Neymar gilt als einer der besten Fußballer des Planeten. Nicht erst seit seinem Wechsel zu Paris Saint Germain gehört er zu den bestbezahlten Sportlern überhaupt. Gehalt, Werbeeinahmen, Sponsoren und Projekte abseits des Platzes spülen jedes Jahr Millionen auf sein Bankkonto und dennoch steht der Ausnahmespieler im Schatten von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Unsere Coverstory aus der Frühlingsausgabe 01-2019.

Neymar, der mit vollem Namen Neymar da Silva Santos Júnior und auch Neymar Júnior genannt wird, wurde in der Nähe der brasilianischen Metropole São Paulo in Mogi das Cruzes in ärmlichen Verhältnissen geboren und wuchs in Praia Grande im Bundesstaat São Paulo auf. Bereits in jungen Jahren zeigte er eine starke Affinität für den Fußball. Als Elfjähriger schloss er sich dem FC Santos an, wo er bald von verschiedenen Trainern als Rohdiamant bezeichnet wurde. Dieses Talent sprach sich auch in Europa herum und so absolvierte Neymar mit 14 Jahren ein Trainingscamp bei Real Madrid. In Folge stieg sein Marktwert rapide an. Obwohl die Spanier versuchten den jungen Brasilianer sofort zu verpflichten und für den eigenen Profikader heranzuziehen, schaffte es der FC Santos durch eine Zahlung von einer Million Reais (ca. 370.300 Euro), dass das Megatalent beim Verein blieb und seinen Vertrag verlängerte. Gleichzeitig wurde die Ausstiegsklausel auf 45 bis 50 Millionen Euro festgesetzt.

Im Alter von 17 Jahren feiert er sein Debüt in der ersten Mannschaft und kam von Beginn an regelmäßig zum Einsatz, wodurch das Interesse der europäischen Spitzenvereine noch weiter anstieg. Trotz aller Anfragen aus Europa verlängerte Neymar noch einmal seinen Vertrag und gewann 2011 die Copa Libertadores und wurde in den Jahren 2011 und 2012 zu Südamerikas Fußballer des Jahres gewählt. Insgesamt erzielte der 175 Zentimeter große Techniker in 177 Liga-Spielen unfassbare 107 Tore.

Mit dem FC Santos gewann Neymar 2011 die Copa Libertadores und wurde zweimal zu Südamerikas Fußballer des Jahres gewählt. | © Jürgen Skarwan/Red Bull Content Pool

Barcelona-Wechsel mit Problemen

Zur Saison 2013/14 war es dann soweit und Neymar wechselte nach Europa zum FC Barcelona, wo er einen Fünfjahresvertrag bis zum 30. Juni 2018 unterschrieb, der ihm ein Jahresgehalt von 15,4 Millionen Euro einbrachte. Als offizielle Ablösesumme wurden 57 Millionen Euro genannt. Doch nachdem gegen den Präsidenten der Katalanen Sandro Rosell Anzeige wegen Zweckentfremdung von Geldmitteln des Klubs erstattet worden war, wurde die Ablösesumme immer weiter nach oben korrigiert. Im Januar 2014 musste der Verein eingestehen, dass die tatsächliche Ablöse bei 86,2 Millionen Euro lag und die Madrider Staatsanwaltschaft kündigte daraufhin an, dass aufgrund dieses Transfers Steuern in Höhe von 13,5 Millionen Euro nachgezahlt werden müssen. Diese Vorwürfe wurden offiziell zurückwiesen und betont, dass die strittigen 38 Millionen Euro nicht Transfer-, sondern Gehaltszahlungen gewesen wären.

