Mit insgesamt 310 Wochen, davon die Rekordzahl von 237 Wochen in Serie, führte Roger Federer die Tennis-Weltrangliste bislang am längsten an. Er hält den Rekord für die meisten Grand-Slam-Titel im Einzel bei den Herren und hat bis dato über 100 Einzeltitel gewonnen. Das Sport Business Magazin durchleuchtete seinen Werdegang zum besten Spieler in der Geschichte des Tennissports.

Am 8. August 1981 erblickt Roger Federer in Basel das Licht der Welt und wächst zusammen mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Diana, seinem Schweizer Vater Robert und seiner südafrikanischen Mutter Lynette in den Basler Vororten Riehen und Wasserhaus in Münchenstein auf. Mit der Herkunft seiner Mutter hängt auch die englische Aussprache seines Vornamens zusammen, die damit nicht der in der Schweiz sonst üblichen französischen Aussprachsvariante entspricht. Mit drei Jahren hält Roger Federer sein erstes Tennis-Racket in der Hand und als er sieben ist, kommt er unter die Fittiche von Madeleine Bärlocher: „Lynette Federer kam auf mich zu und sagte: Du, ich habe einen Sohn. Er ist sieben Jahre alt und würde gerne Tennis spielen. Kann er bei euch mittrainieren?“ Mit acht Jahren tritt er dann dem Tennis Club Old Boys bei, wo ihn Adolf Kacovský trainiert: „Er hatte ein Händchen für unglaubliche Punkte, probierte immer neue Dinge aus, wollte Grenzen ausloten.“

Dass er einmal so erfolgreich werden würde, hätte damals niemand gedacht, obwohl er sehr fleißig und anständig gewesen sei. Nicht nur der Tennissport ist seine Leidenschaft, auch der Fußball reizt ihn. Doch die Jahre 1993 und 1994, in denen er erste kleine Erfolge feiert, sind der ausschlaggebende Punkt, dass Federer die Tenniskarriere anstrebt. Während andere Tennisstars bereits in ihrer Jugend als Ausnahmetalente angepriesen werden, erwirbt Federer seine Fertigkeiten erst nach und nach, durch Freude am Spiel und Ausdauer im Training.

Alles auf die Karte Tennis gesetzt

Als „Klein Roger“ alles auf die Karte Tennis setzt, stehen seine Eltern voll hinter ihm. Etwa 30.000 Euro sparen sie pro Jahr für das Hobby ihres talentierten Sohnes. Finanzielle Unterstützung gibt es von der Schweizer Sporthilfe, Swiss Tennis, zwei Privatsponsoren und dem Heimclub TC Old Boys. „Ohne die Hilfe hätten wir das kaum stemmen können“, ist Vater Federer immer noch dankbar. Zu dieser Zeit tritt Peter Carter in sein Leben. Ein Australier aus Adelaide, der später eine Schweizerin heiraten und in der Heimat Federers sesshaft wird. Carter, einst selbst Tennis-Profi, ist beim TC Old Boys tätig und prägt den Werdegang Federers menschlich wie kein anderer Coach.

1995 wechselt er ins nationale Trainingscenter der Schweiz in Ecublens. Von nun an fördert der Schweizer Verband das Talent, das in den Jahren 1995 bis 1997 sieben Schweizer Juniorenmeistertitel gewinnt. Seinen ersten größeren internationalen Juniorentitel gewinnt er 1997. Danach fällt auch die Entscheidung, im Alter von 16 Jahren die Schule zugunsten der Tenniskarriere zu verlassen. Durch das eingegangene Risiko folgt 1998 der Durchbruch auf der Juniorentour und er feiert in Wimbledon die Titelgewinne im Einzel und im Doppel. Diese beiden Erfolge ermöglichen ihm erste Turnierteilnahmen auf der Profitour und er gibt sein Debüt auf der ATP Tour im Juli 1998. Mit dem Gewinn des Orange Bowl im Dezember 1998, seinem letzten Juniorenturnier, sichert er sich zum Jahresende Platz eins der Juniorenrangliste. Dies ist für ihn nicht nur ein großer Prestigeerfolg, sondern auch das Sprungbrett für den endgültigen Einstieg in die Profitour. Durch das Renommee als Junioren-Weltmeister erhält er im Laufe seiner ersten Profisaison insgesamt acht Wildcards für Turniere der ATP Tour. Beim Stadthallenturnier in Wien erreicht der Schweizer sein erstes Halbfinale und schafft den Sprung unter die besten 100 Spieler der Welt.

Im April 2000 erklärt Federer die Trennung vom Schweizer Verband und damit auch von seinem Coach Peter Carter. Er begründet den Schritt damit, dass er mittlerweile in der Lage sei, auf eigenen Füssen zu stehen. Als neuen Trainer verpflichtet er den Schweden Peter Lundgren, der das Talent erkennt, aber noch Entwicklungspotenzial bei seinem 18-jährigen Schützling sieht. Damit er den körperliche Anforderungen der Weltspitze gerecht wird, verpflichtet er den Fitnesscoach Pierre Paganini. Mit diesen zwei Verpflichtungen schafft Federer den endgültigen Durchbruch an die Weltspitze und feiert im Februar 2001 seinen ersten Turniersieg in Mailand. Nachdem die Karriere immer weiter nach oben geht, erreicht den damals 21-Jöhrigen Federer ein Schicksalsschlag im Jahr 2002. Sein Vertrauenstrainer Peter Carter stirbt bei einem Autounfall und der Tod hinterlässt tiefe Wunden, deren Narben noch heute sichtbar sind. „Sein Tod war ein Weckruf für mich. Danach begann ich richtig zu trainieren. Peter wollte nicht, dass ich mein Talent verschwende. Ich hoffe, dass er stolz auf mich wäre“, so der Schweizer in einem Interview mit CNN, wo er in Tränen ausbrach.


Wie viel Roger Federer jährlich verdient, welche Sponsorendeals ihm am meisten Geld einbringen und wie er es geschafft hat, sein eigenes Imperium aufzubauen, erfährst du in unserer Sommerausgabe des Sport Business Magazins. Erhältlich im gut sortierten Presseeinzelhandel in Österreich, im