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Foto: Frank Hoermann/dpa Picture Alliance/picturedesk.com | Dieser Beitrag ist ursprünglich in der 32. Ausgabe des Sport Business Magazin (03-2021) erschienen.

FUSSBALL Ohne sie würde kein Fußballspiel angepfiffen werden und doch ist es der undankbarste Job im gesamten Fußballuniversum: der Schiedsrichter. Ein aktueller Lagebericht zu überschaubaren Gehältern, fehlender Professionalisierung und Frührente mit Mitte 40.

Das Erfolgsgeheimnis des Fußballsports ist über 100 Jahre die klaren und leicht verständlichen Regeln, die trotz aller Anpassungen im Wesentlichen unverändert blieben. Aufgrund von wachsenden Anforderungen und Erweiterungen einzelner Punkte im Regelwerk ist die Rolle des Schiedsrichters seit Jahren im Wandel. Nicht genug, dass binnen Sekunden komplexe Spielsituationen richtig bewertet werden müssen. Ein Pfiff entscheidet am Saisonende nicht nur über Meisterschaft oder Abstieg, sondern auch über die Zukunft von Vereinen.

Mit einem umfassenden Ausbildungs- und Förderprogramm sorgen der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) sowie die neun Landesverbände dafür, dass die Unparteiischen den Anforderungen in vorbildlicher Weise gerecht werden – nicht nur auf dem Spielfeld. In der aktuellen Saison 2021/22 sind insgesamt 2.216 Unparteiische Woche für Woche auf Österreichs Fußballplätzen im Einsatz. 28 davon pfeifen in der Bundesliga und aus dieser Gruppe werden die sieben FIFA-Referees von der ÖFB-Schiedsrichterkommission nominiert.

Schiedsrichter in den höheren Spielklassen sind Leistungssportler. Wer in der Bundesliga zum Einsatz kommen will, benötigt Augenmaß, Autorität, Regelkompetenz, Nervenkraft und Erfahrung, aber auch eine gute Fitness.

VAR, Torlinientechnik und Co: Die technischen Hilfsmittel der Schiedsrichter

TRAUMBERUF REFEREE Für die besten FIFA-Schiedsrichter lag das Fixgehalt bei der WM 2018 in Russland bei 57.000 Euro – plus weitere 2.400 Euro pro Partie. | © Vladimir Koshkarov

Unterschiedliche Aufgabengebiete für das Spielgeschehen

Die Anzahl der am Fußballspiel beteiligten Schiedsrichter ist im Laufe der Jahre gestiegen. Der Hauptschiedsrichter leitet die Partie und verschafft den Regeln Geltung. Hierfür kann der Schiedsrichter Spiel- und Disziplinarstrafen verhängen, die sich gegen Spieler, Ersatzspieler, ausgewechselte Spieler oder Offizielle der teilnehmenden Mannschaften richten können. Die unmittelbare Disziplinargewalt des Schiedsrichters beginnt mit Betreten des Spielfeldes zur sogenannten Platzbegehung und endet mit dem Verlassen des Feldes nach Spielende.

Zudem hat der Unparteiische die Verpflichtung, Regelverstöße im Zusammenhang mit dem Spiel zu melden, die außerhalb dieses Zeitraums begangen werden.

 

»Es benötigt eine Professionalisierung des Schiedsrichterwesens von der Spitze abwärts. Es ist kein Vorteil, dass Österreichs Schiedsrichter-Chef gleichzeitig auch Präsident eines Fußball-Landesverbands ist.«

Oliver Drachta | Ex-ÖFB-Schiedsrichter

 

Bei Spielen in den höheren Spielklassen wird der Schiedsrichter durch zwei Schiedsrichterassistenten unterstützt, indem sie mit der Fahne anzeigen, wenn Vergehen im Rücken des Schiedsrichters vorliegen, Spieler im Abseits stehen oder der Ball das Feld verlassen hat.

Im Profifußball gibt es zudem den Vierten Offiziellen, der dem ersten Schiedsrichterassistenten Aufgaben abnimmt, Auswechslungen kontrolliert, die vom Schiedsrichter festgelegte Nachspielzeit anzeigt oder das Umfeld überwacht. Der Vierte Offizielle ist zugleich als Schiedsrichter beziehungsweise Schiedsrichterassistent ausgebildet. Bei einem Ausfall des Schiedsrichters oder eines Assistenten ist damit umgehend Ersatz verfügbar.