Mittlerweile hat die Madrider Sporttageszeitung MARCA aufgedeckt, dass mit den ganzen Strafen insgesamt um die 157 Millionen Euro in den Transfer geflossen sind:
  • 17,1 Millionen (FC Santos)
  • 4,5 Millionen Euro (Freundschaftsspiele mit dem FC Santos)
  • 7,9 Millionen (Vorkaufsrecht für drei FC Santos Spieler)
  • 10 Millionen (Handgeld für Neymar)
  • 40 Millionen (Zahlungen an Neymars Eltern)
  • 13,5 Millionen (Zahlung an das Finanzamt)
  • 2 Millionen Euro (Bonus für Neymar)
  • 8,5 Millionen (Zahlung an die Stiftung Neymar Jr.)
  • 2,7 Millionen (Berater-Provision an den Vater)
  • 25,2 Millionen Euro (Strafe Ex-Präsident Rosell)
  • 3,8 Millionen Euro (Strafe Präsident Bartomeu)
  • 22,2 Millionen Euro (Erneute Strafe FC Barcelona)

All die Problematik um seinen Transfer hatten keine Auswirkungen auf die sportlichen Leistungen des Edeltechnikers. Mit dem spanischen Traditionsverein feierte er die bisher größten Erfolge seiner Karriere: neben zwei Spanischen Meisterschaften (2015 und 2016) und drei Spanischen Cupsiegen (2015, 2016 und 2017) durfte er sich auf internationaler Bühne je einmal über den Gewinn der UEFA Champions League (2015), der FIFA Klub-Weltmeisterschaft (2015) und des UEFA Super Cups (2015) freuen. Mit seinen 105 Toren in insgesamt 186 Spielen war er maßgeblich an den Erfolgen beteiligt. Ebenso bleibt die Erinnerung an den famosen Sturm- Dreizack Neymar, Lionel Messi und Luis Suarez. Die Sturmallianz erzielte in der Saison 2015/16 gemeinsam 131 Tore.

Neymar: Im Schatten der Großen. | © PSG

Kronprinzenrolle hinter Lionel Messi

Trotz der erfolgreichen Zeit von Neymar gab es schon bei seiner Ankunft 2013 Bedenken, ob es mit Messi und Neymar lange in einer Mannschaft gut gehen kann. Johan Cruyff, Barcelonas verstorbener Klubheiliger, warnte vor zwei Kapitänen in einem Boot und fügte hinzu: „Wer Neymar kaufe, müsse darüber nachdenken, Messi zu verkaufen. Mit beiden werde es auf Dauer wohl kaum gehen können.“ Zunächst schien Cruyff allerdings widerlegt und Neymar fügte sich klaglos in die Kronprinzenrolle, bereit zu lernen an der Seite von Messi, den er ehrlich bewunderte. „Messi hat mir enorm geholfen in diesen vier Jahren, vor allem am Anfang“, erklärte der Brasilianer. „Heute sind wir Freunde.“

Selbst nach besonders gelungenen Darbietungen feierten ihn die Zeitungen als die „Nummer zwei der Welt“. Was als Kompliment gedacht war, muss für ihn jedes Mal einen Stich bedeutet haben und für einen Ausnahmespieler, der das Rüstzeug zum größten Fußballspieler seines Landes seit Pelé besitzt, nicht tragbar gewesen sein.

Ein weiteres einschneidendes Ereignis für Neymar lieferte der 8. März 2017, als das Camp Nou von Barcelona ein seltenes Zusammentreffen von Talent, Glauben und Führungsstärke erlebte. 3:1 stand es zwischen dem FC Barcelona und Paris St. Germain und trotz der Führung der Spanier verließen die ersten Zuschauer das Stadion. Denn zehn Minuten vor Schluss bedeutete dieses Ergebnis nach dem 0:4 im Hinspiel das Ausscheiden. Nur einer wollte es nicht wahrhaben und versuchte weiter unablässig, das Wunder geltend zu machen: Neymar. Und er führte es dann auch tatsächlich herbei.

