Die Formel 1 der Lüfte: Ist das der Sport der Zukunft?

Herbert Weirather ist der Gründer und CEO der Drone Champions League (DCL), der weltweit führenden Liga für Drohnenrennen. Mit der Königsklasse des Drone Racings hebt er den Drohnen-Rennsport in völlig neue Dimensionen und lässt reale und virtuelle Welt miteinander verschmelzen. ,Ein Bericht aus der Sommerausgabe 02-2019.

© Joerg Mitter/Red Bull Content Pool

Die Leidenschaft für Sport und Geschwindigkeit steckt in der Familie. Seine Eltern Harti Weirather und Hanni Wenzel waren einst berühmte Skirennläufer. Seine Schwester, Tina Weirather, ist heute noch erfolgreich im Alpinen Skisport für Liechtenstein aktiv.

Herbert Weirather entdeckte in seiner Jugend die Begeisterung zum Fliegen. Mit nur 18 Jahren machte er den Piloten- und Kunstflugschein, danach absolvierte der Österreicher ein Studium für Luft- und Raumfahrt an der Universität in München. Im Alter von 28 gründet er die Drone Champions League sowie sein eigenes Unternehmen, die Drone Champions AG. Mit seinem zwanzigköpfigen Team bringt Weirather die DCL an die außergewöhnlichsten Event-Locations auf der ganzen Welt. Von Peking über Rumänien bis Paris – je spektakulärer, desto besser.

Dem Sport Business Magazin erzählte er, welche Strategie er mit der Drone Champions League verfolgt, wie viel Preisgeld bei den Turnieren ausgeschüttet wird, ob Drone Racing einmal die Formel 1 ablösen wird und welche Bedeutung Drohnen-Rennen als neue Sportevents für den Tourismus bieten.

Herbert Weirather ist Gründer und CEO der Drone Champions League. | © DCL

Was ist das Konzept der Drone Champions League (DCL) und welche Ziele verfolgen Sie damit?

Die DCL veranstaltet weltweit außergewöhnliche Events für Drohnenrennen. Mit DCL – The Game bedienen wir zudem den eSports-Bereich mit einer umfangreichen Drohnensimulation für PC, Playstation 4 und Xbox 1: Piloten können sich nicht nur untereinander auf Nachbildungen der Original-Strecken messen, sondern sich zudem mit ihrem Können im Spiel für echte Rennen qualifizieren. Schließlich bildet DCL – The Game so genau wie möglich das tatsächliche Flugverhalten von Drohnen ab, wodurch es sich auch für Trainingszwecke eignet.

Wie sieht das Zielpublikum aus?

Drohnenrennen sprechen ein Zielpublikum im Alter zwischen 15 und 50 Jahren an. Aufgrund der einerseits physischen und andererseits finanziellen Anforderungen, die der Drohnensport mit sich bringt, sind die Piloten meist zwischen 18 und 30 Jahre alt. Zu den Events selbst kommen Jung und Alt, ganz oft auch Eltern mit ihren Kindern. Das Videospiel DCL – The Game richtet sich aber ganz klar an ein jüngeres, gaming-affines Publikum.

»Drohnenrennen sprechen ein Zielpublikum im Alter zwischen 15 und 50 Jahren an« | © Mathias Kniepeiss

Wird Drone Racing dem eSports zugeordnet?

Drone Racing bildet eine Schnittstelle zwischen digitalem und analogem Sport. Die benötigten Fähigkeiten, um sowohl im Spiel als auch in echten Drohnenrennen zu bestehen, sind die gleichen. Da keine G-Kräfte herrschen, wenn man eine echte Drohne fliegt, ist Drone Racing der einzige mir bekannte Sport, der reale und digitale Welt so nah zusammenbringt.

Wie groß schätzen Sie die Szene des Drohnensports im deutschsprachigen Raum ein? Kann man bald von Breitensport sprechen?

Es gibt bisher nur wenige verlässliche Zahlen, die Verbandsarbeit steckt noch in den Kinderschuhen. Ich weiß nicht genau, ab welcher Verbreitung man von Breitensport spricht. Die aktuell erhältlichen Kameradrohnen werden vermehrt auf First Person View ausgerichtet, also auf das Fliegen aus der Ich-Perspektive mit entsprechenden Brillen. Bei 1,2 Millionen verkauften Drohnen nur in Deutschland ist damit ein eindeutig positiver Trend erkennbar.

Drone Racing bald ein Breitensport? »1,2 Millionen verkauften Drohnen nur in Deutschland ist ein positiver Trend« | © Mathias Kniepeiss

Wie schnell können Drohnen fliegen?

Das hängt von den jeweiligen Drohnen ab: Die Renndrohnen der DCL erreichen eine Maximalgeschwindigkeit von 140 Kilometer pro Stunde und beschleunigen von 0 auf 100 in 1,6 Sekunden. Sie sind damit schneller als die Rennautos der Formel 1.

Wie viel kostet eine klassische Renndrohne, die bei der Drone Champions League im Einsatz ist?

Ohne Entwicklungskosten belaufen sich die Kosten bei einer Renndrohne der DCL auf etwa 1.000 Euro. Jeder Pilot bringt eine Flotte von fünf Drohnen zu den Rennveranstaltungen mit.

