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ANALYSE Das Erscheinungsbild des sportlichen Triumphs ist klar gezeichnet: Sieger, Jubel, applaudierende Zuschauer – schlicht: ein großartiger Gänsehautmoment. Doch wer bereitet diese Bühne des Erfolges? Wer sind die Masterminds im Hintergrund und wie lukrativ ist das Geschäft mit den Emotionen? Wir haben Österreichs führenden Sportagenturen unter die Lupe genommen, mit Experten der Branche gesprochen und interessante Antworten bekommen.

Sportmarketing hat sich im Sportland Österreich – und insbesondere im letzten Jahrzehnt – etabliert. Über 50 Prozent der umsatzstärksten Unternehmen sind als Sport-Sponsoren aktiv. Vor allem der Imagetransfer und die Steigerung des Bekanntheitsgrades durch ein Engagement in angesagten Sportarten ist für die Markenbildung ein nützliches Instrument. Darüber hinaus trägt Sportsponsoring effektiv zu Kundengewinnung, Kundenbindung sowie Umsatzoptimierung bei. Aus der Sicht des Sports wiederum ist dieses gesteigerte Interesse der Wirtschaft für Aktive, Vereine und Organisationen mittlerweile entscheidend für ihre Weiterentwicklung, ja sogar für deren Fortbestand.

Sport Business Magazin Sommerausgabe 02-2021

Existenzielle Symbiose zwischen Sport und Wirtschaft

Als Bindeglied zwischen Sport und Wirtschaft fungieren Sportagenturen. Die unterschiedlichen Teilbereiche reichen dabei vom Sportler-Management, über Vereins- und Verbands-Marketing, Sportsponsoring, Social- Media-Marketing, Rechtevermarktung, bis hin zum Event- und Ticketing-Management. Wobei die Abhängigkeit von Sponsorengeldern, Kooperationen und Merchandisingeinnahmen zur zunehmenden Internationalisierung des Sportmarketings beiträgt.

Ein Blick auf die aktuelle Forbes-Liste »The World’s Most Valuable Sports Agencies 2020«, der weltweit 40 wertvollsten Sportagenturen, macht beeindruckende Zahlen sichtbar: Den ersten Platz belegt die US-amerikanische Agentur »CAA – Creative Artists Agency«, die ihren verwalteten Auftragswert mit 12,26 Milliarden US-Dollar sowie Provisionen von 419 Millionen US-Dollar beziffert. Mit ihren hervorragenden Netzwerken rund um die Sportarten Basketball, Football, Hockey, Baseball und Fußball ist die »CAA« breit aufgestellt und offenbar krisensicher unterwegs. Zusammen haben die 40 wertvollsten Sportagenturen der Welt 2020 Profisportverträge im Wert von mehr als 56 Milliarden US-Dollar ausgehandelt und Provisionen in der Höhe von 2,9 Milliarden US-Dollar eingebracht. Das entspricht einem Anstieg von zehn Prozent gegenüber 2019 und einem Zuwachs von 55 Prozent seit 2015.

Auch wenn sich im Forbes-Ranking der Top 40 Sportagenturen 2020 keine österreichische Sportagentur findet, passiert dahingehend doch auch richtig Großes in der Alpenrepublik.

GREGOR SCHLIERENZAUER UND HUBERT NEUPER »Die große Herausforderung liegt in der Kunst zu warten und schwere Momente – sofern man momentan nichts tun kann – auszuhalten, ohne in Selbstmitleid zu verkommen.« | © Matthias Heschl/Red Bull Content Pool

Teil 2: Die Bühnenbauer des Erfolgs

Der erste FIS-Skisprung-Weltcup-Gesamtsieger in der Geschichte und zweifache Vierschanzentournee-Gewinner Hubert Neuper beendete 1985 bei der Heim-WM in Seefeld seine aktive Sportlerkarriere und arbeitete zunächst als Pilot bei Tyrolean Airways, sowie in der elterlichen Skischule. Sein Einstieg ins Sportevent-Business fand ungeplant statt. »Dass ich heute meine Agentur führe, ist eher aus Zufall entstanden. Ich wurde eingeladen, die Skiflug-Weltmeisterschaft 1996 in Bad Mitterndorf zu organisieren. Wohl eher aufgrund der Tatsache, dass ich aus dem Ort komme, wo der Kulm steht und weniger wegen meiner fachlichen Kompetenz damals«, lacht Neuper.

 

Muhammed Ali den Tränen nahe

Aus diesem einen Event daheim wurde eine ganze Serie namhafter Veranstaltungen von internationalem Ruf. »Mit den Skiflugveranstaltungen am Kulm erreichten wir bislang insgesamt über eine Million begeisterte Live-Zuseher und kumuliert mehrere 100 Millionen vor den Fernsehgeräten«. Von 1997 bis 2000 war Neuper Geschäftsführer der Österreichischen Sporthilfe, in dessen Funktion er die »Nacht des Sports« die österreichische Sportlerwahl entwickelte und auch die »World Sports Awards« ins Leben gerufen hat.

»Die erste Veranstaltung organisierten wir 1999 in Wien, wo wir die größten Sportler des Jahrhunderts ehrten. Mit einem Budget von vier Millionen Euro knackten wir damals sogar die eine Milliarde-TV-Zuschauer-Marke«, erinnert sich Neuper. Aus dieser Veranstaltung ging die Stiftung »World Sports Awards Foundation« hervor, in deren Auftrag er 2001 in London eine weitere Gala organisierte. Auch diesmal waren namhafte Sportgrößen zugegen, zumal darüber hinaus der 59. Geburtstag eines sichtlich gerührten Muhammad Ali gefeiert wurde. »Mit einem Budget von neun Millionen Euro erreichten wir insgesamt wieder über eine Milliarde Fernsehzuschauer«, so der zweifache Familienvater. In den folgenden Jahren wurde diese Galareihe mit den Laureus Awards zusammengeführt, die nun jährlich vergeben werden. Neuper hatte einen Sitz im Aufsichtsrat der dazugehörigen Stiftung.

Doch für den heute 60-Jährigen zählen weniger diese sichtbaren Erfolge als vielmehr die Tatsache, dass »ich die harten Zeiten mit Anstand durchlebt, viel daraus gelernt habe und nun gestärkt dem Leben begegne. Die große Herausforderung liegt in der Kunst zu warten und schwere Momente – sofern man momentan nichts tun kann – auszuhalten, ohne in Selbstmitleid zu verkommen.«

»Die Zukunft wird gut«

Von seinen beruflichen und persönlichen Erfahrungen kann man in Motivationsseminaren und Vorträgen profitieren. 2003 veröffentlichte er seine Autobiografie unter dem Titel »Flatline«. Mittlerweile hat er ein neues Projekt in der Pipeline: »Seit drei Jahren arbeite ich an einem Buch. Meine Agentur wird dieses Werk sowie die dazugehörigen Lesungen und Vorträge vermarkten«, verrät Neuper. Auf die Frage, wie seine persönliche Prognose für sein Business aussieht, hält er kurz inne: »Ich habe Visionen. Daraus entstehen Ziele, die mich dazu motivieren, weiterzugehen. Aber eines ist mir sehr bewusst geworden: nur wenn ich in jedem Moment mein Bestes gebe, werde ich das leisten, was ich im Stande bin zu leisten. Dieser Zugang erspart mir Prognosen für die Zukunft, weil meiner Logik folgend, sie sowieso gut sein wird.« #

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Eingangsfoto: Facebook/Hubert Neuper

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