Freistoßtor, Elfmetertreffer, Torvorlage, alles in den letzten acht Spielminuten. Es war ein grandioser Abend des Neymar da Silva Santos Júnior, dieses 6:1 im Champions-League-Achtelfinale. Er hatte alles und noch mehr gegeben, was von einem Superstar erwartet werden kann. Als er in den Tagen danach die Zeitungen aufschlug, sah er nur das Foto eines anderen: Lionel Messi. Obwohl dieser im Spiel blass geblieben war und nicht die Zügel in die Hand genommen hatte, der sich aber danach wie ein Gladiator vor der Fankurve aufbaute und zum Gesicht der Heldentat wurde. Spätestens nach diesem Abend wusste Neymar, was er auch anstellte, er würde beim FC Barcelona nie an Messi vorbeikommen.

Gleichzeitig hatte sein Auftritt den Gegner aus Frankreich dermaßen beeindruckt und die ersten Gespräche wurden geführt. Als Barcelona einige Monate danach den Vertrag des Argentiniers zu Rekordbezügen um vier Jahre verlängerte, war die Entscheidung um Neymars Zukunft entschieden. Wie von Cruyff vorausgesehen, waren zwei Hähne letztlich einer zu viel und Barcelona hat den Älteren behalten und den Jüngeren verloren. Denn nur wenige Tage nach Messis neuem Kontrakt gab Neymar Paris Saint Germain den verbindlichen Zuschlag. Und wer etwas genauer hinschaute in den gemeinsamen Jahren, der konnte nicht wirklich überrascht gewesen sein.

„Ich bin nicht stolz auf die Transfersumme. Ich persönlich hätte weniger für mich gezahlt“, so der 222-Millionen-Euro-Transfer Neymar. | © PSG 

Rekordtransfer um 222 Millionen Euro

Am 2. August 2017 meldete der FC Barcelona, dass sich Neymar entschlossen habe, den Klub zu verlassen. Am Tag darauf überwies Neymar seine für den damaligen Zeitraum vertraglich festgeschriebene Ausstiegsklausel in Höhe von 222 Millionen Euro an den FC Barcelona, womit das Vertragsverhältnis aufgelöst wurde. Noch am selben Tag gab Paris Saint-Germain die Verpflichtung von Neymar bekannt und er erhielt einen bis zum 30. Juni 2022 datierten Fünfjahresvertrag. Der Transfer stieß aufgrund der enorm hohen Ablösesumme, die den bisherigen Transferrekord (Paul Pogba für 105 Millionen Euro von Juventus Turin zu Manchester United) mehr als verdoppelte, weltweit auf Kritik.

Trotz allen Nebengeräuschen war der Wechsel für einen vom Kaliber Neymar geradezu folgerichtig, denn einer wie er benötigt sein eigenes Team, als Hauptfigur und nicht als Nebendarsteller, um den nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen. Denn bisher hat der Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft noch nicht viel gewonnen. Nicht den Titel des Weltfußballers, nicht Europas Fußballer des Jahres. Selbst Torschützenkönig war er nie, weder in Spanien noch in Frankreich oder Brasilien. Aber er trägt den Titel „teuerster Fußballprofi der Welt“. Gefragt nach seinem Rekordtransfer antwortete er: „Ich bin nicht stolz auf die Transfersumme und dass ich der teuerste Spieler aller Zeiten bin. Ich persönlich hätte weniger für mich gezahlt.“ Im Gegensatz zu Lionel Messi ist in Neymars Vertrag bei PSG keine astronomische Ausstiegsklausel verankert. Stattdessen müsste ein Verein „nur“ 300 Millionen Euro auf den Tisch legen, um die Klausel zu aktivieren. Der Rekordtransfer zu PSG brachte Neymar selbstredend auch eine satte Gehaltsaufstockung ein. 

Nach Angaben der L'Equipe verdient der Brasilianer in Frankreichs Hauptstadt folgendes Bruttogehalt:
  • pro Monat: 3,067 Millionen Euro
  • pro Woche: 692.548 Euro
  • pro Tag: 98.935 Euro
  • pro Stunde: 4.122 Euro
  • pro Minute: 96,70 Euro

Dazu kommen aber noch Prämien, wodurch er das Gehalt um weitere 20 Millionen Euro pro Jahr aufbessern kann.

