bis 2020 laufenden Kontrakts von Rose begrüßen. „Wir wissen über seine Qualitäten, wissen aber auch, dass er auch außerhalb von Österreich begehrt ist“, sagte Mateschitz. „Letztlich ist es aber die Entscheidung von Marco Rose, wo er seine Zukunft sieht.“

Wir haben mit dem Erfolgstrainer der Bullen im letzten Jahr ein ausführliches Gespräch geführt, das heute aktueller den je ist. Marco Rose über seinen persönlichen Werdegang, innovative Trainingsmethoden in Salzburg, den Einfluss von Social Media im Sport und vieles mehr.

,Mit 41 Jahren haben Sie in ihrer noch jungen Trainerkarriere einiges erreicht. Was ist Ihr Werdegang?

Ich bin schon lange im Fußball dabei, habe viele Jahre als Profi bei Mainz 05 und Hannover 96 gespielt. Ich habe vorher allerdings auch, weil ich als Spieler nicht von wahnsinnigem Talent gesegnet war, eine Schulausbildung mit Abitur gemacht und noch einen Beruf gelernt.

,Welchen Beruf haben Sie gelernt?

Versicherungskaufmann. Ich habe damals bei einer Krankenkasse in Leipzig gelernt.

,Wie kamen Sie auf die Idee Trainer zu werden?

Fußball ist ein großer Teil meines Lebens und ich wollte unbedingt in diesem Bereich bleiben. Ich hab mich vor allem zum Ende der Karriere mit dem Thema, was kann ich danach machen, beschäftigt. Es war für mich relativ schnell klar, dass ich gern im Bereich Fußball bleiben will und damit kam mir der Gedanke Trainer zu werden.

,Welcher Spielertyp waren Sie früher?

Ich war ein integrativer Typ, habe mich gern um Spieler gekümmert, die neu dazugekommen sind. Mir war immer wichtig, dass sie sich schnell wohlfühlen. Ich habe immer gerne meinen Mund aufgemacht und war einer, der immer vorangegangen ist.

,Wie wurden Sie zum Cheftrainer?

Den Beruf Trainer muss man von der Pieke auf erlernen, wobei dir deine Vorerfahrungen als Profi natürlich helfen. Ich bin als Co-Trainer der U23 in Mainz eingestiegen, um mich dann Stück für Stück weiterzuentwickeln. Man macht seine Lizenzen, trifft Entscheidungen und Dinge schreiten voran. Bei mir gab es nie einen Karriereplan. Zumindest keinen fixen. Es ging immer darum den nächsten Schritt zu machen, sich weiterzuentwickeln, weiterzukommen und zu sehen, wie weit es gehen kann. Als Trainer muss man auch mal ins Risiko gehen. Da waren rückblickend mutige Entscheidungen dabei.

,Von welchen Entscheidungen sprechen Sie konkret?

Ich bin zum Beispiel aus einem sicheren Umfeld Mainz, wo ich einen hohen Stellenwert im Verein und auch in der Stadt genossen hab, nach Leipzig (Lok. Leipzig Anm. d. R.). Zu einem Verein, der gerade in die Regionalliga aufgestiegen ist und ohne große finanzielle Mittel auskommen musste. Ich habe dort super Jungs trainiert und habe mit dem Klassenerhalt in der Regionalliga das absolute Maximum erreicht. Wenn so etwas am Anfang deiner Trainerkarriere schief geht, hast du gleich den ersten Makel in deiner Laufbahn.

,Was war der nächste Schritt?

Nach einem Jahr habe ich mich entschieden, bei Leipzig aufzuhören. Ich konnte mich mit den Möglichkeiten, die wir hatten, nicht mehr identifizieren und meine Ziele verfolgen. Ich hatte damals zwei Möglichkeiten: Entweder zurück nach Mainz, einem ganz kleinen Verein, oder nach Salzburg in den Jugendbereich. Was jetzt am Ende rausgekommen ist, sieht man ja. Ich kann damit ganz gut leben [schmunzelt].

,Sie haben früher unter Jürgen Klopp gelernt und kennen ihn persönlich gut. Welche Eigenschaften haben Sie sich besonders von ihm abgeschaut?

