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EKLUSIV-GESPRÄCH Der professionelle und langjährige Tennistrainer Gerald Mild über seine eigene Tennisakademie, Strategie und Zielsetzung, Kosten einer Ausbildung und die Familie Thiem als Konkurrenz.
»Hard work beats talent, when talent doesn’t work hard.« Das ist das Credo von Gerald Mild. Der gebürtige Salzburger war lange Zeit Tennisprofi, spielte regelmäßig bei ATP- und Daviscup-Turnieren und wurde mehrfacher österreichischer Meister. Nach seiner Profikarriere leitete Mild zusammen mit dem zweifachen French-Open-Finalisten und Paraguayer Víctor Pecci eine Tennisakademie in Spanien.

Obendrein hat Mild diverse Trainerstationen hinter sich. Unter anderem war er im Trainerteam von José Higueras in Palm Springs, Kalifornien und Trainer der deutschen Tennisspielerin Anke Huber. Im September 2011 gründete er gemeinsam mit Ulf Fischer die European Tennis Base (ETB) in Salzburg. Die Akademie konzentriert sich schwerpunktmäßig auf die Ausbildung und Förderung von talentierten jugendlichen Tennisspielern, die durch eine intensive und fachlich fundierte Ausbildung erfolgreich an die Weltspitze herangeführt werden sollen.

Damit diese Ziele umgesetzt werden können, setzt der 58-Jährige auf ein starkes Trainerteam, das sich gezielt auf jeden individuellen Spieler konzentriert. »Mit dem besten Trainer-Knowhow versuchen wir, dass jeder Spieler seine persönliche maximale Leistungsgrenze erreicht«, erklärt ETB-Direktor und Headcoach Mild. Um landesweit und über die Grenzen hinweg die besten jungen Spieler nach Salzburg zu locken, erfolgt die Aufnahme in die ETB nach einem strengen Ausleseverfahren im Rahmen einiger Testtage und dem Kennenlernen des privaten Umfeldes. Die ETB übernimmt die gesamte Jahresplanung, die Auswahl der ausbildungsfördernden Maßnahmen sowie die Anleitung zum Wohlverhalten beim Sport in der Öffentlichkeit – Stichwort Imagepflege. Darüber hinaus wird eine Medienschulung für Interviews und den richtigen Umgang mit der Presse sowie die Vorbereitung für ein College-Stipendium in den USA angeboten.

 

Herr Mild, wie lautet die Philosophie der ETB?

In der ETB haben wir drei Säulen. Das Training in Rif, die Turnierbetreuungen und die dritte Säule ist, dass wir ausländische Spieler und Verbände aufgrund der guten Infrastruktur nach Rif bringen. Man muss lange suchen, um etwas Gleichwertiges zu finden. Die Säulen zwei und drei sind leider aufgrund der Pandemie weggebrochen, daher haben wir den Entschluss gefasst, unsere Kooperation mit dem Schulsportmodell Salzburg auf die Unterstufe zu erweitern.

Dieses Jahr gibt es in der ETB einiges zu feiern. Wir feiern im Oktober unser zehnjähriges Jubiläum.

Man muss einmal zehn Jahre im Geschäft sein und dabei durchgehend stark besetzt sein – und das ohne Werbung. Alles funktioniert über Mundpropaganda. Dies ist eine Bestätigung unserer Qualität.

 

»Für einen Schüler im Schulsportmodell kostet das Tennistraining inklusive Konditionstraining in etwa 1.500 Euro monatlich. Für die Profis kostet ein Jahrestraining 30.000 Euro.«

Gerald Mild

 

Was zeichnet die ETB aus und was unterscheidet sie von anderen Akademien?

Wir haben in den letzten Jahren das beste Trainer-Know-how gehabt. Diese Leute wissen, wie eine Ausbildung auszusehen hat. Die Trainingsstätte ist das Sahnehäubchen.

Wir können von früh bis spät trainieren und müssen nirgendwo hinfahren, da wir alles im Haus haben – vom Konditionstraining bis zur Physiotherapie. Darüber hinaus ist die Sportuniversität im gleichen Haus und unsere Sportler können berufsbegleitend den Sportjournalismus-Lehrgang besuchen.

GERALD MILD Der ehemalige Tennisprofi war im Trainerteam von José Higueras in Palm Springs. | © Juergen Hasenkopf

Wie finanziert sich die ETB?

Über die Spielerbeiträge und über die Kooperation mit dem Salzburger Tennisverband (STV), in dem die ETB für den Spitzensport verantwortlich ist. Aus diesem Grund können wir die Anlage in Rif nutzen. Im Gegenzug machen wir für den STV Lehrgänge, Sichtungen, Trainingslager und Turnierbetreuungen.

Was kostet ein Jahr an der ETB?

Für einen Schüler im Schulsportmodell kostet das Tennistraining inklusive Konditionstraining in etwa 1.500 Euro monatlich. Mit diesem Betrag sind wir einer der Günstigsten in ganz Europa. Diese Summe ist notwendig, um gute Trainer bezahlen zu können. Für die Profis kostet ein Jahrestraining 30.000 Euro.

 

»Alles was im Tennis eröffnet und optimiert wird, ist befruchtend für den österreichischen Tennissport.«

Gerald Mild

 

Wolfgang Thiem hat vor kurzem die ATC gegründet. Wie bewerten Sie dieses Projekt?

Alles was im Tennis eröffnet und optimiert wird, ist befruchtend für den österreichischen Tennissport. Wolfgang Thiem hat zwei große Vorteile. Erstens: Dominic, der Mann im österreichischen Tennis. Zweitens: die finanziellen Ressourcen. Bei Sponsoren beispielsweise haben sie es um einiges leichter. Der finanzielle Background der ATC kann vieles ermöglichen.

Sehen Sie die ATC als Konkurrenz oder profitieren alle davon?

Sicher wird der eine oder andere Spieler dorthin wechseln, aber wenn sich Leute nicht gut betreut fühlen, nutzt der Name Thiem auch nichts. Es wird wichtig sein, dass Wolfgang ein gutes Trainerteam hat. Er wird aufgrund der Reisen mit Dominic nicht viel vor Ort sein und die Base braucht im Alltagsgeschäft gute Trainer.

Herr Mild, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. #

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Eingangsfoto: Juergen Hasenkopf

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