Neben seinem Gehalt soll sich Neymar einige kuriose Klauseln in seinen Kontrakt einbauen lassen. Demnach kassiert er satte 375.000 Euro, damit er vor und nach den Spielen den PSG-Anhängern zuwinke. Außerdem soll der 27-Jährige nicht weniger als 2,5 Millionen Euro erhalten, wenn er die Entscheide des Trainers nicht in Frage stelle und öffentlich kritisiere. Grund für diese speziellen Vertragsdetails ist das Bußensystem in Frankreich. Seit 2014 dürfen Ligue-1-Klubs ihren Spielern keine Geldbußen mehr aufbrummen. Deshalb werden Prämien vereinbart, die bei Disziplinlosigkeiten gestrichen werden. Zwei Millionen kommen obendrauf, wenn er im Rennen um den Ballon d’Or auf den ersten drei Plätzen landet.

Kuriose Vertragsklausel: Neymar kassiert satte 375.000 Euro fürs Zuwinken zu den PSG-Anhängern. | © PSG

Neymar und PSG: Ein Best Case für das Sportmarketing

In Fußballerkreisen stehen aber nicht nur die Rekordablösesumme und das Mega-Gehalt von Neymar im Vordergrund, sondern auch Themen wie Trikotverkäufe, Bildrechte, Merchandise- Optionen. Über seine sportliche Qualität muss nicht diskutiert werden und dass er den Parisern sportlich weiterhelfen kann, steht außer Frage. Und wenn ein Top-Klub so viel Geld, inklusive Gehalt, in einen Spieler investiere, ist es vollkommen klar, dass er alle Umsatzpotenziale betrachtet hat. Im Falle von Neymar wurden die Bildrechte unweigerlich an den Verein lizenziert. Für den Verein ergeben sich daher viele Möglichkeiten, mit der Bildnutzung Geld zu verdienen. Dazu gehören etwa Werbeformate mit dem Team, Sponsoren-Pakete oder Medienpartnerschaften.

Daher kann keine Rede davon sein, dass der Transfer von Neymar für Paris Saint Germain trotz der Transfer- Unsumme von 222 Millionen Euro inklusive Gehalt ein Verlustgeschäft sein wird, denn schon vor dem ersten Ballkontakt kassierte der Fußballklub dank Neymar Millionen. Am ersten Tag nach Bekanntgabe des Transfers verkaufte sich das Trikot mit dem Namen des Brasilianers und der Rückennummer zehn über 10.000 Mal. Bei einem Kaufpreis von durchschnittlich 100 Euro nahm PSG gemeinsam mit Ausrüster Nike über eine Million Euro ein. Der Hype um das Trikot mit dem Schriftzug „Neymar Jr“ hielt noch mehrere Tage an und so entschloss sich das Magazin „Le Point“ dazu, den Ausnahmekönner als „Marketing Juwel“ zu bezeichnen.

Bei PSG verdient Neymar im Schnitt 97 Euro pro Minute. | © PSG

Dass die Medien mit diesen Aussagen nicht übertrieben, untermauern weitere Zahlen: Auf den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram stieg die Zahl der Fans, Abonnenten und Follower des Hauptstadt-Klubs innerhalb weniger Wochen um mehr als zwei Millionen. Aber nicht nur der Klub profitierte von seinem Zugang, sondern auch die französische Ligue 1 erlebte einen nie da gewesenen Popularitätsschub. Durch Neymar zog sie auf vielen internationalen Märkten zumindest mit der deutschen und der italienischen Liga gleich. In Brasilien sogar mit der spanischen LaLiga und der englischen Premier League.