Der wichtigste Punkt ist, dass man sich selbst treu bleibt. Authentizität ist ein extrem wichtiger Faktor. Als Trainer machst du dir immer viele Gedanken: Wie bekommst du eine Gruppe zum Funktionieren, was willst du rüberbringen und wie bringst du es rüber. Sag einfach was du denkst, wie du es fühlst, wie du es siehst und dann wird es auch passen. Es geht vor allem darum, man selbst zu bleiben. Da gibt es Parallelen zu Kloppo.

Er ist ein absolut authentischer Typ, der auch über ein hohes Maß an Empathie verfügt. Ich hatte mit ihm genug Reibungspunkte im Spieler-Trainer-Verhältnis, kann das aber im Nachhinein gut reflektieren.

,Welchen Einfluss hat eine moderne Trainings- und Spielsteuerung auf den Tagesablauf eines Trainers und dessen Entscheidungen (Aufstellung, Taktik, etc.), die er zu treffen hat?

Heutzutage ist es wichtig, sich dieser Möglichkeiten in allen Bereichen, sei es Athletiktraining, Tracking-Daten oder physischer Tests, zu bedienen. Dinge werden damit anschaulicher.

Ich finde Trainings- und Spielsteuerungen gut und wichtig. Dennoch bin ich ein Trainer, der auch inhaltliche Dinge in die Entscheidung miteinbezieht. Das was am Trainingsplatz passiert, man täglich sieht, plus die quantitativen Daten, die man über Leistungsdaten bekommt, ergeben ein Gesamtbild, das schlussendlich zu Entscheidungen führt. Es gibt viele Trainer, die sich extrem auf diese Daten verlassen. Für mich ist es ein Hilfsmittel.

,Inwieweit werden diese Innovationen von den Spielern angenommen? Gibt es Spieler, die diese neuen Formen der Trainings- und Spielsteuerung verlangen?

Absolut, mittlerweile gibt es viele Spieler, die wissen wollen, wie viel sie in einem Spiel gelaufen sind, um nachher ihre eigene Leistung besser einschätzen zu können.

Wir haben inzwischen Tools, in denen wir den Jungs Videoanalysen zugänglich machen. Das sind Spielszenen, die sie sich zuhause oder im Hotel vor einem Spiel anschauen können. Das nehmen viele Spieler von uns in Anspruch.

,Wie kann man sich das vorstellen, bekommen die Spieler diese Szenen aufs Handy und Tablet?

Ja genau. Wir haben ein Programm, in dem die Spieler Zugang haben und da können sie ihre Szenen anschauen oder auch Videobesprechungen vom Training noch einmal sehen.

Wichtig ist, dass man die Spieler entscheiden lässt, inwieweit sie das wollen oder brauchen und es nicht als Druckmittel verwendet. Denn das würde dazu führen, dass sie sich überwacht fühlen. Es soll ein Motivationsfaktor sein.

,Als erfolgreicher und anerkannter Cheftrainer des FC Red Bull Salzburg haben Sie ein kompetentes Trainerteam zur Verfügung. Wie gross ist dieses Team und welche Aufgaben haben die jeweiligen Personen?

Mittlerweile sehr groß, aber genau richtig. Wenn man einen breiten Kader hat und auf vielen Hochzeiten (Bundesliga, Cup und Europa League Anm. d. R.) tanzt, ist es wichtig, gut aufgestellt zu sein.

Wir haben drei Co-Trainer. Zum einen Rene Maric, der viel zum Thema Analyse beiträgt. René Aufhauser, der die Mannschaft und den Verein schon länger kennt, der selber ein klasse Sechser war und besonders für den Defensivbereich zuständig ist. Alexander Zickler, der mit seiner unglaublichen Erfahrung als Stürmer enorm viel weiterhilft. Zudem haben wir einen Torwart-, Athletik- und Rehatrainer sowie einen Videoanalysten. Darüber hinaus dürfen wir die Physiotherapeuten und medizinische Abteilung nicht vergessen.

Die Stärke in unserem Team ist, dass wir ein unglaubliches Vertrauensverhältnis haben, wir gut miteinander umgehen, jeder klare Aufgaben hat und jeder im Entscheidungsprozess mit eingebunden ist. Ich muss zwar die finale Entscheidung treffen und sie kommunizieren, der grundlegende Entscheidungsprozess läuft aber immer im Team ab.

