Die USA fiebert dem Super Bowl entgegen – dem Finale der Football-Profiliga NFL und dem größten Einzelsportereignis der Welt. Für TV-Sender, Buchmacher, Lebensmittellieferanten, Elektrogerätehändler und die Ausrichterstadt ist es viel mehr als das: ein Geldregen der Superlative. Um Football geht es beim Super Bowl längst nicht mehr: Doch wer profitiert am stärksten vom Riesenspektakel?

7. Februar 2021

An diesem Tag wird in der Nacht von Sonntag auf Montag der 55. Super Bowl zwischen den Tampa Bay Buccaneers und den Kansas City Chiefs in Florida stattfinden. Austragungsort ist das Raymond James Stadium in Tampa, die Heimstätte der Tampa Bay Buccaneers. Der Super Bowl ist einer der sportlichen und kulturellen Höhepunkte des Jahres in den Vereinigten Staaten. Und das merkt man in allen Bereichen. Bei der Veranstaltung geht es um viel mehr als nur Football. Über die Jahre hat sich der Fokus auf das Drumherum verschoben. So sind die aufwendig produzierten und oft mit Superstars besetzten Werbespots sowie die legendären Halftimeshows nicht mehr wegzudenkende Bestandteile. Sie sind längst Kult. So wurde das knapp 15-minütige Video zur letztjährigen Halftimeshow mit den Sängerinnen Shakira und Jennifer Lopez über 195 Millionen Mal auf YouTube aufgerufen. Eine Zahl, die bereits verdeutlicht, welches enorme Interesse der Super Bowl in der breiten Öffentlichkeit auslöst. 2021 darf der kanadischer Sänger The Weeknd diese Halftimeshow durchführen.

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Die kreativ konzipierten und oft millionenschweren Werbespots performen ähnlich gut. Gerade auf den sozialen Netzwerken ist es nicht unüblich, dass ein Werbefilm millionenfach geklickt wird, viral geht und zum Social-Media-Hit wird. Nicht umsonst spricht man von der spektakulärsten Werbeshow der Welt. Bei einer Umfrage im Januar 2020 gaben laut Datendienstleister Statista 20 Prozent der weiblichen Befragten an, dass für sie die Werbespots der wichtigste Teil des Super Bowls sind.

Das Gesamtvolumen der Fernsehwerbung beim Super Bowl betrug 2019 insgesamt 412 Millionen US-Dollar, von denen rund 336 Millionen US-Dollar während des Spiels eingespielt wurden. Dieser Wert hat sich im Vergleich zu 2003 mehr als verdreifacht. Damit steht der Super Bowl im Vergleich zu den anderen großen Sportevents in den USA hervorragend da – insbesondere in Anbetracht der Übertragungszeit. Zwar werden bei den Olympischen Sommer- und Winterspielen höhere Gesamtvolumen erreicht, diese dauern aber auch mehrere Tage und Wochen und nicht nur einen Abend wie der Super Bowl.

100 Millionen TV-Zuschauer in den USA

Rund 99,9 Millionen Personen verfolgten den Super Bowl 2020 im US-amerikanischen Fernsehen. Damit stiegen die Zuschauerzahlen gegenüber dem Vorjahr an, zuvor gab es nach einem Höchstwert im Jahr 2015 stetig Rückläufe zu verzeichnen. Hinzu kommen Schätzungen zufolge weitere 60 bis 70 Millionen Zuschauer in über 180 Ländern weltweit. Zum Vergleich: In Deutschland lag die TV-Quote bei rund 1,9 Millionen Zuschauern.

Der Super Bowl gilt seit Jahren als konstanter Quotenbringer in den Staaten: In den Top 10 der TV-Übertragungen mit den meisten Zuschauern aller Zeiten finden sich neun Super-Bowl-Spiele.

Super Bowl: Anzahl der TV-Zuschauer in den USA in den Jahren 2001 bis 2020 (in Millionen)

So viel kostet ein 30-Sekunden-Spot

Die Werbeplätze für den Super Bowl sind heiß begehrt, Monate davor bereits ausgebucht und werden dementsprechend zu Höchstpreisen gehandelt. Im Jahr 2021 liegen die Durchschnittskosten für einen 30-Sekunden-Werbespot beim Super-Bowl-Finale im US-Fernsehen bei rund 5,6 Millionen US-Dollar. Heruntergerechnet sind das über 180.000 Dollar pro Sekunde. Im Vergleich dazu kosteten 30 Sekunden im Jahr 2010 „nur“ 2,77 Millionen US-Dollar, 1967 gar 34.500 US-Dollar. In den letzten Jahren war eine kontinuierliche Steigerung festzustellen.

In einer Anfang 2020 durchgeführten Umfrage zum Werbekonsum von Super-Bowl-Werbung unter Erwachsenen in den Vereinigten Staaten haben 63 Prozent der Befragten angegeben, die Werbung sehen zu wollen. Schlussendlich gesehen haben sie aber noch mehr: nämlich 73 Prozent. Große Marken wie VW, Pepsi, Budweiser und viele mehr investieren unter anderem aus diesen Gründen jedes Jahr in Super-Bowl-Werbungen, die mittlerweile schon fast so populär sind wie das Sportevent selbst. Aber nicht nur für die TV-Sender und die Werbebranche ist das Megaevent attraktiv, auch die Lebensmittelindustrie profitiert.