Obwohl die großen Geldbeträge immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit standen, war seine erste Saison 2017/18 in Paris von Erfolg geprägt. So erzielte Neymar bis zu seiner Verletzung (Haarriss im Mittelfußknochen) in der Ligue 1 in 20 Einsätzen 19 Tore und gewann mit PSG die Meisterschaft sowie den Pokal und Ligapokal. Nach der Heilung seines Mittelfußes und Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2018 in Russland (Viertelfinal-Aus gegen Belgien) galt die volle Konzentration wieder PSG. So erzielte er in dieser Saison bereits über zehn Treffer, bis ihn wieder eine Verletzung am selben Mittelfuß außer Gefecht setzte. Seine Gesamtausbeute bei den Französen ist beeindruckend: In 53 Bewerbsspielen erzielte die Nummer 10 sagenhafte 48 Tore.

Neymar Jr’s Five: Bei Sponsor Red Bull besitzt Neymar sein eigenes globales Fußball-Turnier. | © Marcelo Maragni/Red Bull Content Pool

Werbegesicht Neymar Júnior

Für den 27-jährigen Neymar machte sich sein Wechsel nach Frankreich nicht nur bei seinem Jahresgehalt sichtbar, sondern auch neben dem Fußballplatz steigerte er seinen Marktwert. Vor allem in den Kategorien Mode, Vermarktung, Glitzer, Celebrity-Bekanntschaften, Tweets und Werbepartner ist er die Nummer eins in der Welt des Fußballs. Durch seinen Wechsel zu PSG soll die Anzahl seiner Sponsoren von 17 auf 20 angewachsen sein, wodurch er wohl 20 Millionen Euro pro Jahr durch Sponsoren einnimmt. Zu seinen prominentesten Partnern zählen: Nike, L’Oreal, Red Bull, VW, Panasonic, Gillette und Beats Electronics. Als größter Sponsor Neymars gilt sein Ausrüster Nike. Bereits 2011 schloss er einen Vertrag mit dem US-amerikanischen Sportartikelhersteller bis 2022 ab. Neymars Salär hängt dabei vom Klub ab, bei dem er unter Vertrag steht. Bei Barcelona bekam er beispielsweise 810.000 Euro jährlich, da dieser zu den Kategorie-A-Klubs zuzurechnen ist. PSG dagegen ist im Bereich C gruppiert, weswegen Neymar „nur” rund 200.000 Euro kassiert.

Sein Sponsor Red Bull benannte sogar ein globales Fußball-Turnier nach ihm. Bei Neymar Jr’s Five wird fünf gegen fünf gespielt und um das Spiel zu gewinnen, musst man seinen Gegner innerhalb von zehn Minuten ausspielen. Die Besonderheit: Schießt das eine Team ein Tor, verliert das andere Team einen Spieler. Das macht es zu einem sehr technischen sowie taktischen Fußballspiel. Mehr als 60 Länder auf sechs Kontinenten werden Qualifikationsturniere austragen und um ein Ticket für das Weltfinale zu kämpfen, welches in der 190-Millionen-Einwohner- Nation mit der Staatsreligion Fußball Brasilien stattfinden wird.

Hier wird auch sein eigenes Logo, welches die Werbeagentur Loducca während seiner Zeit beim FC Barcelona für Neymar entwarf, präsent sein. Die Marke NJR produziert für den Brasilianer verschiedene Merchandise- Artikel. Die ganze Familie ist angestellt in seinen Unternehmen NJR Sports und N & N. Die Geschäfte bestehen darin, den Fußball- und Social-Media-Star Neymar Junior zu vermarkten. Seine besten Freunde sind ebenfalls Teil seines Unternehmens NJR Sports. Sie kennen ihn aus Kindheitstagen und aus der Kirche und sind heute seine Hoffotografen und Social-Media-Beauftragten. Sie leben bei ihm in Paris und sorgen dafür, dass seine Social-Media- Accounts immer gut gefüttert werden. Denn die Superstars wissen mittlerweile ganz genau, dass sich mit Social Media Geld verdienen lässt und Neymar setzt dem die Krone auf: Er kann mit jedem Posting sechsstellig kassieren. Ein Social-Media-Post ist laut diversen Berechnungen eine halbe Million Euro wert.

