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RELIGION Sport und Religion scheinen nicht trennbar zu sein. Die FIFA ist religiös neutral. Doch einzelne Fußballspieler lassen es sich nicht nehmen, ihre Verbundenheit zu Gott beispielsweise in Form von Tattoos stolz zu präsentieren. Antoine Griezmann vom FC Barcelona ziert dabei an seinem oberen rechten Arm ein Kunstwerk mit Jesus Christus und der brasilianische Fußballspieler Neymar trägt die Inschrift »Möge Gott mich segnen und beschützen«.

Immer wieder bekreuzigen sich Fußballer, bevor sie das Spielfeld betreten und erbeten damit göttlichen Beistand. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Fußballstars, welche sich christliche Tattoos stechen lassen. Auf die Frage, ob christliche Tattoos bei Fußballspielern aus Sicht der Kirche willkommen seien, antwortete der Erzbischof von Salzburg und langjähriger Sportbischof, Franz Lackner, auf Anfrage des Sport Business Magazins:

»Zeichen sind wichtig. Der Fußball lebt von Zeichen wie tumultartige Umarmungen, Kreuzzeichen, Blick und Gesten nach oben, wenn ein Tor gelungen ist. Auch Tattoos können ein Zeichen sein, so sie gesundheitsverträglich sind.«

So hat sich der brasilianische Fußballspieler Neymar ein Bein-Tattoo stechen lassen. Es zeigt ein persönliches Gebet, das aus dem portugiesischen übersetzt so viel bedeutet wie »möge Gott mich segnen und beschützen«. Der sechsfache Weltfußballer Lionel Messi präsentiert detailliert ausgearbeitete, farbig gestaltete Kirchenfenster, Rosen und ein Jesus-Portrait. Marcelo von Real Madrid hat einen Engel auf dem Rücken und ein Kreuz auf seinem rechten Arm, die seinen festen religiösen Glauben zeigen. Auf seinem tätowierten Oberarm befindet sich darüber hinaus eine Abbildung von Jesus Christus.

 

Damit treten Fußballstars als Botschafter des Glaubens auf, was die katholische Kirche sehr freuen dürfte, da sie regelmäßig indirekt ein Millionenpublikum erreicht. Der Papst sagt während einer Audienz, der Sport – insbesondere der Fußball – sei ein Weg »des Lebens, der Reife und der Heiligkeit«. Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie empfängt der bekennende Fußballfan Franziskus immer wieder prominente Kicker im Vatikan. So waren in den vergangenen Monaten die Starspieler Lorenzo Pellegrini (AS Rom) und Ciro Immobile (Lazio) zu Gast. Ende Jänner begrüßte der Papst zudem die Profis von Serie-A-Klub Spezia Calcio.

 

DIE RELIGIONSNEUTRALITÄT DES WELTFUSSBALLVERBANDS FIFA

Gläubige Fußballprofis dürfen religiöse Botschaften schon seit 2007 nicht mehr rund um ein Spiel zur Schau stellen. Dies hat der Weltverband FIFA festgelegt. Bei Missachtung drohen Verein und Kicker Strafen. In den FIFA Satzungen steht hierzu, dass jegliche Diskriminierung eines Landes, einer Einzelperson oder von Personengruppen aufgrund von Hautfarbe, ethnischer, nationaler oder sozialer Herkunft, Geschlecht, Behinderung, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand, sexueller Orientierung oder aus einem anderen Grund, unter Androhung der Suspendierung oder des Ausschlusses verboten ist. Darüber hinaus steht in der Satzung, dass die FIFA religiös neutral ist. Der ethische Forderungskatalog, der auf die Einhaltung der Menschenrechte hinweist, sich klar gegen Diskriminierung und Rassismus ausspricht, gegen Korruption und Doping im Sport auftritt, zeigt den positiven Grundgeist der FIFA auf, welcher eben auch auf Religionsneutralität pocht.

 

»Als gläubiger Mensch bin ich überzeugt, dass Sport beziehungsweise Körperlichkeit sowie Religion Existentiale des Menschen sind, beide sollten nicht vernachlässigt werden.«

Franz Lackner | Erzbischof Salzburg

 

Ein eigener Ethikkodex ist ein Beispiel dafür, dass es im Fußball ohne Regeln nicht funktioniert. Ethikwerte, die gerade von der Kirche in Anspruch genommen werden. »Als gläubiger Mensch bin ich überzeugt, dass Sport beziehungsweise Körperlichkeit sowie Religion Existentiale des Menschen sind, beide sollten nicht vernachlässigt werden. Wir dürfen nicht vergessen, dass es im Sport nicht ohne ethische Basis geht. Man denke etwa an das Prinzip des Fair-Play. Mir imponiert es beispielsweise, wenn Läufer plötzlich krampfen und von ihren ‚Konkurrenten‘ ins Ziel getragen werden. Hier zeigen sich Werte, die nicht immanent aus dem alleinigen Ziel, zu gewinnen, erklärt werden können. Mit Sport und Religion ist es wie in vielen Bereichen des menschlichen Lebens. Man gewinnt durch Zusammenspiel auf ein Ziel hin«, erläutert Erzbischof Lackner.

SIND RELIGIÖSE FUSSBALLSPIELER MENTAL STÄRKER?

Der Glaube ist für Fußballer eine enorme Kraftquelle. Spieler müssen nicht nur körperlich topfit sein, auch mental müssen sie in der Lage sein, jede Woche dem Leistungsdruck standzuhalten. Hier schöpfen viele Fußballer im Glauben Kraft und vertrauen darauf, dass sie vom göttlichen Segen begleitet sind und so besser mit dem Erwartungsdruck umgehen können. Glaube kann bei jedem Sportler in den verschiedensten Formen unterstützend wirken. Der eine nutzt den Glauben als Kraftquelle, für einen anderen spendet er Trost nach einer Niederlage. Glaube kann für einige auch als Motivationsquelle gesehen werden, schwierige Zeiten zu überstehen und weiter zu kämpfen.

 

»Persönlich sehe ich es kritisch, wenn Sportler dazu tendieren, ihre Verantwortung einer höheren Macht abzugeben und somit die Eigenverantwortung vernachlässigen

Wolfgang Seidl | Mentalcoach

 

Mentaltrainer Wolfgang Seidl vertritt in dieser Frage folgende Sichtweise: »Wenn Sportler an ihre Leistungsgrenze stoßen, kann ihr starker Glaube sie unterstützen, über ihre persönlichen Grenzen zu gehen. Persönlich sehe ich es kritisch, wenn Sportler dazu tendieren, ihre Verantwortung einer höheren Macht abzugeben und somit die Eigenverantwortung vernachlässigen.« Auf die Frage, ob der Glaube als Alternative zum Mentaltraining angesehen werden kann, ergänzt Seidl: »Ich sehe den Glauben als Unterstützung, nicht aber als Alternative zu mentalem Training. Gerade Sportler, die in einer tiefen persönlichen Krise stecken oder eine schwere Verletzung erlitten haben, können durch ihren Glauben leichter wieder zurückfinden.« #

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Eingangsfoto: Fabio Piva/Red Bull Content Pool

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