Die weltweite Covid-19-Pandemie hat den Sport hart getroffen. Mit ihm auch alle beteiligen Personen der Branche. Wir haben deshalb drei Sportpersönlichkeiten zum Interview gebeten: Ex-Profifußballer Paul Scharner, der unter anderem lange beim HSV, Wigan Athletic und West Bromwich erfolgreich gespielt hat, Ex-Tennisprofi und jetzige Sportreporterin und Moderatorin Barbara Schett und die Österreichische Skilangläuferin Teresa Stadlober.

Die weltweite Covid-19-Pandemie hat die Sportwelt lahmgelegt. Was hat Corona mit Ihnen persönlich gemacht?

Paul Scharner: Einerseits natürlich meine intensive Reisetätigkeit im Auftrag meiner Firma Lighthouse – Partnersforlife GmbH, von einem auf den anderen Tag lahmgelegt. Ich war fünf von sieben Wochen vor der Krise in England. Auf der anderen Seite hat sie mir auch Zeit geschenkt, um mich intensiver mit der Familie zu beschäftigen. Außerdem hatten wir selten so einen schönen Gemüsegarten. Alles in allem war es eine Entschleunigung.

Barbara Schett: Das Virus hat nicht nur mich, sondern viele Menschen zum Umdenken gebracht und Fragen aufgeworfen. Welche sind die wichtigen und wirklich notwendigen Dinge im Leben? Persönlich bin ich in dieser Zeit sehr zur Ruhe gekommen. Ich habe die gemeinsame Zeit mit meiner Familie genossen und tue das immer noch. Das Leben hat sich verlangsamt und ist unkomplizierter, das heißt, einfacher geworden.

Teresa Stadlober: Bis zum abrupten Ende der Weltcupsaison bin ich von Rennen zu Rennen gefahren oder geflogen und von einem Tag auf den anderen war Stillstand eingekehrt. Der Tagesablauf musste neu sortiert und strukturiert werden. Es war für mich die totale Entschleunigung und ich widmete mich neuen Aufgaben wie zum Beispiel dem Kochen.

Können Sie abschätzen, wie hoch der finanzielle Schaden für Sie infolge der Covid-19-Pandemie ist?

Paul Scharner: Nein, das lässt sich erst am Ende dieses beziehungsweise Anfang nächstes Jahr einschätzen. Aber es zeichnet sich ein doch ziemlich großer Einschnitt ab.

Barbara Schett: Ich glaube, dass wir die wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen dieser Pandemie erst richtig zu spüren bekommen. Durch staatliche Unterstützungen und diverse Stimulationspakete wurde das Ausmaß bis dato „unterdrückt“ und ist uns in vollem Umfang noch gar nicht bekannt.

Teresa Stadlober: Ich bin in der glücklichen Lage, dass alle meine Verträge weiterbestehen. Der Dank gilt neben meinen privaten Sponsoren, besonders auch dem ÖSV, der trotz unsicherer Lage, das gleiche Weltcupbudget für die WM Saison 2020/21 zur Verfügung stellt.

 

Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Sponsorenverträge aus? Werden Budgets gekürzt? Können neue Sponsoren gewonnen werden?

Paul Scharner: Ich würde die Frage erweitern auf: Ist das aktuelle Geschäftsmodell noch zeitgemäß? Denn man hat doch deutlich gesehen, dass sehr wenige Vereine zukunftsträchtig wirtschaften und professionell arbeiten. Es wird sicher ein Umdenken notwendig sein, um die Investitionen und Sponsorengelder mit Kennzahlen zu untermauern, die zeigen, was mit dem ganzen eingesetzten Kapital passiert. Da sind sicher auch die Unternehmen gefordert, diese vermehrt einzufordern.

Barbara Schett: Da naturgemäß viele Firmen von diesem Virus betroffen sind, werden in Richtung Sponsoring einige Einsparungen getroffen werden. Im Tennis könnte das bedeuten, dass die Budgets gekürzt werden, weniger Turniere stattfinden können, niedrigeres Preisgeld ausgeschüttet wird und so weiter.

Blick in die Zukunft: Wie geht es für Sie in Ihrem Sport weiter? Welche Veränderungen sind zu erwarten?

Paul Scharner: Also für mich in der Konzeption und Philosophie meiner Unternehmung gleich wie vor der Krise. Weil sich die gesamte Situation in die Richtung verändert hat, dass niemand mehr Geld für „Brot und Spiele“ zu verschenken hat. Und deswegen die Professionalisierung und Optimierung im Fußball weiter voranschreiten wird und muss. Ich sehe da noch sehr viel Potential in der Gesamtorganisation und Umsetzung in einem Fußballverein.

Barbara Schett: Hoffentlich werden Tennisturniere international bald wieder stattfinden können. Das wäre wichtig. Trotz Einsparungen diverser TV-Kanäle und seitens der werbetreibenden Wirtschaft, bin ich dennoch guter Dinge, dass sich der Tennissport früher oder später wieder erholen wird. Dennoch wird es das ein oder andere Event in Zukunft wohl nicht mehr geben.

Teresa Stadlober: Nachdem der Weltcupkalender erst offiziell seitens der FIS bestätigt werden muss, wird man erst im Herbst genau wissen, welche Wettkämpfe überhaupt ausgetragen und wie diese ablaufen werden. Ich hoffe, dass die Weltmeisterschaft in Oberstdorf (Deutschland) Ende Februar 2021 stattfinden wird und dies mit Stimmung und Emotionen des Publikums. Darüber hinaus bin ich zuversichtlich, dass wir alle eine weitere Pandemie verhindern wollen. Dann können wir unseren Sport wieder wie vor der Coronakrise ausüben.

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