Im Alter von zehn Jahren stand der Salzburger mit seinen Alpin-Skiern erstmals auf der Skisprungschanze. Heute zählt der 27-Jährige neben Stars wie David Alaba und Dominic Thiem zu Österreichs bekanntesten und erfolgreichsten Sportgrößen. Österreichs erster Doppelweltmeister im Skispringen spricht sehr ehrlich über das Geheimnis seines Erfolges, kraftgebende Freundschaften und den Umgang mit Rückschlägen und Enttäuschungen.

Doppelweltmeister, Weltrekordhalter, zweifacher Gesamtweltcupsieger, Vierschanzentournee-Sieger: Gibt es eine Leistung auf die Sie besonders stolz sind?

Ich tue mich schwer, einen speziellen Erfolg herauszunehmen. Ein Gesamtweltcuptitel ist für mich schon etwas, das über die ganze Saison wächst und eine Leistung über viele Monate berücksichtigt und hat deshalb einen sehr großen Stellenwert. Der erste Gesamtweltcuptitel war mein emotionalster Erfolg – ausnahmsweise auch mit einigen Freudentränen in den Augen.

Gab es in Ihrer bisherigen Laufbahn abseits der Triumphe ein persönliches Highlight, das Sie sehr bewegt hat?

Die Triumphe sind schön, aber der Zuspruch von den Fans, die Stimmung und Atmosphäre ist einzigartig. Wenn du bei einem Springen in Österreich oben sitzt (auf der Skisprungschanze; Anm. d. Red.) und tausende Menschen deinen Namen rufen, ist das unbeschreiblich. Neben den Fans ist die Tatsache, dass ich durch das Skispringen mit Michi Hayböck einen meiner besten Freunde kennengelernt habe, etwas wofür ich mehr als dankbar bin. Unsere Freundschaft geht weit über das Skispringen hinaus und ich könnte mir keinen besseren Zimmerkollegen wünschen.

Die Fans sehen oft nur das glanzvolle Ergebnis, aber nicht die harte Arbeit, die dahintersteckt. Gibt es ein persönliches Erfolgsmodell?

Für mich persönlich hat die Zusammenarbeit mit meinem Wegbegleiter, systemischen Coach und mittlerweile Freund, Patrick Murnig, einen riesengroßen Anteil an meinem Erfolg und vor allem auch an meiner persönlichen Entwicklung. Unser Ziel war von Anfang an, dass ich als Person der bleibe, der ich bin: bodenständig, authentisch und ehrlich. Das stand und steht auf unserer Zieleliste immer ganz oben. Ich erstelle mit ihm seit mittlerweile knapp zehn Jahren ganz individuelle Konzepte, die genau auf mich abgestimmt sind. Er kennt mich in und auswendig und ich kann mich voll auf ihn verlassen. Dieses besondere Coaching in Kombination mit den Trainern und Betreuern im Team bietet mir eine einzigartige Basis für mögliche Erfolge, aber eben auch für meine persönliche Entwicklung.

Neben den sportlichen Sternstunden gab es natürlich auch Enttäuschungen. Welche tat besonders weh?

Neben verpasstem Olympia 2014 war wohl der Herbst 2018, also die Vorbereitung auf die Nordische Ski-WM 2019 in Seefeld, die schwierigste Zeit meiner Karriere. Ich wollte perfekt vorbereitet in die Saison starten, war dann aber bei der Österreichischen Meisterschaft Ende Oktober irgendwo jenseits der Top 20. Damit war ich im Februar von einer Medaille weiter entfernt wie die Sonne vom Mond. Patrick (Murnig; Anm. d. Red.) hat mich in der Folge zur Seite genommen. Wir haben die Situation knapp vor Saisonbeginn analysiert und ich habe mich bis zur Heim-WM stetig entwickeln können. Es war schlussendlich unglaublich, mit drei Medaillen im Gepäck aus Seefeld abzureisen. Die Zeit dorthin hat mir alles abverlangt und war die wohl schwierigste meiner Karriere.

