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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der 30. Ausgabe des Sport Business Magazins (01-2021) erschienen. | Foto: Bryan Pollard 

EXKLUSIV-GESPRÄCH Jürgen Melzer zählt zu den erfolgreichsten Tennisspielern Österreichs. Anfang 2011 liegt er 14 Wochen lang in beiden Weltranglisten – Einzel und Doppel – gleichzeitig in den Top Ten. Seit 1. Jänner 2021 ist er sportlicher Leiter des Österreichischen Tennisverbandes (ÖTV). Für das Sport Business Magazin nahm er sich, trotz dichtgedrängten Terminplans, Zeit und sprach über die Entwicklung des Tennissports in Österreich.

Herr Melzer, Sie haben mit Beginn des Jahres den Posten als sportlicher Leiter beim ÖTV angetreten. Was sind ihre zentralen Aufgabengebiete?

Ich bin für den sportlichen Bereich zuständig und werde selbst regelmäßig am Platz stehen. Alles was ich mir auf der Tour seit 1999 angeeignet habe, möchte ich weitergeben und nicht nur im Bürosessel sitzen und Konzepte schreiben. Hier sehe ich auch meine größte Stärke. Etwa 65 Prozent meiner Zeit werde ich am Platz und 35 Prozent im Büro verbringen. Ziel ist es, das erarbeitete Sportkonzept umzusetzen.

Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe am meisten?

Der Tennissport gab mir so viel in meinem Leben. Dieses gesammelte Know-how möchte ich an Jugendliche und zukünftige Profispieler weitergeben. Beispiele aus anderen Ländern zeigen, wie gut eine Einbindung von ehemaligen Spielern funktioniert. Der Verband lag mir schon immer am Herzen und so war für mich klar, das will ich machen. Man kann fast von einem Traumjob reden.

War es ein schwerer Entschluss, den Schläger an den Nagel zu hängen?

Während des Corona-Sommers im letzten Jahr ist diese Entscheidung in mir gereift. Nach der besten Doppelsaison den Schläger an den Nagel zu hängen, ist hart. Aber man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Nur wenige Sportler schaffen das auch. Ich habe meine Einzelkarriere mit einem Sieg und meine Doppelkarriere mit dem Endspiel bei den ATP-Finals beendet und einen perfekten Einstieg in das »normale« Berufsleben geschafft.

Wie sehen Sie die Entwicklung im österreichischen Tennissport?

Der österreichische Tennissport ist in den letzten Jahren immer gut dagestanden. Seitdem ich diesen Sport verfolge, hatten wir immer einen Top-Spieler – zu Beginn auch bei den Damen: Thomas Muster, Stefan Koubek, mich und aktuell Dominic Thiem. Zu meiner Zeit hatten wir drei Top-Ten-Spieler, was für so ein kleines Land wie Österreich richtig gut ist. Leider fehlt hier eine langfristige Perspektive.

Bei den Jungen gibt es mit Lukas Neumayer einen Spieler, der bereits Jugend-Grand-Slams spielt. Im Vergleich: In meiner Jugendzeit gab es sechs oder sieben Spieler dieser Kategorie. Hier möchte ich den Hebel ansetzen, genauso wie im Damen-Tennis. Aktuell haben wir keine Top-100-Spielerin, das muss sich ändern. Wir sind bemüht, hier neue Wege zu gehen.

Wolfgang Thiem hat vor kurzem seine eigene Tennisakademie gegründet. Wie bewerten Sie dieses Projekt?

Die Akademie von Wolfgang ist ein Gewinn für den österreichischen Tennissport. Bei jedem Projekt für den heimischen Sport geht mir das Herz auf. Es darf nicht gegeneinander gearbeitet werden, es müssen alle an einem Strang ziehen. Hier gab es in der Vergangenheit Schwierigkeiten.

Eine Akademie hat andere Interessen als ein Verband und dennoch gibt es Synergien, die man nutzen kann: ob gemeinsame Sparrings oder Fahrgemeinschaften für Turniere. Es geht um den österreichischen Tennissport und ich will, dass gute Spieler entwickelt werden.

Herr Melzer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. #

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