Digitaler Superstar: Ein Social Media Post von Neymar ist eine halbe Million Euro wert. | © PSG

Christian Olivares von „Blinkfire Analytics“ schrieb dazu in der französischen Zeitung Le Parisien: „Wenn wir alle von Neymar im Januar veröffentlichten Inhalte berücksichtigen, kommen wir auf einen geschätzten Gesamtwert von 34 Millionen Euro. Das ist die Summe, die eine Firma ausgeben müsste, um dieselbe Publicity zu bekommen.“ Sein Social Media Footprint wird bereits auf 160 Millionen beziffert. Angesichts der wachsenden Followerzahlen des teuersten Fußballers aller Zeiten ist allerdings damit zu rechnen, dass seine Einnahmen in absehbarer Zukunft weiter ansteigen werden. Aktuell kommt der Brasilianer auf 115 Millionen Instagram-, 60 Millionen Facebook- und 45 Millionen Twitter-Follower.

Engagement für Menschen in Not

Seine Social-Media-Kanäle nutzt der Fußballheld aus Brasilien aber nicht nur, um seinen Besitz, dazu gehören eine Yacht und Privatjet, oder Freizeitaktivitäten zu zeigen, sondern auch für Geschichten abseits seiner persönlichen Welt. Bei seiner Vorstellung zum ersten Botschafter des guten Willens für die Hilfsorganisation Handicap International hat er sich gegen Rassismus und Diskriminierung im Sport ausgesprochen. „Wir sind alle Kinder Gottes, egal was unsere Hautfarbe ist.“ Die Organisation setzt sich für Menschen mit Behinderungen in armen Ländern ein und auf seinen sozialen Medien soll er seiner Anhängerschaft über die Arbeit der Organisation berichten.

Im Jahr 2013 gründete Neymar die Instituto Neymar Jr., eine Organisation, die Kindern in Not hilft und liegt mitten in der Siedlung, wo der Brasilianer aufwuchs. Es klingt wie ein Forschungsinstitut, ist aber so etwas wie ein Nachbarschaftszentrum mit einer großen Fußballarena. Es ist der Mittelpunkt des Viertels, wie früher die Kirche. In dem dreistöckigen Gebäude gibt es Arztpraxen, eine Kieferorthopädie und Räume für Bibelschulungen. Während Kinder Fußball spielen, können Erwachsene Fortbildungskurse belegen oder zu Jesus Christus finden. Es ist ein kleines Paradies für Familien, sie finden all das vor, was es sonst in den Armenvierteln Brasiliens nicht gibt. Das Instituto Neymar Jr. wird von Familienmitgliedern geführt. So steht Neymars ganze Großfamilie bei ihm unter Vertrag. „Er hilft der ganzen Region“, sagt seine Cousine Patty. Selbst sein Jugendtrainer, Entdecker und zwischenzeitlich Vaterersatz Betinho ist angestellt und arbeitet als Trainer im Instituto Neymar Jr. „Ney muss sich 100 Prozent wohlfühlen“, sagt er. „Er muss sich umarmt fühlen, ja eingekuschelt von Personen, die ihn lieben und beschützen. Dieses Gefühl will er hier an alle anderen weitergeben.“

Betrugsprozess: Privatkläger fordert sechs Jahre Haft für Neymar

Neymar wird mittlerweile in einem Atemzug mit den Fußballgrößen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo genannt. Leider nicht nur auf dem grünen Rasen. So muss sich der Brasilianer, wie seine zwei Konkurrenten um den Titel des Weltfußballers, mit dem Gesetz auseinandersetzen. Sind Messi und Ronaldo schon verurteilt, wartet auf Neymar eventuell noch der Gang vor ein Gericht. Der Investitions-Fond DIS sieht sich bei seinem Transfer 2013 vom FC Santos zum FC Barcelona um eine zweistellige Millionensumme betrogen.

