Wachstumsbranche Fußball: Die 20 Top-Klubs weltweit erzielten in der abgelaufenen Saison 2019/20 einen Gesamtumsatz von 8,2 Milliarden Euro – ein Rückgang von zwölf Prozent gegenüber der Vorsaison (9,3 Milliarden Euro). Das sind Zahlen während einer weltweiten Pandemie, die viele andere Branchen neidisch machen dürfte. Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte hat dazu jüngst die aktuellen Ergebnisse ihrer „Football Money League 2021“ veröffentlicht. Wir präsentieren die wichtigsten Erkenntnisse und zeigen, welchen wirtschaftlichen Einfluss die Coronakrise auf den Fußball hat.

Die 20 Football-Money-League-Klubs generierten in der Saison 2019/20 einen Gesamtumsatz von 8,2 Milliarden Euro – ein Rückgang von zwölf Prozent zur Vorsaison (9,3 Milliarden Euro), hauptsächlich verursacht durch…

  • Rückgänge in den Medienerlösen von 937 Millionen Euro (-23 Prozent) infolge von Erlösverschiebungen oder Preisnachlässe und
  • den Spieltagerlösen von 257 Millionen Euro (-17 Prozent) sowie
  • einem leicht gegenläufigen Anstieg der kommerziellen Erlöse von 105 Millionen Euro (+3 Prozent)

Trotz deutlicher Einbußen können der FC Barcelona und Real Madrid ihre Spitzenplätze verteidigen. Der FC Bayern München erobert Platz 3. Erstmals platziert ist Eintracht Frankfurt auf Rang 20 und komplettiert zusammen mit Borussia Dortmund (12.), FC Schalke 04 (16.) die Bundesligisten in der Deloitte Football Money League.

Die Fußballsaison 2019/20 war zweifelsohne die herausforderndste in der jüngeren Fußballgeschichte. Das daraus resultierende Ranking der 20 finanzstärksten Klubs im internationalen Spitzenfußball ist entsprechend vor dem Hintergrund der globalen Covid-19-Pandemie und ihren Auswirkungen auf das gesamte öffentliche Leben – und damit auch den Sport – zu betrachten.

Covid-19 bringt die Abläufe der Ligen durcheinander

„Gewöhnlich endet das Geschäftsjahr für die Klubs mit dem Saisonabschluss ihrer jeweiligen Ligen im Mai oder Juni“, erklärt Stefan Ludwig, Partner und Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte, und führt fort:

„In der Saison 2019/20 brachte die Pandemie ab März die gewohnten Abläufe durcheinander. Die internationalen Ligen haben dabei unterschiedliche Strategien verfolgt. Während beispielsweise die französische Ligue 1 die Saison ganz abgebrochen hat, haben andere Ligen Spiele und damit das Saisonende nach hinten verschoben. Dadurch rutschen in einigen Fällen auch Umsätze ins aktuell laufende Geschäftsjahr und werden somit erst in die nächste Ausgabe der Football Money League einfließen. Dieser Umstand trägt auch zu einer schwierigeren Vergleichbarkeit der finanziellen Performance der einzelnen Klubs bei als sonst üblich.“

In der Saison 2019/20 haben die 20 wirtschaftlich erfolgreichsten Klubs des internationalen Profifußballs insgesamt 8,2 Milliarden Euro (ohne Transfererlöse) an Umsätzen erwirtschaftet, zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. „Das ist trotz allem der dritthöchste Gesamtumsatz in 24 Jahren Football Money League“, sagt Kim Lachmann, Senior Manager der Sport Business Gruppe bei Deloitte, und merkt an:

„Spannend ist in dieser Ausnahmesaison auch die Entwicklung durch die pandemie-bedingten Mindereinnahmen bei den Medienrechten und den Spieltagen. Für viele Klubs ist das ein Anstoß, ihre strategischen Ziele und Business Modelle zu schärfen. Hier spielen aktuell natürlich die digitalen Voraussetzungen eine entscheidende Rolle. Die agilsten und innovativsten Klubs können ihren Fans und weiteren Stakeholdern einen höheren Mehrwert liefern und besitzen somit die besten Voraussetzungen für eine schnelle Erholung nach der Krise.“

