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Am Sonntag, den 31. Jänner 2021 ließ die spanische Tageszeitung »El Mundo« eine »Bombe« platzen, die die Fußballwelt erschüttert. Es handelt sich um den originalen Vertrag des sechsfachen Weltfußballers Lionel Messi, der neue – teils schockierende – Einblicke in die abgehobene Welt des Profifußballs offenbart.

555.237.619 Euro für vier Jahre

Lionel Messi unterschrieb Anfang Juli 2017 einen Vertrag beim FC Barcelona, der ihn 555.237.619 Euro bringen soll. Eine historische Summe, die es in dieser Höhe bei einem Sportvertrag noch nie gegeben hat und die moralische Frage aufwirft: Ist ein Fußballspieler so viel wert?

Bei den 555.237.619 Euro handelt sich um einen Maximalbetrag (brutto) auf vier Jahre (2017 bis 2021), der in Spanien zu circa 50 Prozent versteuert werden muss. Nachfolgend die wichtigsten Kennzahlen kurz aufgeschlüsselt…

  • 72,15 Millionen Euro jährliches Fixgehalt
  • 77,93 Millionen Euro Treueboni
  • 115,22 Millionen Euro »Signing Fees«
  • Diverse Prämien in Millionenhöhe

Die Maximalsumme kann »La Pulga« aufgrund verpasster Titel nicht mehr erreichen. 92 Prozent, also in etwa 511 Millionen, habe er aber bereits erhalten. Wie die spanische Sportzeitung »MARCA« ausgerechnet hat, beläuft sich das Nettogehalt des Stürmers damit auf über 210.000 Euro pro Tag.

»Der pharaonische Vertrag, der Barça ruiniert«

Bereits aus den Daten der »Football Leaks«, die der SPIEGEL Anfang 2018 veröffentlichte, wusste die Fußballwelt, dass der Argentinier über 100 Millionen Euro jährlich verdient. Die neuen Details verdeutlichen aber noch einmal, in welcher Schieflage sich der internationale Fußball aktuell befindet.

Der FC Barcelona gab erst kürzlich in seinem jährlichen Finanzbericht bekannt, dass sich Gesamt-Verbindlichkeiten des Klubs aus Katalonien auf rund 1,173 Milliarden Euro beziffern. Die Covid-19-Pandemie und die Transferausgaben des Vereins haben dabei in der jüngeren Vergangenheit die finanzielle Situation des Vereins deutlich verschlechtert. Nicht umsonst titelte die »El Mundo« bei der Veröffentlichung des Vertrags mit großen Lettern: »Der pharaonische Vertrag, der Barça ruiniert.« Die Frage die sich also stellt: Kann so ein Megavertrag rentabel sein?

»Leo ist das Epizentrum des Barça-Geschäftsmodells«

Die katalanische Zeitung »Sport« hat kürzlich mit den Ökonomen Marc Ciria, Josep Fabra und Ivan Cabeza versucht, die Einnahmen, die der sechsfache Weltfußballer für den Klub generiert, zu beziffern. Das Ergebnis: Messi ist für rund 30 Prozent der Einnahmen des FC Barcelona verantwortlich. Es muss jedoch angemerkt werden, dass es sich hierbei lediglich um eine Schätzung handelt. Der Argentinier soll besonders bei den Sponsoren des Klubs gefragt sein und für bis zu 50 Prozent höhere Sponsoringsummen sorgen. »Leo ist das Epizentrum des Barça-Geschäftsmodells«, wird Ökonom Ciria in der Zeitung zitiert.

Die gesamte Rechnung zielt auf die Saisonen 2017 bis 2020 ab. In diesem Zeitraum hat »La Pulga« laut »Sport« für 619,3 Millionen Euro an Einnahmen gesorgt. Dem gegenüber stehen 383,7 Millionen Euro, die er Barça kostete. Messi erwirtschaftete diesem Zahlenbeispiel zufolge einen Überschuss in Höhe von 235,6 Millionen Euro.

Dass sich hochdatierte Verträge im Profifußball rentieren, zeigen auch Beispiele aus der Vergangenheit. Juventus Turin musste im Sommer 2018 für die Verpflichtung von Cristiano Ronaldo tief in die Tasche greifen: über 350 Millionen Euro. Viele Insider bezweifeln bis heute die Refinanzierbarkeit dieses Megatransfers – einer nicht: Mario Leo, wie uns der Social-Media-Experte im Exklusiv-Gespräch mit dem Sport Business Magazin verriet.

Dennoch darf und muss kritisch hinterfragt werden, ob ein Fußballklub, der 1,173 Milliarden Euro Schulden und Mitarbeiter dazu gedrängt hat, auf Teile ihres Gehalts zu verzichten, einen derartigen Vertrag verantworten kann. Ein Vertrag,  der einen einzigen Spieler 210.000 Euro pro Tag beschert. Das Problem ist nicht Messi oder der FC Barcelona, sondern das System dahinter: der Fußball. #

Fotos: adidas | pixabay