In der Major League Soccer (MLS) gehen 26 Mannschaften an den Start. Mit Red Bull und der City Football Group befinden sich zwei Konzerne unter den Franchises, die ein anderes Ziel als den Titel in der MLS verfolgen.

Als Red Bull sich ein Team in der Major League Soccer sichert, geschieht das aus verschiedenen Gründen: Einerseits weil es, entsprechend der Firmenpolicy, „hip“ ist, einen Verein in den USA zu besitzen. Ebenso ist über dem großen Teich die Akzeptanz für konzerngeführte Sportvereine eine weitaus höhere als in Europa. Da es in den USA ohnehin üblich ist, dass Unternehmen Vereine führen, bleibt ein öffentlicher Aufschrei aus. Vom moralischen Standpunkt hat der Getränkehersteller beim Projekt New York nichts zu befürchten. Andererseits spielten der US-Glamour und das nicht unwesentliche Product Placement in Nordamerika eine wichtige Rolle.

Ein Zwischenschritt zur großen Fußballbühne

14 Jahre nach der Übernahme hinterlässt Red Bull merklich seine Handschrift im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In Harrison, New Jersey, baut der Konzern eine Arena für 25.000 Zuschauer. Eine eigene Red Bull Academy gehört beim Getränkehersteller mittlerweile sowieso zum guten Ton. Die kostenlose Einrichtung zur Talentförderung in der New York Metropolitan Area wird durch die 2009 gegründete U23-Mannschaft komplettiert, die wiederum ab 2015 an der USL Pro, der dritten US-Liga nach der MLS und der NASL, teilnimmt.

Trotz aller Bemühungen und Ankündigungen hat sich der Erfolg nicht eingestellt. Dem Erreichen des Playoff- Finales 2008 folgen zwar Viertelfinal- und Halbfinal-Teilnahmen, aber keine Titel. In der Konzernphilosophie sieht man den „Misserfolg“ mit zweierlei Maß. Selbstverständlich wünscht man sich Titel in der MLS, aber die Bemühungen rund um die New York Red Bulls haben in Wahrheit einen größeren Hintergrund: Das Projekt gilt als Ausbildungsklub und US-Talentschmiede für Europa. Über die Zwischenstation FC Red Bull Salzburg sollen die besten Spieler Amerikas zum konzerninternen Favoriten wechseln: RB Leipzig. Die Sachsen wollen nicht nur in Deutschland zum nächsten „Big Player“ aufsteigen, sondern auch als ernstgenommener Kontrahent der „ganz Großen“ in Europa wahrgenommen werden.

Red Bull: Das Projekt New York gilt als Ausbildungsklub und Talentschmiede für Europa.
© Clay Patrick Mcbride

Gleiche Stadt – gleiche Absichten

Die Vision der City Football Group lautet wie folgt:

»Auf jedem Kontinent und in jedem bekannten Fußballland soll ein Verein zur Allianz gehören. Es ist unsere Ambition, den Einfluss von Fußball auf und neben dem Feld zu erweitern, die besten Fußballtalente zu entwickeln und eine aufregende und offensive Spielweise zu liefern.«

Die City Football Group gibt es seit 2013 und ist aus der der Abu Dhabi United Group von Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan entsprungen. Heute gehören 77 Prozent der Gründervereinigung, 13 Prozent der China Media Capital Football Holdings Limited und zehn Prozent der US-amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Silver Lake.

Aktuell zählen zehn Vereine – Manchester City (England), New York City (USA), Melbourne City (Australien), Yokohama F. Marinos (Japan), Montevideo City Torque (Uruguay), FC Girona (Spanien), Sichuan Jiuniu (China), Mumbai City (Indien), Lommel SK (Belgien) und ES Troyes (Frankreich) – zur Allianz. Damit hat die City Football Group Teams auf jedem Kontinent – ausgenommen Afrika. Aus Insiderkreisen ist zu hören, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis dort etwas passiert.

Finanziell sind der Vereinigung so gut wie keine Grenzen gesetzt. Das ist vor allem an der Infrastruktur der Vereine zu erkennen. Sie trainieren in hochmodernen Akademien, die nach dem Vorbild des Geländes in Manchester gebaut sind. Im Idealfall sollen die Talente in den Zentren weltweit so ausgebildet werden, dass sie später den Sprung zu Manchester City schaffen.

David Villa war einer der Königstransfers von New York City FC.
© lev radin

Mit diesen Absichten gründete die City Football Group in Kooperation mit den New York Yankees die 20. Franchise der US-Liga. Der Klub aus der MLS gehört zu 80 Prozent der City Football Group, das verbleibende Fünftel gehört der Yankee Global Enterprises – den Besitzern der New York Yankees. Der New York City Football Club wurde 2013 offiziell vorgestellt und ging 2015 erstmals an den Start. Der erste Transfer zwischen dem Flaggschiff Manchester City und dem Verein aus dem Big Apple war Patrick Viera. Der französische Weltmeister wurde aus der Jugendakademie in Manchester, in der er bis dahin als Trainer arbeitete, nach New York verfrachtet, um das mit Weltstars wie David Villa, Frank Lampard und Andrea Pirlo aufpolierte Team möglichst schnell zum ersten MLS-Cup-Triumph zu führen. Sportlich gesehen waren die Play-Off-Teilnahmen im Halbfinale die Höhepunkte – für mehr reichte es allerdings nicht.

Vielen Fußball-Insidern ist das Engagement der Vereinigung in Amerika ein Rätsel, da es bisher kein großes „Hin-und-her-Geschiebe“ von Spielern gibt. Der MLS-Klub aus New York bekam bisher insgesamt vier Akteure aus England und gab zwei Profis auf die Insel ab. Auffälligster Transfer zu den Kooperationspartnern war der von Chelsea-Legende Frank Lampard – der 2014 kurzerhand zu Manchester City ausgeliehen wurde. Selbst der „Rekordtransfer“ von Jack Harrison 2017 für vier Millionen Euro in die Premier League fällt unter die Kategorie „normaler Transfer“. Auch deshalb, weil der Linksaußen bisher noch kein Pflichtspiel für die Citizens gemacht hat und immer wieder in England verliehen wird.

Grundsätzlich ist auffällig, dass es zwischen den zehn Vereinen der City Football Group keinen nennenswerten „Spielerbasar“ zwischen den „Familienmitgliedern“ gibt. Im Gegensatz zum Fußballimperium von Red Bull. Denn nach eigenen Aussagen steht der Vorsatz „Fußball zu nutzen für soziale Verbesserungen“ über allem. Es werden jedoch auch immer wieder Zweifel gehegt, ob nicht doch mehr hinter dem Engagement steckt. Der sportliche Erfolg des Flaggschiffs Manchester City steht in jedem Fall über allem, auch in den USA.Grundsätzlich ist auffällig, dass es zwischen den zehn Vereinen der City Football Group keinen nennenswerten „Spielerbasar“ zwischen den „Familienmitgliedern“ gibt. Im Gegensatz zum Fußballimperium von Red Bull. Denn nach eigenen Aussagen steht der Vorsatz „Fußball zu nutzen für soziale Verbesserungen“ über allem. Es werden jedoch auch immer wieder Zweifel gehegt, ob nicht doch mehr hinter dem Engagement steckt. Der sportliche Erfolg des Flaggschiffs Manchester City steht in jedem Fall über allem, auch in den USA. #

Eingangsfoto: Getty Images for Red Bull New York