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Mit einem Damen- und Herren-Parallel-Riesentorlauf kehrt der Alpine Ski-Weltcup nach Vorarlberg zurück – und das nach über 25 Jahren. Aufgrund der weltweiten Covid-19-Pandemie für die Veranstalter eine echte Mammutaufgabe. Wir haben uns vor Ort in Lech Zürs umgehört.

In Lech Zürs wurden zwischen 1988 und 1994 acht Weltcuprennen ausgetragen. Zuletzt war der Tourismusort 1994 Austragungsort zweier Herren-Slaloms. Beide Rennen konnte damals der legendäre Alberto Tomba aus Italien für sich entscheiden. Hannes Trinkl gewann als bisher einziger Österreicher ein Rennen in Lech Zürs und zwar den Super-G im Dezember 1993.

Der gebürtige Vorarlberger, aber für Luxemburg an den Start gehende Marc Giradelli konnte im Jänner 1993 die Kombination für sich entscheiden. Er ist bis heute der einzige Vorarlberger, der dieses Rennen am schönen Arlberg für sich entscheiden konnte. Lokalmatadorin Katharina Liensberger will es dem fünffachen Gesamtweltcupsieger heute gleichtun und mit einem Rennsieg Geschichte schreiben. Die Vorarlbergerin konnte zuletzt im Slalom von Levi mit zwei dritten Plätzen ihre aktuelle Topform unterstreichen.

In der Zwischenzeit gibt es eine Hiobsbotschaft aus dem österreichischen Ski-Team. Marco Schwarz und Chiara Mair wurden positiv auf das Coronavirus getestet und können den Heimweltcup in Lech Zürs nicht bestreiten. Als wäre dies nicht genug, verletzte sich vergangenes Wochenende beim Training in Hochgurgl auch noch ÖSV-Herrencheftrainer Andreas Puelacher am Knie. Er wurde am Montag in der Privatklinik Hochrum am Meniskus operiert und wird in Lech Zürs von Technik-Coach Marko Pfeifer vertreten.

Doch abseits der sportlichen Fakten stellt die Organisation von Weltcuprennen, speziell in einer weltweiten Pandemie, eine große Herausforderung für die Veranstalter dar. Wir haben mit Hermann Fercher, Tourismusdirektor und CEO Lech Zürs Tourismus, sowie Hannes Skardarasy, Geschäftsführer Hotel Zürserhof, über Sicherheitsvorkehrungen, Herausforderungen und Werbewerte gesprochen.

Skirennen während der Pandemie: Welche Vorkehrungen wurden von Seiten der Veranstalter getroffen, um die Skistars zu schützen?

Hermann Fercher: Für die Sicherheit des rund 350 Personen starken Weltcup-Trosses sorgt ein umfassendes Sicherheitskonzept der FIS, des ÖSV und des Skiclubs Arlberg. Grundsätzlich wird dabei auf die Bildung und Isolation von sogenannten „Bubbles“ gesetzt. Das heißt bestimmte Personengruppen kommen nur innerhalb ihrer „Blase“ zusammen. Dies kann beispielsweise beim Sport, in der Unterkunft, beim Essen und so weiter der Fall sein. Jeder bekommt nur Zutritt zu einer genehmigten „Bubble“. Dabei kann es sich um rot, weiß, gelb oder grün markierte Akkreditierungen handeln, die sich in ihrer Funktion unterscheiden. Kontrolliert wird das Ganze von einem Sicherheitsteam. Jeder wird vor dem Wettkampf mittels PCR-Verfahrens getestet. Eine Ansteckung während des Weltcups ist eigentlich nicht möglich.

Nach über 25 Jahren findet in Lech Zürs erstmals wieder ein Skirennen statt. Mit welchen Herausforderungen haben Hoteliers wie Sie aktuell zu kämpfen?

Hannes Skardarasy: Die große Herausforderung ist natürlich die Corona-Pandemie. Es wird schwierig werden, für zwei Tage alles hochzufahren. Schließlich wissen wir nicht, wie es diesen Winter weitergeht, aber wir nehmen diese Herausforderung an.

Ein Weltcuprennen verspricht in der Regel einen enormen Werbewert für die Region. Ist das aufgrund der Covid-19-Pandemie und dem dadurch fehlenden Tourismus anders? Steht das „positive Signal“ für die Tourismusbranche im Vordergrund?

Hermann Fercher: Lech Zürs stellt innerhalb des Weltcup Zirkus eine Sonderrolle dar. Unser Rennen findet immer außerhalb einer Saison statt und hat daher vorerst keinen unmittelbaren Nächtigungsbringernutzen. Für uns ist das Rennen im November eine super Gelegenheit, den Winterstart in Form von TV, Radio, Print und Social Media zu bewerben. Schon heuer sind die Reaktionen in den Märkten enorm und wir sind der festen Überzeugung, dass alleine der Werbenutzen so groß ist, dass sich die Investitionen und Aufwände gelohnt haben.

Hannes Skardarasy: Wir hoffen, den Weltcup auch die nächsten Jahre ausrichten zu dürfen und erwarten uns, durch die Fernsehpräsenz Impulse für das nächste Jahr. Die aktuelle Situation ist eine sehr schwierige für die Tourismusbranche, denn überall wird von einem Skifahrverbot gesprochen. Eine Tatsache, die wir nicht verstehen können, da wir extrem viele Sicherheitsvorkehrungen getroffen haben, um ein Zeichen zu setzen.

Welche Skistars werden im Hotel Zürserhof nächtigen?

Hannes Skardarasy: Das österreichische, französische und schweizerische Team nächtigen bei uns. Jedes Team befindet sich selbstverständlich in einem eigenen Stockwerk. Jeder Mitarbeiter wird mehrmals getestet, um nichts zu riskieren. Wir wollen in diesen Tagen zeigen, dass Skifahren und Wintertourismus in Einklang zu bringen sind. #

Fotos: Hannes Skardarasy