Am deutlichsten waren die Einbußen bei den Erlösen durch Medienrechte (-23 Prozent). Hintergrund ist die Kombination aus verschobenen Erlösen, die sich erst im kommenden Jahr niederschlagen werden, und Rabatten an Medienunternehmen für ausgefallene Spiele. Da ab März 2020 zahlreiche Begegnungen ohne Publikum stattfanden oder ganz abgesagt wurden, waren auch die Spieltagerlöse mit einem Rückgang von 17 Prozent stark betroffen.

FC Barcelona und Real Madrid bilden weiterhin das Spitzenduo, FC Bayern erstmals wieder auf Rang 3 seit der Saison 2013/14.

So knapp wie noch nie: Barça verteidigt Platz 1 vor Real

Trotz der in diesem Jahr doch sehr unterschiedlichen Bedingungen für die Klubs gab es in den Top 10 keine Neuzugänge. Platz 1 konnte der FC Barcelona mit einem Gesamtumsatz von 715,1 Millionen Euro ganz knapp vor dem La-Liga-Konkurrenten Real Madrid mit 714,9 Millionen Euro verteidigen. Mit einem Minus von 125,7 Millionen Euro im Vergleich zur Vorsaison, in der Barça als erster Klub die 800-Millionen-Euro-Grenze durchbrach, mussten die Katalanen absolut betrachtet den zweitgrößten Verlust aller Top-20-Klubs hinnehmen.

Deutschland: So haben die Bundesliga-Klubs abgeschnitten

Der FC Bayern München konnte sich auf den 3. Platz vorkämpfen. Mit einem Gesamtumsatz von 634,1 Millionen Euro in der Saison 2019/20 hat zwar auch der Triple-Gewinner leichte Einbußen zu verzeichnen, das Minus fällt mit vier Prozent allerdings sehr moderat aus. Wie alle Bundesliga-Klubs profitierten die Bayern vom nur geringfügig späteren Saisonende der deutschen Topliga. Doch die starke wirtschaftliche Performance der Münchner liegt auch an ihrer Stärke im Bereich der kommerziellen Erlöse, die insgesamt 57 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachten. Die sportlichen Erfolge in der Saison 2019/20 trugen ebenfalls zum Vorrücken auf Rang 3 bei, auch wenn ein Teil der Erlöse aus dem Erfolg in der Champions League – aufgrund der späteren Austragung – erst in der aktuell laufenden Saison berücksichtigt sein wird.

Borussia Dortmund verteidigte mit einem Gesamtumsatz von 365,7 Millionen Euro und einem Minus von nur zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr Platz 12 im aktuellen Ranking. Die Verluste bei den Spieltagerlösen (-22 Prozent) durch insgesamt fünf Geisterspiele in der Bundesliga konnten die Borussen dank leichter Zuwächse bei den kommerziellen und den Medienrechterlösen fast komplett ausgleichen.

Der FC Schalke 04 schaffte es im aktuellen Ranking auf Platz 16. Die Königsblauen haben mit einem Gesamtumsatz von 222,8 Millionen Euro aber ein Minus von 31 Prozent zu verzeichnen. Ursachen waren neben den Corona-Einschränkungen vor allem die verpasste Qualifikation für die europäischen Wettbewerbe zur Saison 2019/20.

Zu den zwei Neuzugängen im aktuellen Ranking gehört neben Zenit St. Petersburg auch Eintracht Frankfurt. Die Hessen schafften es mit einem Gesamtumsatz von 174,0 Millionen Euro erstmals in die Top 20. Bemerkenswert ist der Zuwachs bei den kommerziellen Erlösen (+7 Prozent). In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Klub hier um 60 Prozent gesteigert.

