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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der 31. Ausgabe des Sport Business Magazins (02-2021) erschienen.

BERGLAUF Nicht nur Bergsteiger, Wanderer und Touristen zieht der Großglockner in seinen Bann, sondern auch Bergläufer. Er ist Anziehungspunkt für Sport- und Naturliebhaber, mit 3.798 Metern der höchste Berg Österreichs und zugleich einer der bedeutendsten Gipfel der Ostalpen mitten im Nationalpark Hohe Tauern. Ein alpines Sportereignis der besonderen Art ist der Großglockner Berglauf, an dem jährlich 1.200 Teilnehmer aus aller Welt teilnehmen.

Der Großglockner gilt als Mythos, als Kraftort, als heiliger Berg, kurz als ein alpines Erlebnis der Superlative, der den Menschen in der Region auch wirtschaftlich als Marke dient. Neben jährlich 5.000 Alpinisten, die den Gipfel erklimmen, Wanderern und rund 900.000 Touristen hat sich der vor 22 Jahren ins Leben gerufene Großglockner Berglauf längst in der Szene etabliert. Der Großglockner Berglauf ist Teil des Berglauf-Weltcup-Rennens und wird zugleich als Breitensport-Veranstaltung für alle sportbegeisterten Läufer organisiert. Die Anziehungskraft des Glockners und die besondere Herausforderung für Bergläufer im hochalpinen Gelände machen den Berglauf zu einem besonderen Gustostück, führt er doch ins Herz des Nationalparks Hohe Tauern. Coronabedingt musste die Veranstaltung letztes Jahr abgesagt werden, 2021 stehen die Zeichen aber gut, dass der Startschuss von 9. bis 11. Juli 2021 wieder fällt.

Halbmarathon mit 1.265 Höhenmetern

13,367 Kilometer beträgt die Distanz, die zurückgelegt werden muss und 1.265 Höhenmeter, die es zu bewältigen gilt. Grundsätzlich ist der Lauf von der Anforderung mit einem Halbmarathon zu vergleichen. »Zur Endzeitorientierung sollte man pauschal zur individuellen Halbmarathonzeit etwa 15 bis 20 Minuten hinzurechnen und kann diese Summe als Richtwert heranziehen«, weiß Veranstalter Julius Rupitsch aus Erfahrung zu berichten. Als schnellster Läufer hält bei den Herren der aus Eritrea stammende Mamu Pedro mit 1:08:18 die Bestzeit, bei den Damen hat die Österreicherin Andrea Mayr mit einer Zeit von 1:21:12 den bisher unerreichten Rekord aufgestellt. Beste Läuferin im Jahr 2019 war die Britin Sarah Turnstall mit einer Zeit von 1:26:23, bei den Herren belegte 2019 der aus Eritrea stammende Abraham Filimon mit einer Zeit von 1:11:56 den ersten Platz. Unter den Teilnehmern sind in der Regel an die 50 Profiläufer und rund 1.150 Amateurläufer, die zeitlich gestaffelt an den Start gehen.

 

Eine Million Euro Wertschöpfung für die Region

Eine besondere Herausforderung für so manchen Läufer ist die Höhe. Denn aufgrund des abnehmenden Luftdruckes, sinkt auch der Sauerstoffgehalt. Daher empfiehlt Rupitsch bereits ein bis zwei Tage vorher anzureisen, um sich an die dünnere Luft zu gewöhnen. Auch für Familie und Freunde, die mitreisen, um ihre Liebsten anzufeuern und bei diesem besonderen Ereignis dabei zu sein, gibt es genug zu entdecken. Ob ein Besuch im Haus der Steinböcke, eine geführte Wildtier-Safari oder eine gemütliche Wanderung oberhalb der Pasterze, dem längsten Gletscher der Ostalpen. Die Region bietet genügend Attraktionen für Mitreisende jeden Alters. Die Teilnehmer beim Berglauf kommen zu 70 Prozent aus Österreich, zu 25 Prozent aus Deutschland und zu fünf Prozent aus anderen Nationen. Über 5.000 Nächtigungen werden am Laufwochenende in der Region verzeichnet und die tragen laut Rupitsch zu einer Wertschöpfung von über einer Million Euro bei.

