Die Covid-19-Pandemie schrumpft auch das Budget des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB). Der größte heimische Sport-Fachverband wird in diesem Jahr deutlich weniger Mittel zur Verfügung haben als die knapp 50 Millionen Euro von 2019. Das bestätigte ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold der APA. Länderspiele ohne Fans bremsen die Einnahmen. Dazu komme ein Mehraufwand für Corona-Präventionsmaßnahmen.

Grundsätzlich sind in Österreich bei Veranstaltungen im Freien seit Monatsbeginn bis zu 10.000 Personen möglich. Nach Vorgaben des europäischen Verbandes (UEFA) geht das Nations-League-Heimspiel am Montag gegen Rumänien aber ohne Zuschauer über die Bühne. Das kostet den ÖFB laut Neuhold – je nach möglicher Auslastung des Wörthersee-Stadions – einige hunderttausend Euro.

Schon beim folgenden Testspiel am 7. Oktober 2020 ebenfalls in Klagenfurt gegen Griechenland könnten Fans zugelassen sein. Die UEFA will unmittelbar nach ihrem Supercup am 24. September 2020 in Budapest über die grundsätzliche Möglichkeit entscheiden. „Wir sind für beide Szenarien vorbereitet“, versicherte Neuhold. Ein Präventionskonzept mit Zuschauern sei bereits bei den Klagenfurter Behörden eingereicht.

In Wien stehen am 15. und 18. November 2020 noch zwei Nations-League-Partien gegen Nordirland und Norwegen an. Das weitläufige Ernst-Happel-Stadion erscheint prädestiniert dafür, die Abstandsregeln einzuhalten. Auch dafür bedarf es aber der UEFA-Freigabe. Der ÖFB-Wunsch nach Stadion-Zuschauern hat nicht nur monetäre Gründe. „Es geht ein Reiz von Fußball verloren“, sagte Neuhold. Das betreffe auch das TV-Erlebnis.

EURO 2021 als möglicher Wendepunkt?

Sollte das Virus nach der Ankündigung erster verfügbarer Impfungen tatsächlich im ersten Halbjahr 2021 wirkungsvoll bekämpft werden können, hätte das zumindest für das nächste anstehende Großereignis im kommenden Sommer positive Folgen. „Ich hoffe, dass die EURO möglicherweise einen Wendepunkt markiert, mit dem man wieder zurückgehen kann zu alten Gewohnheiten“, so Neuhold.

Entspannung würde das auch für die ÖFB-Finanzen bedeuten. Für Präventionsmaßnahmen im Herbst hat der Geschäftsführer der ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH rund eine Million Euro zusätzlich veranschlagt. Vor jeder Zusammenkunft aller Nationalteams werden bei jedem Spieler und Betreuer zwei PCR-Tests durchgeführt. Dazu kommen zusätzliche Hotel- und Reisekosten etwa für Charter-Flüge.

„Am Ende des Tages ist für uns das Allerwichtigste, dass wir spielen, dass wir die Spieler beisammen haben“, betonte Neuhold. Der Umgang mit der Pandemie sei ein Drahtseilakt. „Wir müssen uns unserer Verantwortung bewusst sein. Es geht darum, dass wir unter dem Aspekt des größtmöglichen Schutzes und der Gesundheit der Spieler gut über den Herbst kommen.“

„Es ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“

Das gilt auch für den ÖFB-Cup, in dem der Verband auch für unterklassige, sonst nicht regelmäßig getestete Teams PCR-Tests finanzierte. In der ersten Runde mussten nicht weniger als acht Partien wegen positiver Ergebnisse verschoben werden – für Neuhold nicht besonders überraschend. „Es ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“, meinte der Niederösterreicher. „Uns ist ein Szenario der Verschiebung und höherer finanzieller Aufwände wesentlich lieber, als wenn sich bei einem Cupspiel potenziell Cluster bilden.“

Nachgetragen werden sollen die ausgefallenen Partien, darunter jene von Meister Salzburg beim Drittligisten Schwarz-Weiß Bregenz, in den kommenden zwei Wochen. Die Ersatztermine sollen laut Neuhold in den nächsten Tagen fixiert werden. # 

Text: APA | Fotos: ÖFB