eSports: »Großes Interesse im linearen TV und digital«

Kein Fußball, kein Olympia, keine Marathonläufe der klassische Sport pausiert aufgrund ,der weltweiten Covid-19-Pandemie. Und das seit Wochen. Digital läuft der Sport aber weiter. Die Österreichische Fußball-Bundesliga und Sky haben darauf reagiert. Seit Mitte April 2020 gibt es die ,eBundesliga play@home Meisterschaft. Wir haben die Verantwortlichen deshalb zu einem Doppelinterview gebeten: Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer und Head of Digital Sports bei Sky Österreich, Maximilian Heske, über das neue Format, den Stellenwert von eSports-Übertragungen im TV und die Zukunft des virtuellen Sports.

Sky überträgt seit 19. April 2020 die eBundesliga play@home Meisterschaft. Was kann man sich darunter vorstellen?

, Christian ,Ebenbauer,: ,Die eBundesliga play@home Meisterschaft schließt nahtlos an die aktuelle Bundesliga-Saison an und setzt diese virtuell fort. Dabei stellt jedes Bundesliga-Team bis zu zwei Spieler. Somit zocken entweder österreichische eSports-Größen, Fußballprofis oder ein Mix aus beidem für ihren Verein. Die von den Bundesliga-Klubs ausgewählten Repräsentanten simulieren auf der PlayStation via FIFA 20 den Finaldurchgang der Bundesliga und nehmen die Geschicke ihres Teams in die Hand. Gespielt wird im bewährten 85er-Modus.,,ar.

, ,Maximilian ,Heske,: Die Sendung ist einer realen Sky-Bundesliga-Sendung nachempfunden und beläuft sich auf zwei Stunden Sendezeit. Es gibt einen 10-minütigen Vorlauf, dann die sechs Partien der Meister- und Qualifikationsgruppe sowie eine Highlight-Show zum Abschluss. ,Der Fun steht hier klar im Vordergrund, entsprechender Ehrgeiz ist aber dennoch bei allen Spielern spürbar.,b

Welche Profifußballer spielen mit?

, Christian ,Ebenbauer,: Noah Okafor (,Salzburg), Dalibor Velimirovic (,Rapid Wien), ,Christopher Giuliani (Sturm Graz), Christoph Halper (,Mattersburg), Emir Karic (Altach), Lukas Schöfl (WAC), Jürgen Heil (Hartberg), Martin Rasner (,St. Pölten), Michael Svoboda (,WSG Tirol) und Willy Vorsager (Admira).

Im Laufe des Bewerbs werden noch weitere Profifußballer in das Geschehen auf dem digitalen Grün einsteigen.

Welche Ziele verfolgt Sky mit der Übertragung der eBundesliga play@home Meisterschaft?

,Maximilian ,Heske,:,, Wir wollen die Zeit ohne Fußball und ohne Live-Sport bestens nutzen, um unseren Zuschauern ein möglichst attraktives Programm anzubieten. Der emotionale Kommentar sowie der Sendungsaufbau, gepaart mit der realen FIFA-Grafik, lassen bei der eBundesliga play@home Meisterschaft definitiv große Fußballstimmung aufkommen.

Welche Reichweiten werden mit diesem Format erzielt?

, Christian ,Ebenbauer,: Für eine detaillierte Auswertung ist es noch zu früh, da das Format gerade erst begonnen hat. Es ist jedoch erkennbar, dass die Übertragungen sowohl im linearen TV, als auch digital auf großes Interesse stoßen.

Welche Rolle spielt der eSport Verband Österreich (ESVÖ) dabei?

, Christian ,Ebenbauer,: Der ESVÖ wickelt den Spielbetrieb ab und fungiert als oberster Regelhüter und technischer Dienstleister. Diese Rolle haben sie bereits bei den bisherigen drei Ausgaben der eBundesliga eingenommen und sind ein wichtiger Partner in der Entwicklung der eBundesliga.

Sky überträgt auch die F1-Esports-Virtual-Grand-Prix-Serie also die virtuelle Formel-1-Rennserie. Wie kommt das beim Publikum an? Von welchen Reichweiten sprechen wir hier?

,Maximilian ,Heske,: Die virtuelle Rennserie der Formel 1 ist sehr hochwertig produziert und lockt vor allem mit großen Namen. Im Promi-Bewerb fahren regelmäßig gestandene F1-Fahrer mit. Ferrari-Pilot Charles Leclerc gewann erst kürzlich zwei Rennen in Folge.

Aber auch Fußballprofis wie Real Madrids Thibaut Courtois gehen hier an den Start, das ist natürlich fantastisch! Bei den Fans kommt der Wettbewerb sehr gut an und es hilft, trotz der aktuellen Pause der Formel 1 das Feuer bei vielen Fans hoch zu halten.

Der Sport in ganz Europa steht wegen der weltweiten Covid-19-Pandemie de facto still. Interessieren sich nun vermehrt Sportfans für eSports? Kann man das an Zahlen festmachen?

, Christian ,Ebenbauer,: Ein Wachstumstrend im eSports war bereits in den letzten Jahren erkennbar. In der jetzigen Situation ist natürlich eine verstärkte Aufmerksamkeit für den eSports-Bereich auch in anderen Sportarten beispielsweise Formel 1 oder Tennis bemerkbar. Wie viel davon der aktuellen Ausnahmesituation geschuldet ist und wie viel als dauerhaftes Wachstum bleiben wird, ist aktuell noch nicht abzuschätzen.

, Maximilian ,Heske,: ,Wir sehen generell, schon seit längerer Zeit, ein hohes Engagement, wenn es um eSports-Inhalte bei Sky geht. eSports war auch vor der Coronakrise bereits auf dem Vormarsch. Durch die geringeren, klassischen Sportprogramminhalte hatten es eSports-Formate und -Bewerbe leichter, auf die Agenden zu kommen und den Weg ins klassische TV zu finden.

Welche Rolle spielen eSports-Übertragungen aktuell bei Sky beziehungsweise der Bundesliga und welche werden sie in Zukunft spielen?

,Christian ,Ebenbauer,: Die eBundesliga war in den vergangenen drei Jahren als in sich geschlossener mehrstufiger Bewerb konzipiert, der Anfang des Jahres mit den beiden Finalevents im Einzel und Team seinen Höhepunkt gefunden hat. Nun veranstalten wir zum ersten Mal einen Bewerb, der mehr oder weniger parallel zur Meisterschaft auf dem echten Rasen gesehen werden kann. Die Erfahrungen aus diesen beiden Bereichen werden wir dann mit unseren Klubs und dem TV-Partner besprechen.

, Maximilian ,Heske,: ,Der Fokus liegt natürlich klar auf unseren Premium LIVE-Sportinhalten. Mit der eBundesliga hat es aber bereits ein großer eSports Bewerb regelmäßig in unser Portfolio geschafft. Mit der eChampions League, der ePremierLeague oder aber auch dem virtuellen Grand Prix stehen bereits weitere sehr spannende eSports-Titel quasi ante portas.

Sind weitere eSports-Übertragungen auf Sky beispielsweise in anderen Sportarten geplant?

,Maximilian ,Heske,: Ja, das ist tatsächlich der Plan. Wir sind gerade in engen Gesprächen mit dem KAC und dem VSV (Klagenfurter Athletiksport Club und Villacher Sportverein; Anm. d. Red.), um hier gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen und dadurch auch den Eishockeysport trotz vorzeitigem Saisonende weiter zu pushen.

https://www.youtube.com/watch?v=Jt6N_hBpjWY



Von Alexander Friedl