Im Betrugsprozess hat der Privatkläger eine sechsjährige Haftstrafe für ihn gefordert. DIS hielt Anteile von 40 Prozent am Spieler und sieht sich betrogen. Der Fonds behauptet, er habe lediglich 40 Prozent der „offiziellen“ Ablösesumme von 57 Millionen Euro erhalten. Nach den Ermittlungen sollen für den Wechsel aber mindestens 83 Millionen Euro (ohne die Strafen für den FC Barcelona) oder mehr geflossen sein.

Schon im vergangenen Jahr hatte der Nationale Staatsgerichtshof die Eröffnung der mündlichen Verhandlung angeordnet. Einen Termin dafür gibt es noch nicht. Die Staatsanwaltschaft fordert für Neymar zwei Jahre Haft sowie eine Geldstrafe von zehn Millionen Euro. Neben Neymar müssen auch die Eltern des 27-jährigen Stürmers, die beiden verwickelten Vereine sowie Barcelona-Klub-Boss Josep Bartomeu und auch dessen Vorgänger Sandro Rosell auf die Anklagebank.

„Ich weiß selber nicht, wo seine Grenzen liegen. Seine technischen und kreativen Fähigkeiten sind so beeindruckend“, so Neymars Nationalteam-Trainer Tité. | © PSG

Nachfolger von Pelé

Auf seine Beliebtheit im Land des Rekordweltmeisters haben die Nebengeräusche abseits des Fußballplatzes keine Auswirkungen. Bei jeder Gelegenheit zeigt Neymar den Zuschauern und Kindern seine Markenzeichen: Tricks am laufenden Band und Spaß beim Fußball. Das, was sie auf der ganzen Welt brasilianisch nennen. Zwar sagen seine Kritiker, dass er effizienter spielen könnte, aber dann fehlt die Kunst, sagen Fußballliebhaber. Sein Nationalteam-Trainer Tité sagt: „Ich weiß selber nicht, wo seine Grenzen liegen. Seine technischen und kreativen Fähigkeiten sind so beeindruckend.“

Neben den persönlichen Auszeichnungen fehlt auch noch der große Erfolg mit der brasilianischen Nationalmannschaft. Zwar konnte er sich 2016 über Olympia-Gold freuen, aber die Weltmeisterschaft oder die Copa América fehlen noch in seiner Erfolgsstory. Neymar ist in seiner Heimat auf Rekordjagd und hat mit 27 Jahre schon 96 Spiele, in denen er 60 Tore erzielte, absolviert. Er wird vermutlich im Laufe seiner Karriere Cafu als Rekordnationalspieler (142 Länderspiele) ablösen sowie Pelé als besten Torschützen (77 Tore). Sein Vorbild Ronaldo (62 Tore) hat er bald eingeholt. Nicht nur im eigenen Land wird er bald die Nummer eins sein, in der Champions League hat er mit 32 Toren in 53 Spielen Kaka als erfolgreichsten Brasilianer überholt. Sollte Neymar alle einholen, so haben Pelé, Cafu, Ronaldo und Kaka trotzdem eines voraus: Alle sind Weltmeister geworden.

Um all die ausstehenden Erfolge, Weltmeistertitel und Weltfußballer des Jahres, erreichen zu können, raten ihm viele Fachmänner, dass er Paris Saint Germain hinter sich lassen soll. Die Ligue 1 hat einfach nicht die Ausstrahlung einer Primera Division (Spanien) und der Premier League (England). Aufgrund der fehlenden Konkurrenz sei ein Gewinn der Champions League fast unmöglich. Nur mit Titeln in Frankreich wird er kaum eine Chance auf die ersehnte Augenhöhe mit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo haben, die eines nicht allzu fernen Tages in der Auszeichnung zum Weltfußballer des Jahres gipfeln soll. #

Eingangsfoto: © Flo Hagena/Red Bull Content Pool