Neben dem Video-Assistenten (englisch: Video Assistant Referee, kurz VAR) ist ebenso ein Schiedsrichterbeobachter Teil eines höherklassigen Fußballspiels. Diese Position wird in der Regel von älteren, erfahrenen, zumeist nicht mehr aktiven Spielführern eingenommen. Die Beobachtungen dienen der Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Schiedsrichter und werden von den Schiedsrichterausschüssen am Ende oder im Laufe des jeweiligen Spieljahres zur Einstufung des Schiedsrichters herangezogen.

Im Anschluss an das geleitete Spiel erfolgt in der Regel eine mündliche Auswertung, welche in die Erstellung eines Beobachtungsbogens durch den Beobachter mündet. Der spielleitende Schiedsrichter erhält unter Berücksichtigung der Anforderungen im Spiel Hinweise zu Fehlern, besonders positivem Auftreten oder solchen Entscheidungen.

FIFA-Schiedsrichter Manuel Schüttengruber

 NIEDRIGE GEHÄLTER  Für einen Einsatz in der höchsten Spielklasse in Österreich erhält der Hauptschiedsrichter wie hier Manuel Schüttengruber 1.350 Euro. | © msref.at

Genau dieses Bewertungssystem kritisiert der ehemalige ÖFB-Schiedsrichter Oliver Drachta, der nach 165 Bundesliga-Partien, 13 Länderspiel-Einsätzen und 20 Europacup-Partien, seine Karriere in diesem Jahr beendete. »Jedes Spiel beginnt mit einem Punkte-Grundlevel. Ab der ersten Minute kann man sich nie verbessern, sondern nur noch verschlechtern. Das ist psychologisch der falsche Ansatz«, so Drachta gegenüber dem Sport Business Magazin. Ebenso gäbe es keine richtige Aufarbeitung nach Einsätzen und es brauche eine Reform des gesamten Schiedsrichterwesens: »Es benötigt eine Professionalisierung des Schiedsrichterwesens von der Spitze abwärts. Es ist kein Vorteil, dass Österreichs Schiedsrichter-Chef gleichzeitig auch Präsident eines Fußball-Landesverbands ist.«

Gegenüber dem Sport Business Magazin bezieht der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Robert Sedlacek Stellung zu den Vorwürfen: »Die Kritik an dem Bewertungssystem ist nicht nachvollziehbar, da dieses weltweit eingesetzt wird. Zur mangelnden Unterstützung in der Öffentlichkeit kann ich nur sagen, wenn man sich zu viel wehrt, wird der Widerstand der Kritiker noch größer. Zum Vorwurf gegen meine Person kann ich nur sagen, dass es die ÖFB-Statuten und Bestimmungen vorsehen, dass der Vorsitzende eines ÖFB-Ausschusses ein Landesverbandspräsident sein muss. Ich kann versichern, dass ich für alle neun Bundesländer den gleichen Aufwand betreibe.«

 

Profischiedsrichter ein besserer Spielleiter?

Im Zusammenhang mit dem Kritikpunkt »Professionalisierung des Schiedsrichterwesens« fällt immer öfters die Forderung nach Profischiedsrichtern für die höchste österreichische Liga. »Hier stellt sich die Frage: Pfeift ein Schiedsrichter besser, wenn er doppelt so viel Geld bekommt? Kann ein Schiedsrichter seinen Tagesablauf nach dem Fußball richten, ist es hingegen kein Nachteil«, meint Schiedsrichter-Boss Sedlacek. In dieselbe Kerbe schlägt FIFA-Schiedsrichter Manuel Schüttengruber, der den Profischiedsrichter für nicht notwendig hält und selbst keiner sein will: »Ein Halbprofi-Schiedsrichter würde mehr Sinn machen. Sich einen ganzen Tag nur mit Fußball zu beschäftigen, ändert nichts an der Leistung. Eine Unterstützung im Time-Management wäre hier schon ausreichend. Vor allem an Spieltagen wäre es hilfreich, wenn man vorher nicht arbeiten und in der Folge zum Spiel hetzen muss.«