Die Top 10 der umsatzstärksten Vereine in der Detailanalyse zum Durchklicken.

Red Bull Salzburg mit 183 Millionen Umsatz

Umsatzstärkster Klub in Österreich war einmal mehr Red Bull Salzburg (183,014 Millionen). Hier ist allerdings zu berücksichtigen, dass in der „Österreich-Wertung“ im Gegensatz zur Studie die Transfererlöse, die bei Salzburg beträchtlich waren, einberechnet wurden. Der Serienmeister konnte auch aufgrund der ersten Teilnahme an der Champions League ein Rekordergebnis einfahren.

Über eine klare Steigerung durfte sich auch der auf Rang drei vorgestoßene LASK (34,266 Millionen) freuen. Signifikante Rückgänge gab es hingegen beim Zweiten Rapid (42,068 Millionen) und vor allem Vierten Austria (22,755 Millionen). „Die Coronakrise hat auch in der österreichischen Bundesliga ihre Spuren hinterlassen“, sagte Krammer. Hauptsächlich dank Salzburg gab es gesamt trotzdem eine deutliche Steigerung von 281,950 auf 347,479 Millionen Euro.

Umsatzranking der österreichischen Klubs 2019/20 (inklusive Transfererlöse, internationale Wertung ohne)

1. Red Bull Salzburg: 183,014 Millionen Euro 

2. SK Rapid Wien: 42,068 Millionen Euro 

3. LASK: 34,266 Millionen Euro 

4. FK Austria Wien: 22,755 Millionen Euro 

5. SK Sturm Graz: 15,837 Millionen Euro

6. WAC: 13,608 Millionen Euro 

7. FC Admira: 9,191 Millionen Euro 

8. SKN St. Pölten: 8,059 Millionen Euro 

9. SCR Altach: 7,374 Millionen Euro 

10. WSG Tirol: 6,339 Millionen Euro 

11. TSV Hartberg: 4,968 Millionen Euro 

Fans wollen mehr Inhalte rund um Klubs, Sportler und Spiele

Entscheidender Treiber für den wirtschaftlichen Erfolg sind letztendlich die Fans. „Für die Klubs ist es wichtig, auf die Wünsche ihrer Fans einzugehen und gerade hier haben abgebrochene Saisons und Geisterspiele ganz neue Herausforderungen geschaffen“, erklärt Kim Lachmann und führt fort:

„Eine Umfrage im Rahmen der DFML unter Fußballfans in über 20 Ländern hat ergeben, dass seit März 2019 knapp die Hälfte der Fans (49 Prozent) auf Social Media mit ihren Klubs interagiert hat. Auf der Wunschliste der Fußballfreunde steht mehr Content, beispielsweise der ein oder andere Blick hinter die Kulissen, Live-Schalten zum Training oder auch Spieltaghighlights, ganz oben. In diesem Bereich gibt es für die Klubs noch viel Potenzial, das es am besten zeitnah zu erschließen gilt.“

Es wird aller Voraussicht nach noch einige Zeit dauern bis der Fußball zur Normalität zurückkehren kann. „Der Spieltagbetrieb ist einer der Eckpfeiler des Geschäftsmodells der Klubs und nicht zuletzt deshalb, hat die sichere Rückkehr der Fans in die Stadien höchste Priorität“, erklärt Stefan Ludwig und fügt an:

„Doch wann das möglich sein wird, hängt von vielen Faktoren ab, welche die Ligen und Klubs nur zu einem sehr kleinen Teil beeinflussen können. Doch schon jetzt steht fest: Das endgültige Ausmaß der finanziellen Auswirkungen der Pandemie auf den Fußball wird zu einem nicht geringen Teil vom Zeitpunkt und Umfang der Rückkehr der Fans abhängen.“

Foto: Christian Bertrand | Text: Deloitte | Grafiken: Deloitte