,Haben Sie auch einen Mentaltrainer oder Psychologen?

Den habe ich vergessen, der ist ein ganz wichtiger Mann für uns. Sein grundsätzlicher Auftrag ist es, so nah wie möglich am Team dran zu sein. Er soll für die Jungs da sein. Ich muss nicht wissen, was die Spieler mit ihm besprechen, das ist sehr vertraulich. Gleichzeitig ist er aber auch Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft, wenn es um Gruppen- oder Motivationsthemen geht.

,Welche Möglichkeiten gibt es als Trainer, mit dem stetigen Erfolgsdruck klarzukommen und umzugehen?

Man muss für sich realisieren, dass man für einen Verein mit hohen Ansprüchen arbeitet. Jeder sollte wissen, dass es in verschiedene Richtungen gehen kann.

Mir war bewusst, was auf mich zukommt und war bereit für die Aufgabe mit all den verbundenen Risiken. Bis hierhin ist alles in eine positive Richtung gelaufen – mit einem anderen Extrem. Auf einmal ist man der „Wunderwuzzi“, der ich natürlich nicht bin. Ich bin einfach nur ein Trainer, der eine richtig gute Mannschaft plus ein sehr gutes Funktionsteam hat. In der Summe ist es immer Teamarbeit. Das ist in der freien Wirtschaft genau dasselbe. Alleingänge werden selten erfolgreich sein.

,Übung macht den Meister, nicht Begabung: Wie hoch ist aus Ihrer Sicht der Einfluss des Talents im Leistungsvermögen eines Sportlers?

Ein gewisses Talent ist nötig, um ein ganz hohes Niveau zu erreichen. Talent ist ein Faktor, aber viele hochtalentierte Spieler haben oft nicht die nötige Mentalität, um auf ein ganz hohes Niveau zu kommen. Auf der anderen Seite gibt es sehr viele weniger talentierte Spieler, die aber eine unglaubliche Mentalität besitzen, damit extrem weit kommen und sich auf eine Ebene hieven, womit sie vielleicht selber nicht gerechnet haben. Beides ist sehr wichtig, beides kommt ohneeinander nicht aus.

,Thema Social Media: Laut meiner Recherche nutzen Sie persönlich keine sozialen Netzwerke. Hat das einen bestimmten Grund?

Ich bin was das betrifft ein wenig altmodisch. Mir hat im Fußballlehrer-Lehrgang einer erklärt, dass das das Wichtigste überhaupt ist. Ich kann damit relativ wenig anfangen. Ich bin weder bei Twitter, noch bei Facebook, weil ich glaube, dass es mir persönlich Energie ziehen würde. Außerdem machst du dich damit angreifbar. Man kann sich natürlich auch vermarkten. Aber das beste Marketing ist immer noch gute Arbeit.

,Immer mehr, vor allem junge Fussballspieler vermarkten sich über diverse Social Media-Kanäle alla Cristiano Ronaldo. Wie geht ein Trainer mit dieser Thematik um?

Dass Spieler soziale Netzwerke nutzen, finde ich okay. Das gehört für sie dazu. Ich möchte das keinem verbieten, ganz im Gegenteil, aber mit dem Hintergrund dessen, das man dort auch ins „Fettnäpfchen“ treten kann.

,Gibt es bestimmte Regelungen beziehungsweise Richtlinien vom Verein was und wie viel gepostet werden darf?

Ja, wir haben regelmäßig Medienschulungen, um den Spielern zu zeigen, dass es Grenzen gibt. Das gibt man den Spielern regelmäßig mit.


,Bleibe mit den digitalen Kanälen des Sport Business Magazins immer up to date!

#MarcoRose #Rose #FCRedBullSalzburg #RedBullSalzburg #RedBull #Salzburg #RBSalzburg #FCSalzburg #Bundesliga #ÖsterreichischeBundesliga #RBS #EuropaLeague #UEFAEuropaLeague #Sport #Fußball #Cup #JürgenKlopp #Klopp #Interview #SocialMedia #Training #Trainingssteuerung #Sportbusiness #SportBusiness #SportBusinessMagazin #Mateschitz #DidiMateschitz