Selbst in der deutschen Bundesliga gibt es offiziell keinen Profischiedsrichter. Im Gegensatz zu Österreich ist aufgrund der höheren Gehälter und Prämien ein weiterer Beruf aber nicht notwendig. In England entschied man sich hingegen 2001, eine eigenständige Organisation des Schiedsrichterwesens zu gründen. Die Schiedsrichter-Gesellschaft PGMOL (Professional Game Match Officials Limited) wurde aus dem Verband ausgegliedert. Seitdem pfeifen 18 Profischiedsrichter in der Premier League. Die PGMOL ermöglicht den Unparteiischen besondere Rahmenbedingungen wie etwa Trainingslager, die Betreuung durch Sportwissenschaftler, Sportpsychologen oder Trainer.

Sport Business Magazin Winterausgabe 04-2021

Was verdienen Schiedsrichter?

Immer wieder stellen sich Fußballfans auf der ganzen Welt die Frage: Wie viel verdienen die Schiedsrichter bei ihren Einsätzen? Bei der diesjährigen EURO 2020 waren im Gegensatz zu den Spielern die meisten Schiedsrichter keine Profis. So arbeitet der deutsche Unparteiische Daniel Siebert neben seiner Schiedsrichtertätigkeit als Teilzeit-Lehrer an einer Sportschule. Obwohl die UEFA die Schiedsrichtergehälter der EURO nicht veröffentlichte, gibt es mittlerweile gute Schätzungen. Die letzten offiziellen Zahlen stammen von der EURO 2008. Damals erhielten die Schiedsrichter eine Tagespauschale von 200 Euro, eine zusätzliche Prämie von 10.000 Euro für den Hauptschiedsrichter und 5.000 Euro für seine beiden Assistenten pro Spiel. Der vierte Offizielle erhielt 4.000 Euro. Laut mehreren Medienberichten liegen die Gehälter aktuell in einem ähnlichen Rahmen.

Ein lukrativerer Job sind die Einsätze bei einer Weltmeisterschaft. Für die besten FIFA- Schiedsrichter lag das Fixgehalt bei der WM 2018 in Russland bei 57.000 Euro, dabei war es unabhängig, wie viele Spiele der Unparteiische pfiff. Zusätzlich gab es weitere 2.400 Euro pro Partie. Die Assistenten kassierten ein Grundgehalt von 20.000 Euro plus 1.600 Euro pro Spiel.

Von solchen Zahlen sind die Schiedsrichter in der österreichischen Bundesliga meilenweit entfernt. Für einen Einsatz in der höchsten Spielklasse erhält der Hauptschiedsrichter 1.350 Euro, seine Assistenten 675 Euro und der Vierte Offizielle 330 Euro. Der VAR erhält 60 Prozent der Entlohnung des Schiedsrichters – 810 Euro. Zusätzlich erhalten die Unparteiischen Anfahrtsspesen, berechnet an den Preisen der österreichischen Bahn. In der zweiten Liga erhält der Schiedsrichter 750 Euro und seine Assistenten 400 Euro. Unterhalb der höchsten zwei Ligen ist der Landesverband für die finanzielle Entschädigung der »Männer in Schwarz« verantwortlich. In der Regionalliga werden in etwa 100 Euro ausbezahlt, bei einem Nachwuchsspiel lediglich 28 Euro.