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Konsum, Konsum, Konsum

Die geschätzten Gesamtausgaben der Verbraucher im Zusammenhang mit dem Super Bowl beliefen sich im Jahr 2020 auf 17,2 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 2,4 Milliarden US-Dollar im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Verbraucher in den Vereinigten Staaten gaben im Durchschnitt fast 90 US-Dollar für Einkäufe im Zusammenhang mit dem Super Bowl aus – hauptsächlich für Lebensmittel und Getränke. Die nachfolgenden Statistiken untermauern die beeindruckende Konsumfreudigkeit der Amerikaner an diesem „Sportfeiertag“…

  • 4.000 Tonnen Popcorn werden am Super-Bowl-Sonntag konsumiert
  • 14.000 Tonnen Chips werden darüber hinaus noch vertilgt
  • 1,3 Milliarden Chicken Wings werden von den Amerikanern verzehrt
  • 3,6 Millionen Kilogramm Guacamole werden während des Sport-Spektakels verspeist
  • Pizza-Lieferdienste machen ein Drittel ihres Jahresumsatzes am Tag des Super Bowls
  • 120 Millionen Liter Bier konsumieren die Amerikaner im Schnitt an diesem Tag Jahr für Jahr

Neben dem Konsum von Lebensmitteln geben die Amerikaner auch jede Menge Geld fürs Wetten und für Fanartikel aus.

Geschätzte Super Bowl bezogene Konsumausgaben in den USA in den Jahren 2007 bis 2020 (in Milliarden US-Dollar)

Der Wettmarkt boomt

Pro Jahr werden in den USA in etwa drei bis vier Milliarden US-Dollar auf den Super Bowl gesetzt – das entspricht etwa der Hälfte des deutschen Marktes für ein ganzes Jahr. Laut Medienberichten werden darüber hinaus in den Casinos von Nevada dreistellige Millionen-Beträge auf den Ausgang des Endspiels gesetzt.

Auch das Merchandising boomt vor und nach dem größten Einzelsportereignis der Welt. 250 Millionen Dollar werden von den Fans in Super-Bowl-Fanartikel gesteckt. Der Super Bowl ist aber nicht nur für die NFL ein lukratives Geschäft. Mit gefälschten Trikots, Kappen und Tickets versuchen Händler Geld zu machen. 2019 beim Super Bowl in Atlanta seien 285.000 gefälschte NFL-Artikel im Wert von insgesamt 24,2 Millionen US-Dollar sichergestellt worden, berichteten die Behörden.

Horrende Preise am Ticketzweitmarkt

An ein Ticket für das Finale des Super Bowls zu kommen, ist beinahe unmöglich, es sei denn, man zahlt dafür Geld, sehr viel Geld. Der durchschnittliche Preis für ein Zweitmarkticket des 54. Super Bowls im Jahr 2020 betrug rund 8.400 US-Dollar. Dies entspricht einer Vervierfachung des Preises von 2010.

Aber wie sieht überhaupt die Aufteilung der Ticket-Kontingente aus? Beim Super Bowl im Jahr 2020 haben die beiden angetretenen Mannschaften jeweils 17,5 Prozent des Kartenkontingents erhalten. Die übrigen Tickets sind an die NFL, die verbliebenen 28 Mannschaften der NFL sowie den gastgebenden Verein gegangen.

Der durchschnittliche Preis für ein Zweitmarkticket für den Super Bowl kostet rund 8.400 US-Dollar.

Ob am 7. Februar 2021 überhaupt vor tausenden Zuschauern gespielt werden kann, ist trotz der unsicheren Lage rund um die Covid-19-Pandemie nun geklärt. 22.000 Fans dürfen live vor Ort dabei sein, wenn die Tampa Bay Buccaneers im eigenen Stadion gegen Kansas City Chiefs antreten. 7.500 davon seien bereits geimpfte Mitarbeiter von medizinischen Einrichtungen, die die Tickets als Dank für ihren Einsatz in der Pandemie kostenlos erhielten, teilte die NFL mit. Darüber hinaus sollen 14.500 weitere Fans unter Einhaltung von strikten Schutzmaßnahmen live bei dem Sportgroßereignis im Stadion dabei sein. 65.890 Personen hätten bei einer Vollauslastung des Raymond James Stadium in Tampa Platz gefunden. Historisch gesehen, war der Super Bowl im Jahr 1967 in Los Angeles der mit den wenigsten Zuschauern. 61.946 Personen kamen damals ins Stadion. Den Rekord mit den meisten Besuchern hält der Super Bowl 1980 in Pasadena (103.985).

Absolute Weltspitze? Von wegen…

Zahlen, Daten und Statistiken die äußerst beeindruckend klingen und es auch sind – und dennoch: Absolute Weltspitze ist das alles nicht. Laut dem US-Einzelhandelsverband ist der Super Bowl nicht einmal das verkaufsstärkste Ereignis im Februar – das ist der Valentinstag. Auch international gesehen gibt es größere und reichweitenstärkere Events. So sahen das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 mehr als 1,12 Milliarden Menschen rund um den Globus. Bei den 64 WM-Spielen wurden im Schnitt 191 Millionen Zuschauer verzeichnet, womit schon jedes Spiel für sich ein globaler TV-Hit war und so den Super Bowl übertrumpft. #

99,9 Millionen Menschen verfolgten den Super Bowl 2020 in den USA.

Fotos: David J. Phillip/AP/picturedesk.com | Jai Agnish | Charlie Riedel/AP/picturedesk.com
Grafiken: Statista