Großglockner Berglauf: Glücksgefühle mit Aussicht

DER MYTHOS GLOCKNER Von Heiligenblut bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe gilt es, 13 Kilometer und 1.265 Höhenmeter zu bewältigen. | © Tomaz Druml

Von Heiligenblut bis ins ewige Eis

Im Unterschied zu einem Halbmarathon spielt beim Berglauf die Höhe und der Anstieg eine große Rolle. Der Start findet in Heiligenblut auf einer Seehöhe von 1.247 Metern statt. Von dort verläuft die Strecke durch den Ort bis zum Talschluss. »Das Trügerische ist, dass am Beginn die Strecke flach ist und daher viele Läufer mit zu hohem Tempo beginnen und zu schnell in die Aufwärts-Passage kommen und ›überpacen‹. Es ruhig zu beginnen, ist sicher der beste Tipp am Anfang«, empfiehlt Lauf-Organisator Rupitsch. Von dort führt die Strecke weiter über alle alpinen Vegetationsstufen – von der typischen Kulturlandschaft hinauf bis in die hochalpine Gletscherregion, der Pasterze. Das Ziel befindet sich auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2.370 Metern Seehöhe. Je nach Wetter können vor allem im oberen Bereich auch im Juli Kälte, Nässe und Wind sehr zusetzen, sogar leichter Schneefall ist möglich.

 

85-Jähriger als ältester Teilnehmer

Damit die Strecke des hochalpinen Laufes auch optimal vorbereitet ist, kümmert sich Streckenchef Ambrosius Unterkirchner. Mögliche Absturzgefahren werden gesichert oder beseitigt, Steine notfalls aus dem Weg geräumt, um die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Für die Läufer sind beispielsweise Distanzangaben wie Kilometer-Hinweistafeln sehr wichtig, um ihre Kraft einzuteilen und sich mental zu stärken. Unterkirchners Vater hat mehrmals selbst am Großglockner Berglauf teilgenommen, zuletzt im Jahr 2019, und ist mit 85 Jahren mit Abstand der älteste Teilnehmer.

Großglockner Berglauf: Glücksgefühle mit Aussicht

NATURSPEKTAKEL Der letzte Anstieg kurz vor dem Ziel gilt als der kräfteraubendste: Der Zieleinlauf auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe am Fuße des Großglockners inmitten der hochalpinen Gletscherregion ist ein Erlebnis, das man nicht vergisst. | © Mag. Gert Steinthaler

Kräftezehrendes Treppen-Finale

Nach den ersten 600 Höhenmetern wird die Sattelalm auf einer Höhe von 1.645 Metern erreicht, wo sich die erste »Labestation« befindet. Die Strecke führt weiter über die erstmals 1271 urkundlich erwähnte Bricciuskapelle. Insgesamt gibt es vier »Labestationen« entlang der Strecke, die mit Wasser, isotonischen Getränken und Bananen versorgen. Nur zwischen drei bis acht Teilnehmer laufen die gesamte Strecke durch. Die meisten Läufer legen regelmäßig Gehpassagen ein. Über die Trogalm wird die Pasterze am Rande passiert.

»Der letzte steile Anstieg vor dem Ziel ist der anstrengendste und kräfteraubendste Teil mit vielen Stufen. Dankbar nehmen die Läufer das Anfeuern der Zuseher und Streckenposten entgegen und mobilisieren so ihre letzten Kräfte bis zum Zieleinlauf «, erklärt uns Unterkirchner. Erschöpft, aber überglücklich kommen die Läufer im Ziel an. Zu Füßen die Ausläufer der Pasterze und gegenüber thront der mächtige Großglockner im Herzen des 1.856 Quadratkilometer großen Nationalparks. Für den Blick auf die von dort oft sichtbaren Steinböcke und Murmeltiere bleibt jetzt keine Energie. Aber eines ist sicher: Der Zieleinlauf auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe am Fuße des mächtigen Großglockners bleibt auf Dauer in magischer Erinnerung. #

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Eingangsfoto: Christian Bock

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