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In Deutschland hat der Deutsche Fußball Bund (DFB) im Jahr 2012 ein jährliches Bruttogrundgehalt für die DFB-Schiedsrichter eingeführt. So erhält ein FIFA-Schiedsrichter in der Saison 2021/22 eine Entlohnung von 80.000 Euro pro Jahr, ein Schiedsrichter mit mindesten 5-jähriger Bundesligaerfahrung 70.000 Euro und ein Einsteiger 60.000 Euro. In der zweiten deutschen Liga liegt das Grundgehalt bei 40.000 Euro. Zu diesem Jahresgehalt kommt noch eine Prämie pro Spiel. Ein Schiedsrichter in der höchsten Klasse erhält pro Partie zusätzlich 5.000 Euro und seine Assistenten je 2.500 Euro. In der zweiten Bundesliga gibt es für den Spielleiter pro Spiel 2.500 Euro und für die Assistenten je 1.250 Euro. Über diese Beträge kann sich nur die absolute Elite in Deutschland freuen, denn Bundesliga-Schiedsrichter werden nur wenige. Der Weg ist steinig, muss man sich doch gegen 80.000 Konkurrenten durchsetzen. Das Spielhonorar in der 3. Liga liegt bei 750 Euro und in der Regionalliga (4. Liga) bei 300 Euro. Schiedsrichterassistenten erhalten jeweils die Hälfte. Zudem bekommen alle drei Unparteiischen Spesen für ihre Anreise. Unterhalb der Regionalligen gibt es zusätzlich zu den Anfahrtsspesen lediglich kleine Honorare zwischen 20 und 50 Euro.

Bei den Verdienstmöglichkeiten sieht es in den anderen Top-Ligen ähnlich wie in der deutschen Bundesliga aus. In England verdienen die Schiedsrichter der Premier League pro Jahr 73.900 Euro und pro Spiel 1.705 Euro. 1.250 Euro gibt es für die Assistenten und den Vierten Offiziellen. 40.000 Euro gibt es für Schiedsrichter, die mindestens 25 Serie-A-Spiele leiten, Aufsteiger werden mit 30.000 Euro honoriert. Assistenten bekommen immerhin 23.000 Euro Jahresgehalt. Die Einsatzprämien belaufen sich auf 3.800 Euro (Schiedsrichter), 1.080 Euro (Assistenten) und 800 Euro (Vierte Offizielle). In der spanischen LaLiga erhalten die Unparteiischen ein Fixum von rund 10.000 Euro pro Monat und jeder Einsatz wird mit 3.631 Euro vergütet. Die Assistenten erhalten 1.521 Euro und der Vierte Offizielle 890 Euro.

Auf internationaler Ebene unterteilt die UEFA ihre Schiedsrichter für die Champions und Europa League in verschiedene Leistungskategorien, an welchen der Verdienst pro Einsatz gemessen wird. Die Schiedsrichter der obersten Kategorie (Elite) erhalten 4.800 Euro pro Spiel, ab dem Viertelfinale sogar 5.800 Euro. Zusätzlich gibt es hier wieder die Tagespauschale von 200 Euro, welche vom Tag der Anreise, bis zur Abreise bezahlt wird. Aufgrund der Grundgehälter in den Top-Ligen und den internationalen Einsätzen ist die Tätigkeit als internationaler Schiedsrichter äußerst attraktiv.

Abpfiff mit 47 – Ist die Altersgrenze für Schiedsrichter noch Zeitgemäß?

In Österreich wird regelmäßig über die Altersgrenze für Schiedsrichter mit 45 Jahren diskutiert. »In den ÖFB-Statuten ist keine Altersgrenze niedergeschrieben. Wenn einer seine Leistung nicht nur regeltechnisch, sondern auch konditionell und bei den Fitnesstests bringt, erledigt sich das Thema von selbst«, erklärt Schiri-Boss Sedlacek. Für die diesjährige Saison wurden die Unparteiischen Rene Eisner und Gerald Grobelnik, beide 46, als Bundesliga-Schiedsrichter bestätigt.

In Deutschland ist die Altersgrenze von 47 Jahren in den Statuten des DFB festgehalten. Aus diesem Grund war am 38. Spieltag der letzten Saison für drei Schiedsrichter-Karrieren Schlusspfiff. Altersbedingt mussten Manuel Gräfe, Markus Schmidt und Guido Winkmann die Fußballbühne verlassen.

Vor allem das Aus für Gräfe, trotz sehr guter Leistungen und 289 Bundesliga-Einsätzen, löste in den letzten Wochen eine Diskussion um die Altersgrenze der Unparteiischen aus. Viele Bundesliga-Spieler, Trainer und Manager sprachen sich für eine Fortsetzung seiner Laufbahn aus. »Es geht darum, die Besten in der Liga einzusetzen, auf allen Ebenen. Man muss sich an den Kopf greifen, wenn man einen Mann auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit einfach so auf Eis legt, nur, weil er an einer vor Urzeiten festgelegten imaginären Zeitschwelle angekommen ist«, kritisierte der Manager von TSG Hoffenheim, Alexander Rosen.