Wie viel Preisgeld wird bei den Turnieren ausgeschüttet?

In dieser Saison beläuft sich das Preisgeld auf 50.000 Euro. Dieses wird am Ende mittels eines Verteilungsschlüssels unter den Teams vergeben. Es gibt keine Prämien für die einzelnen Events.

»In dieser Saison beläuft sich das Preisgeld auf 50.000 Euro« | © DCL

Welche Sponsoren konnten Sie bereits für die Drone Champions League gewinnen?

In diesem Jahr haben wir McDonald‘s und Seat aus der Schweiz, Red Bull, Breitling und Trilux als Sponsoren für uns gewinnen können.

Der Messi oder Ronaldo im Drone Racing: Gibt es in der Szene auch Stars?

Die Szene wächst beständig und bringt immer neue Talente hervor. Die beiden aktuellen Top-Stars sind Luke Bannister aus Großbritannien und Min Chan Kim aus Südkorea. Diese Talente holen jederzeit alles aus sich und ihrer Drohne raus – und das müssen sie auch. Denn zwischen Sieg und Niederlage entscheiden oft nur Sekundenbruchteile.

Was macht einen guten Drohnen-Piloten aus?

Drohnen-Piloten müssen die gleichen Ansprüche wie Leistungssportler erfüllen. Bei ihnen sind zudem insbesondere eine sehr gute Hand-Augen- Koordination, blitzschnelle Reflexe und Nerven aus Stahl unabdingbar. Ein Rennen dauert nur wenige Minuten, da wird jeder noch so kleine Fehler konsequent bestraft.

Wie viele Zuschauer kommen in der Regel zu den Events?

Das hängt von der Location ab. In ein stillgelegtes Salzbergwerk in Rumänien kommen logischerweise weniger Zuschauer als auf die Champs-Élysées. An beiden Orten ist die DCL bereits geflogen. Im letzten Jahr erreichten wir knapp 160.000 Zuschauer, wobei der größte Event der Saison 2018 mit 88.000 Besuchern im Münchner Olympiapark stattfand.

Stichwort Aufmerksamkeit: Wie wird das Drohnenrennen medial wahrgenommen?

Dies findet über die unterschiedlichsten Kanäle statt. In einer Stadt wie Turin, wo Mitte Juli 2019 unsere nächste Rennveranstaltung stattfindet, nutzen wir 1.500 Plakatwände, zudem werden 30 Pressevertreter über den Event berichten. Wir verfügen darüber hinaus über 33 TV-Partner, die die Veranstaltung in über 120 Ländern ausspielen. Und natürlich haben wir unsere eigenen Kanäle wie YouTube, Facebook oder Weibo, auf denen wir bei unserem letzten Rennen über 900.000 Zuschauer im Livestream hatten.

»Eine bessere Werbung für eine Tourismusdestination gibt es nicht« | © DCL

Einige Experten glauben, dass das Drone Racing eines Tages die Formel 1 ablösen könnte. Wie stehen Sie zu dieser Meinung?

Da bin ich derzeit noch skeptisch. Hinter der Formel 1 stehen die größten Industrien, während wir uns noch am Anfang befinden. Sobald Drohnen das Alltagsbild prägen, beispielsweise durch Pakettransporte, könnte es die Größenordnung der Formel 1 erreichen. Schließlich investieren jetzt schon globale Unternehmen wie Amazon, Google, DHL, UPS und Alibaba sehr viel Geld in Drohnentechnologie und erforschen mögliche Anwendungsfelder. Für diese Marken wollen wir DIE Werbeplattform sein.

Wo sehen Sie die Parallelen zur Formel 1?

Wir sind im Kern ebenfalls ein Motorsport, allerdings mit einem deutlich höheren Digitalanteil. Wir sind als Teamsport aufgebaut, bei dem die Zuschauer kurze, knackige Heats geboten bekommen.

»Eine Renndrohne der DCL kostet etwa 1.000 Euro.« | © DCL

Welche Chancen bieten Drohnen- Rennen für Tourismusdestinationen?

Wir fliegen vornehmlich an exklusiven Orten, die sich ohnehin für Tourismus lohnen. Beispielsweise sind wir in Paris auf der Champs-Élysées direkt vor dem Triumphbogen geflogen. Dieser ist dann nicht nur ein Motiv im Hintergrund der Berichterstattung, sondern wird von uns zusätzlich als digitale Rennstrecke in DCL – The Game jederzeit erlebbar gemacht. Eine bessere Darstellung und Werbung für eine Tourismusdestination gibt es nicht.

Wo sehen Sie das Drone Racing und die Drone Champions League in fünf bis zehn Jahren?

Wie erwähnt, ist die Entwicklung und das Potenzial des Drone Racings beziehungsweise der DCL maßgeblich vom Wachstum des Drohnenmarktes abhängig. Allerdings bin ich sehr zuversichtlich, dass sich dieser mehr und mehr zu einer lukrativen Industrie entwickeln wird, in der die DCL die perfekte Plattform darstellt, um sich zu präsentieren.




Von Alexander Friedl