Sie haben so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Gibt es dennoch ein Karriereziel, das Sie unbedingt noch erreichen wollen?

Ein Erfolg bei Olympia beispielsweise? Eine Olympiamedaille ist natürlich etwas, das mir noch fehlt und wonach du dich als Sportler sehnst. Olympische Spiele sind die größte Sportbühne der Welt und dort eine Medaille zu holen, ist ein Kindheitstraum. Aber es muss einfach so viel zusammenstimmen. Ich werde allerdings weiterhin konsequent arbeiten und schlussendlich sehen, was für mich herauskommt.

»Der erste Gesamtweltcuptitel war mein emotionalster Erfolg«

Das Karriereende scheint weit weg zu sein. Machen Sie sich manchmal dennoch Gedanken über die Zeit danach?

Natürlich denke ich hin und wieder über den Tellerrand hinaus. Ich kann mir beispielsweise eine Ausbildung im Ernährungsbereich vorstellen, aber das ist alles noch Zukunftsmusik und mein Fokus gilt dem Skispringen.

Aufgrund der Covid-19-Pandemie und Ihrer Rückenprobleme war die Saisonvorbereitung für Sie besonders herausfordernd. Sind Sie mit dieser dennoch zufrieden, und welche Saisonziele haben Sie sich unter diesen Umständen gesteckt?

Trainingstechnisch habe ich das Beste aus dem ersten Lockdown herausholen können. Ich bin super in den Sommer gestartet und habe richtig coole Sprünge abgeliefert. Zwischen Juli und August ist es mir regelmäßig richtig „ins Kreuz eingeschossen“ und alltägliche Dinge wie Schuhe binden oder aus dem Bett steigen, waren kaum mehr möglich. Im Moment schaut es eher nach einer „Wundertüte“ aus. Die Sprünge fühlen sich im Training richtig gut an, aber ich weiß nicht, ob der Rücken während der Saison wieder Probleme bereitet. Trainer und Physios werden aber gut auf mich schauen. Ich habe vollste Unterstützung. #

WERBEWERT

Stefan Kraft zählt neben Marcel Hirscher und Dominic Thiem zu den erfolgreichsten Werbeträgern. So erreicht der Skispringer laut dem Marktforschungsinstitut „Focus“ einen Bruttowerbewert im einstelligen Millionen-Bereich.

SOCIAL

Auch auf den sozialen Netzwerken ist Stefan Kraft ein gefragter Mann. So hat er auf Instagram über 107.000 Follower und auf Facebook 58.000.

SPONSOREN

Natürlich hat der durch seinen Job beim Bundesheer ohnehin abgesicherte Mann auch jede Menge Sponsoren wie unter anderem Kopfsponsor Manner, OMV sowie die Ausrüster Fischer und Uvex.

WAS VERDIENT EIN SKISPRINGER?

Trotz vielerorts ausfallender Zuschauereinnahmen hat die FIS den Springern in ihrem Reglement für die Saison 2020/21 Preisgelder von mindestens 6.500 Euro pro Wettbewerb zugesichert. Als Faustregel gilt: Pro Weltcup-Punkt gibt es umgerechnet rund 93 Euro. Der Sieger eines Weltcup-Springens erhält also etwa 9.300 Euro, der 30. für ein Pünktchen knapp 93 Euro. Wenn Stefan Kraft wie letzte Saison 1.659 Punkte im Gesamtweltcup erreicht, würde er hochgerechnet in etwa 154.000 Euro an Preisgeld bekommen. 

Ein Gewinn der Vierschanzentournee bringt obendrauf circa 65.000 Euro an Preisgeld. Ein Sieg in der Qualifikation wird mit knapp 2.780 Euro belohnt, beim Skifliegen sogar mit 4.632 Euro. Bei einem Teamwettbewerb teilen sich die jeweils vier Springer der drei bestplatzierten Teams insgesamt rund 64.900 Euro.

Fotos: JumpandReach