»In den ÖFB-Statuten ist keine Altersgrenze niedergeschrieben. Wenn einer seine Leistung nicht nur regeltechnisch, sondern auch konditionell und bei den Fitnesstests bringt, erledigt sich das Thema von selbst.«

Robert Sedlacek | ÖFB-Schiedsrichterpräsident

Die Diskussion um die Altersgrenze der Schiedsrichter ist nicht neu. Beim Weltfußballverband FIFA liegt die Grenze für internationale Einsätze bei 45 Jahren. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Der niederländische Top-Mann Björn Kuipers sollte eigentlich bei der EURO 2020 sein fünftes und letztes großes Turnier pfeifen. Trotz der EM-Verschiebung um ein Jahr wurde ihm diese Ehre nicht genommen. Bei der Endrunde kam Kuipers zum Einsatz – obwohl er bereits 48 Jahre alt war. Selbst in »der besten Liga der Welt« – die englische Premier League – ist das Alter der Referees nicht das Maß aller Dinge. Dort sind der bereits 53-jährige Mike Dean und Martin Atkinson mit 50 Jahren noch absolute Spitzenkräfte an der Pfeife

Gräfe will nach seinem unfreiwilligen Karriereende gegen den Deutschen Fußball- Bund vor Gericht ziehen und die umstrittene Altersregel für Schiedsrichter zum Kippen bringen. In Deutschland würden die Unparteiischen zu wenig nach Leistung bewertet. Fitness sei zwar wichtig, werde aber überbewertet. Letztlich zähle allein die Qualität der Entscheidungen. »Ich verklage den DFB wegen Altersdiskriminierung«, kündigte der langjährige Bundesliga-Referee in einem Interview des »Zeit Magazin« an. »Der DFB behauptet, sich gegen Rassismus, Diskriminierung und für Diversität einzusetzen. Die Altersregel steht dem entgegen.« Vor Gericht will der Berliner für die gesamte Schiedsrichter-Berufsgruppe kämpfen, da die Regel auch andere Kollegen betreffe. »Die Regel hat sogar in unteren Spielklassen Folgen. In der Regionalliga wird manchem 25-Jährigen mitgeteilt, dass er bald aufsteigen müsse, sonst sei er zu alt. So geben viele perspektivlos und frustriert auf.« Zugleich stellte er klar: »Ich selbst werde nicht mehr pfeifen, auch wenn ich mit meiner Klage Erfolg haben sollte.«

 BJÖRN KUIPERS » Der niederländische Schiedsrichter musste mit 48 Jahren nach der EURO seine internationale Karriere beenden« | © kivni

Gegenseitige Anerkennung wächst

Wie am Beispiel Gräfe sichtbar, gewinnen die Schiedsrichter immer mehr an Anerkennung bei den Spielern. Dies sieht man in Österreich bei der Wahl zum Schiedsrichter des Jahres, die von der Spielergewerkschaft für Fußballer (VdF) jährlich durchgeführt wird und sich für die Professionalisierung der Unparteiischen einsetzt. »Es ist überfällig, den Schiedsrichtern in der Bundesliga ein professionelleres Umfeld zu bieten, wo sie sich auch als Profischiedsrichter behaupten müssen. Österreich gehört sportlich zu den zehn besten Ligen Europas – da darf die Professionalisierung des Schiedsrichterwesens nicht davon abhängen, wie groß oder klein wir als Land sind. Beruf und nebenbei Schiri – das muss bald der Vergangenheit angehören«, fordert der Gewerkschaftsvorsitzende Gernot Zirngast.

Nach jedem Spieltag gibt es heftige Diskussionen über die Schiedsrichter-Leistungen. Obwohl die Unparteiischen nicht im Mittelpunkt stehen wollen, wäre ein Fußballspiel ohne die Schiedsrichter nicht möglich. Macht ein Schiedsrichter alles richtig, fällt es nicht weiter auf, macht er einen Fehler, schlägt ihm oft die Empörung der Trainer, Spieler und Fans entgegen. Das Schiedsrichterwesen ist der wohl undankbarste Job im Fußball. #

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