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Foto: mezzotint | Dieser Beitrag ist ursprünglich in der 32. Ausgabe des Sport Business Magazin (03-2021) erschienen.

RADSPORT Das Fahrrad erfährt innerhalb der DACH-Region einen regelrechten »Boom«. Umsatz und Anzahl verkaufter Bikes erreichen noch nie dagewesene Höchstwerte. 2030 wird der Fahrradverkauf die 30 Millionen-Marke knacken. Damit wird es mehr als doppelt so viele Fahrräder geben, als zugelassene Autos in der gesamten Europäischen Union.

Mit 5,04 Millionen verkauften Fahr- und Elektrorädern in Deutschland wird das Jahr 2020 in der Fahrradbranche unvergessen bleiben. Davon waren 1,95 Millionen mit einem Motor bestückt. So relevant wie heute war Radfahren selten zuvor. Die Corona- Pandemie bestimmte das Leben im Jahr 2020 so sehr wie keine Krankheit zuvor in der Neuzeit. Auch das Geschehen in der Fahrradbranche wurde maßgeblich von dem Virus beeinflusst, allerdings wesentlich positiver als in vielen anderen Branchen.

Herbstausgabe Sport Business Magazin

Wie der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) Deutschlands mitteilt, lag der Absatz (in Stück) an Fahrrädern und E-Bikes 2020 mit 5,04 Millionen Einheiten um plus 16,9 Prozent über dem Jahr 2019. Der anteilige E-Bikes-Absatz von 1,95 Millionen Stück am Gesamtumsatz betrug 38,7 Prozent. Damit wurden im letzten Jahr 43,4 Prozent mehr E-Bikes verkauft als 2019. Zuletzt lagen im Jahr 2000 mit 5,12 Millionen Stück die Verkaufszahlen über fünf Millionen.

Der Umsatz mit Fahrrädern und E-Bikes erreichte im Jahr 2020 den Wert von 6,44 Milliarden Euro, ein Plus von 60,9 Prozent im Vergleich zu 2019. Zusammen mit dem Komponenten- und Zubehörbereich ergibt sich über alle Vertriebswege laut ZIV ein Umsatzvolumen von annähernd zehn Milliarden Euro. Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Fahrrad (inklusive E-Bikes) lag im Jahr 2020 bei 1.279 Euro und wird nach Angaben des Verbands von dem hohen E-Bike-Anteil dominiert.

Der Absatz an Fahrrädern und E-Bikes lag in Deutschland 2016 mit 4,05 Millionen Stück deutlich unter dem Wert von 2020 mit 5,04 Millionen verkauften Fahr- und Elektrorädern. Der Umsatz verkaufter Fahrräder und E-Bikes lag mit 2,6 Milliarden Euro im Jahr 2016 ebenfalls deutlich unter dem Wert von 6,44 Milliarden Euro aus dem Jahr 2020. Der geschätzte Gesamtumsatz der deutschen Fahrrad-, Teile- und Komponentenindustrie wurde 2016 auf 5,2 Milliarden Euro geschätzt, im Vergleich zu 6,44 Milliarden im Jahr 2020.

Es gab bereits 2016 einen Trend zu E-Bike- Verkäufen sowie zu immer hochwertigeren Ausstattungen, was zu einem Anstieg des durchschnittlichen Verkaufspreises pro Fahrrad (inklusive E-Bike) auf 643 Euro (plus 15 Prozent) im Vergleich zum Jahr 2015 führte.

UMSATZTREIBER Durchschnittlich zahlt man für ein Fahrrad 1.769 Euro und für ein E-Bike 3.012 Euro. | © Ivaylo Donchev/Red Bull Content Pool

Siegeszug der E-Bikes ungebremst, Umsatz auf Rekordkurs

Das Fahrrad ist als zentrales Verkehrsmittel der nachhaltigen, gesunden und individuellen Mobilität kaum mehr wegzudenken. Im letzten Jahr wurden von der österreichischen Industrie über 496.000 Fahrräder über den Fachhandel und Sporthandel verkauft. Das sind 13 Prozent mehr als im Jahr zuvor und der höchste Wert seit dem Beginn der Erhebung des Marktvolumens durch den VSSÖ (Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs) und die ARGE Fahrrad (Arbeitsgemeinschaft) im Jahr 2009.

