Wie schaffen es bestimmte „Oldtimer“, trotz junger Konkurrenz und zunehmender Dynamik im Sport, so lange und so exzellent auf höchstem Niveau mitzuhalten? Wie können Gelenke, Knochen und Muskeln 20 Jahre lang Hochleistungssport überstehen? Wie stark muss die Psyche sein, um mehr als zwei Jahrzehnte motiviert und fokussiert zu bleiben?

Die öffentliche Meinung, dass ein Körper im fortgeschrittenen Alter, ab 30 Jahren und bezogen auf den Spitzensport, nicht dasselbe leisten kann wie mit 18 Jahren, wird immer wieder betont. Die Topleistung eines Sportlers, der Mitte 30 oder älter ist, wird meistens als Sensation verkauft. Oftmals werden die Parameter für eine lange Profi-Karriere analysiert, wobei es dann nicht den einen ausschlaggebenden Faktor, sondern ein ganzes Paket an limitierenden Parametern gibt, die dafür verantwortlich sind. Die wichtigste Rolle in diesem Paket spielt für viele die Genetik eines Sportlers. Ebenso sei die Lebensführung wichtig, genauso wie Glück und Pech bezogen auf Verletzungen.

„Zuerst einmal wäre es perfekt, wenn man für seine Genetik die passende Sportart findet, obwohl man mit gezieltem individuellem Training in fast jeder Sportart Höchstleistungen bringen kann“, sieht Sportmediziner und Universitatsprofessor Dr. Dr. Josef Niebauer das Thema Genetik.

Der menschliche Körper im Laufe des Lebens

Im Kindesalter wächst und entwickelt sich der Körper schnell. In der Pubertät bewirken Hormone wie Testosteron und Östrogen Veränderungen der Körperzusammensetzung und der Proportionen. Der Körper entwickelt sich vollständig und er erreicht seine volle Körpergröße. Zwischen 15 und 30 erbringt der Mensch seine Bestleistung, vorausgesetzt man trainiert systematisch und effizient. „Oftmals wird der Fehler gemacht, dass man in jungen Jahren nicht mit seinen Kräften haushält und auf Teufel komm raus trainiert. Daher steigt auch das Verletzungsrisiko und man sollte sich schon früh klar machen, dass eine Verletzung, die zur Operation eines Bandes wie zum Beispiel am Knie führt, oft verletzungsbedingt mit Knorpelschäden und anderen Kollateralschäden einher geht, sodass das operierte Knie in Summe oftmals nicht mehr das gleiche Potenzial wie zuvor hat. Das gesunde Original ist doch immer besser als der reparierte Ersatz. Als junger Sportler ist es daher von Vorteil, sich Erfahrungswerte von erfahrenen Sportlern aus seiner Sportart zu holen und darauf bedacht ist, alles zu tun um Verletzungen mit bleibenden Schäden zu vermeiden“, erklärt Niebauer.

Die ersten Veränderungen im Körper finden dann ab einem Alter von 30 Jahren statt. Allmählich werden Kalzium und andere Mineralstoffe in den Knochen weniger und die Knochendichte nimmt ab. Die Knochen verlieren daher an Festigkeit und Stabilität und das Risiko, Knochenbrüche und andere Verletzungen zu erleiden, steigt. Gleichzeitig lagern Muskeln weniger Elektrolyte, Kalzium und Wasser ein. Dadurch nimmt allmählich die Muskelmasse, damit auch die Kraft, ab. Ebenso nimmt die Geschmeidigkeit von Gelenken und Bändern altersbedingt ab, was die Beweglichkeit beeinträchtigt. Selbst das Herz-Lungen-System durchläuft Veränderungen. Die Lunge verliert an Elastizität während der Herzmuskel kleiner wird. Dadurch werden Herz und Lunge schwächer, das heißt die Sauerstoffaufnahme und der Sauerstofftransport zu Muskeln und Organen werden schlechter. Diese Veränderungen haben direkten Einfluss auf die Ausdauer und führen dazu, dass der Mensch länger braucht, um zu regenerieren. Kurz gesagt, sind diese Veränderungen nicht altersbedingt, sondern durch unseren faulen Lebensstil verursacht. Man ist weniger körperlich aktiv, sodass der Körper abbaut was er nicht mehr braucht. Das schieben wir dann gerne auf das Altern. So nimmt ab 30 die Fitness allmählich ab und Verletzungen sind oft nicht nur schwerer, sondern heilen auch langsamer – so zumindest die allgemeine Meinung. „Leider wird den Leuten oft verkauft, dass man mit über 30 Jahren schon zum alten Eisen zählt und es besser ist, wenn man mit dem Sport aufhört oder kürzer tritt. Tatsächlich ist 30 oder 40 Jahre kein Alter. Man braucht ja hierfür nur in den Ausdauersport, siehe Triathleten, Langläufer oder Langstreckenläufer, schauen“, betont der Sportmediziner Niebauer entgegen der öffentlichen Sichtweise. „Der Körper reagiert auf Reize. Also einfach weitertun, denn wenn man nichts tut, so reagiert der Körper auch, nämlich mit Abbau.“

Tatsächlich zeigen Forschungen, dass im Bereich Ausdauer ältere Sportler jüngere übertrumpfen. Die langsam zuckenden Muskelfasern, die für die Ausdauer verantwortlich sind, verändern sich mit dem Alter weniger als die schnell zuckenden Fasern. Manche Muskeln bestehen überwiegend aus langsam zuckenden Fasern, die sehr widerstandsfähig gegen Ermüdung sind und über einen langen Zeitraum Kraft aufbauen können. Diese Fasern kommen hauptsächlich bei Ausdauersport zum Einsatz. Da schnell zuckende Fasern für explosive Bewegungen eingesetzt werden, ermüden sie sehr schnell. Und selbst das Herz und die Lunge kann man im Alter relativ gut trainieren. In den populären Sportarten, wie Laufen, Schwimmen, Radsport, Skilanglauf vollzieht sich daher im Moment auch eine bemerkenswerte Verbesserung und Verdichtung der Spitzenleistungen. Das betrifft sowohl die Höchstleistungen, die zwischen dem 20. bis 30. Lebensjahr vollbracht werden, als auch die Altersrekorde zwischen dem 35. und 80. Lebensjahr. Auffallend ist in den Ausdauersportarten, dass die älteren Athleten – jenseits des 40. Lebensjahres – stets die längeren Distanzen im Visier ihrer Rekordbemühungen haben.


Wie es um die Altersentwicklung in den Top-4 Ligen im Fußball steht und welche Erfolgsrezepte und Strategien von erfolgreichen Sportlern wie Gianluigi Buffon, Alexander Walke, Paul Scharner, Marc Janko, Noriaki Kasai, Tiger Woods, Dirk Nowitzki und vielen mehr angewendet werden, erfährst du in unserer Sommerausgabe des Sport Business Magazins. Erhältlich im gut sortierten Presseeinzelhandel in Österreich, im