,Wie diverse Medien berichtet haben, ist in Budapest der mutmaßliche Whistleblower der Football Leaks gefasst worden. Sein Name: Rui Pedro Gonçalves Pinto. Die portugiesische Polizei wirft dem 30-Jährigen versuchte Erpressung und Datendiebstahl vor. Der Inhaftierte soll in sein Heimatland Portugal ausgeliefert werden. Seine Anwälte versuchen, dies zu verhindern. Er ist bereits nach Angaben seiner Anwälte wieder aus der Haft entlassen worden, steht aber weiter unter Hausarrest.

,,© kritchanut

,„Benfica-Hacker“: Genie der Informatik und des Verbrechens

Bereits im Herbst 2018 äußerte das portugiesische Nachrichtenmagazin Sábado den Verdacht, dass Rui Pinto der Hacker hinter den Football Leaks sein könnte. Das Blatt brachte den Portugiesen zunächst mit einem Hackangriff bei Benfica Lissabon in Verbindung. Dabei wurde Pinto als „ein Genie der Informatik und des Verbrechens“ bezeichnet, das „enge Verbindungen zu Football Leaks hat“. Damals legte das Magazin allerdings keine schlagenden Beweise vor und so verpuffte die Nachricht relativ rasch. Besonders im deutschsprachigen Raum wurde der Fall nur von wenigen Medien aufgegriffen.

,Bereits im Herbst 2018 äußerte das portugiesische Nachrichtenmagazin Sábado den Verdacht, dass Rui Pinto der Hacker hinter den Football Leaks sein könnte – jetzt wurde der Portugiese in Budapest festgenommen. | © www.sabado.pt

,Eine Geschichte wie ein Kriminalroman

Die Süddeutsche Zeitung schrieb dazu im September, dass sich die Geschichte um den mutmaßlichen Hacker wie ein Kriminalroman liest:

„Verfolgungsjagden, ehemalige Geheimagenten, dubiose Geldflüsse, eine hilflose Kripo – und viel Verwirrung. Auch um Rui Pinto, von dem kaum mehr bekannt ist, als dass er Geschichte studierte, über ein Erasmus-Programm nach Budapest kam, angeblich fünf Sprachen spricht – und ein Autodidakt in Sachen Informatik sein soll. Sein Vater versicherte der Zeitung Jornal de Notícias, der Filius habe Angst, nach Portugal zurückzukehren.“

Wir vom Sport Business Magazin haben uns in der Sommerausgabe 2018 näher mit der Football Leaks Thematik beschäftigt. Genauer: Wir haben mit Rafael Buschmann, dem ersten und bislang einzigen Journalisten, der mit Football Leaks in Person von Whistleblower „John“ in Kontakt getreten ist, ein ausführliches Interview geführt.

Bereits im Sommer teilte uns Buschmann mit, dass John mittlerweile von der ganzen Fußballbranche gejagt wird. Deswegen sei es wenig verwunderlich, dass er alle zwei Tage aus Sicherheitsgründen seinen Aufenthaltsort ändern muss. Der Spiegel-Reporter hat ihn bereits „fast überall auf der Welt“ besucht. Wie oft, kann er nicht genau beziffern, „aber bereits dutzende Male“, so sagt er. Sein Aussage, dass John ist ein sehr kluger Kopf sei und fünf Sprachen spricht, deckt sich mit den Informationen, die über Pinto bekannt sind.

,Erpressung und Hackangriffe: Geld als Antiquitätenhändler reichte wohl nicht aus

Angesprochen auf das Verhältnis, welches Buschmann zu John pflegt, meint er: „Ein dienstliches Verhältnis. Wir müssen als Journalisten komplett frei sein und eine gewisse Distanz zu unseren Quellen aufrechterhalten. Ich finde den Burschen sympathisch, also man kann sich mit ihm über die unterschiedlichsten Themenfelder austauschen.“

Ob John Familie hat, weiß Buschmann nicht, lediglich, dass er mit seiner Freundin in einer Partnerschaft lebt. Bekannt ist auch, dass er Portugiese ist und als Antiquitätenhändler gutes Geld verdient. Ob dieses Gehalt ausreichte, um die andauernd anfallenden Reisekosten zu finanzieren, kann wohl – Stand jetzt – mit nein beantwortet werden.

2013 soll er die Caledonian Bank mit Sitz auf den Cayman-Inseln um 300.000 Dollar erleichtert haben. Die Sache flog auf, wurde aber zunächst nicht publik, weil die Bank ihre Kunden nicht verunsichern wollte. Der Portugiese wird auch im Zuge der Ermittlungen wegen einer Hacker-Attacke auf den Sportvermarkter Doyen aus dem Jahr 2015 genannt. Im Zentrum der jetzigen Ermittlungen steht, wie bereits oben erwähnt ein Hackerangriff auf die E-Mail-Konten von Benfica Lissabon.

,Wir vom Sport Business Magazin haben uns in der Sommerausgabe 2018 näher mit der Football Leaks Thematik beschäftigt. Mit Rafael Buschmann, dem ersten und bislang einzigen Journalisten, der mit Football Leaks in Person von Whistleblower „John“ in Kontakt getreten ist, haben wir ein ausführliches Interview geführt. | © Spiegel TV

,Staranwalt weist Vorwürfe zurück

Pintos Anwalt William Bourdon gab dazu Stellung ab: „Ich weise den Vorwurf der Erpressung gegen meinen Mandanten ganz entschieden zurück.“ Der französische Staranwalt hat in der Vergangenheit auch Edward Snowden und andere Whistleblower verteidigt. Er bezeichnet seinen Mandanten als einen „großen europäischen Whistleblower und Teil von Football Leaks“. Er habe der Welt die kriminellen Machenschaften im Fußball vor Augen führen wollen und unterliege demnach besonderem rechtlichen Schutz. Bis 19. März wird entschieden, ob Pinto nach Portugal ausgeliefert werden kann und was das für zukünftige Football Leaks Veröffentlichungen bedeuten wird. Wir bleiben dran.

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