Österreich hat seine Stellung als E-Bike-Verkaufsmeister im DACH-Raum 2020 verteidigen können: Mit 204.000 verkauften E-Bikes liegt der Marktanteil bei 41 Prozent. In Deutschland liegt dieser laut ZIV bei 38,7 Prozent und in der Schweiz nach Velosuisse bei 34,1 Prozent.

»Das Fahrrad und speziell die E-Bikes haben sich neben den Segmenten Ski und Outdoor in den letzten Jahren zu den stärksten Verkaufsschlagern in der österreichischen Sportartikellandschaft entwickelt«, bestätigt uns Gernot Kellermayr, Präsident des VSSÖ.

Durch die hohe Nachfrage nach E-Bikes und höherpreisigen Materialien sowie Produkten mit vielfältiger Ausstattung ist auch der Umsatz deutlich gestiegen – auf 878 Millionen Euro. Das ist eine Steigerung von knapp 26 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019. Der größte Teil geht auf die E-Bike Verkäufe zurück: Mit einem Umsatz von 613 Millionen Euro machen E-Bikes mittlerweile 70 Prozent des Gesamtumsatzes der Fahrradindustrie aus. Durchschnittlich zahlt man für ein Fahrrad 1.769 Euro (plus 11,6 Prozent) und für ein E-Bike 3.012 Euro (plus 7 Prozent).

2015 lag der Anteil verkaufter E-Bikes in Österreich noch bei 77.000. Im Jahr 2020 bereits bei 204.000 Stück.

Der Gesamt-Fahrradmarkt in Österreich hatte im Jahr 2020 ein Volumen von rund 496.000 Fahrrädern (plus 13 Prozent).

2020 wurden erstmals mehr als 200.000 E-Bikes verkauft. Das entspricht einem Marktanteil von 41 Prozent – damit ist der österreichische Fahrradmarkt der stärkste im gesamten DACH-Raum.

Besonders signifikant ist der Anstieg bei E-Lastenrädern: Mit knapp 950 verkauften E-Cargo-Bikes hat sich das Segment fast verdoppelt.

2020 wurden mit Fahrradverkäufen knapp 878 Millionen Euro (plus 26 Prozent) umgesetzt.

Grund dafür ist der steigende Absatz von E-Bikes und die Nachfrage nach höherwertigen Produkten und Materialien: Durchschnittlich zahlt man für ein Fahrrad 1.769 Euro (plus 11,6 Prozent) und für ein E-Bike 3.012 Euro (plus 7 Prozent).

Mit E-Bikes wurden 613 Millionen Euro umgesetzt, das sind etwa 70 Prozent des Gesamtumsatzes.

In der österreichischen Fahrradindustrie sind etwa 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Im Fahrradverkauf rund 7.000 bis 8.000 (Fahrradfachhandel und Sportartikelhandel).

Goldene Zukunft für europäische Fahrradindustrie?

So prognostizieren die Verbandsexperten des »Weltverbandes der Fahrradindustrie« – aufgrund des veränderten Mobilitätsverhaltens der Konsumenten – bis zum Jahr 2030 einen um rund zehn Millionen Einheiten angewachsenen Fahrradverkauf auf 30 Millionen Stück. Wenn es denn so kommt, wäre das im Vergleich zu den Verkaufszahlen 2019 ein Plus von 47 Prozent. Und: mit insgesamt 30 Millionen pro Jahr wäre der Fahrradverkauf mehr als doppelt so hoch, wie die Zahl der derzeit in der Europäischen Union zugelassenen Personenkraftwagen.

Wachstumstreiber sind E-Bikes. Hier gehen die Verbandsexperten von einem Anstieg von 3,7 Millionen Einheiten im Jahr 2019 auf 17 Millionen Stück im Jahr 2030 aus. Dabei beruft sich die Studie auf das E-Bike- Wachstum, der diesjährigen 23 Prozent (im Vergleich zu 2019) – »und das, trotz Coronabedingter Ladenschließungen im Frühjahr 2020«. Zudem könnte die Schallmauer von zehn Millionen verkaufter E-Bikes bereits 2024 geknackt werden. Goldene Aussichten für die europäische Fahrradindustrie. #

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