Guter Zweck und große Show: Von wegen

Football Leaks: Die „Messi and Friends“-Tour sollte offiziell Geld für die gute Sache einspielen. Doch bei den Benefizspielen ging es bei weitem nicht nur um eine gute Sache. Die italienische Trainerlegende Fabio Capello ließ sich dafür fürstlich entlohnen.

Benefizspiele als guter Zweck? Verdacht auf Geldwäsche

Was macht ein Fußballer, der im Jahr über 100 Millionen Euro verdient? Richtig, er spendet Teile davon für eine gute Sache. Gemeinnützige Projekte dafür gibt es genügend. Obendrein gibt es ein gutes Bild in der Öffentlichkeit ab.

So auch die Idee hinter der „Messi and Friends“-Tour im Jahr 2013: Guter Zweck und große Show. Eine Tour durch Nord- und Südamerika mit jeder Menge Benefizspiele und Superstars als Hauptprotagonisten: Lionel Messi, Neymar, Luis Suarez, Thierry Henry, Eric Abidal, Florent Malouda, und, und, und. Der Erlös von vier Benefizspielen in Medellín (Kolumbien), Lima (Peru), Los Angeles und Chicago (beide USA) sollte in gemeinnützige Projekte fließen, die von der Messi-Stiftung ausgesucht werden. So die offizielle Version.

Bereits in der Vergangenheit gab es den Verdacht der Geldwäsche. So berichtete im Oktober 2015 der SPIEGEL von verbuchten Tickets, die nie verkauft wurden, vermeintlich anonyme Spenden aus fragwürdigen Einnahmequellen, und so weiter. Sogar von Drogengeld war die Rede, das mit Hilfe der Veranstaltung gewaschen wurde. Von Seiten der Familie Messi und dem Veranstalter wurden diese Vorwürfe vehement dementiert.

Fabio Capello: 75.000 US-Dollar Gage für drei Benefizspiele.

75.000 US-Dollar Gage für die eigene Tasche

Weitere Enthüllen aus den Football- Leaks-Daten vom SPIEGEL zeigen, dass die beteiligten Stars, sich die Benefizspiele einiges kosten haben lassen. So soll der italienische Trainer Fabio Capello für drei Spiele an der Seitenlinie in Los Angeles, Chicago und Lima eine Gage von 75.000 US-Dollar abkassiert haben. On top gab es Aufenthalte in Fünf-Sterne-Hotels plus Interkontinentalflüge in der Business Class.

Das Dubiose dabei sind die Geldflüsse von Uruguay über die Schweiz nach London, die der SPIEGEL und seine Partner der European Investigative Collaborations (EIC) offengelegt haben. Ausgangspunkt war das Unternehmen Players Image aus Uruguay, das für die Akquise der Stars verantwortlich war. Das Geld floss demnach nicht direkt zu Capello sondern zur Firma Doyen Marketing mit Sitz in Malta auf ein Schweizer Firmenkonto. Das Unternehmen vermarktet Bildrechte von diversen Größen der Brache. Unter anderem zählen Galatasaray-Torjäger Radamel Falcao, Altético-Stürmer Alvaro Morata sowie Trainer Diego Simeone zum Kundenstamm. Malta und Uruguay sind für ihre erheblichen Steuervorteile bekannt. Hat Doyen Marketing bei diesem Deal als Zwischenhändler mitkassiert?

Fabio Capello, eine Trainerikone in Italien und unter anderem beim AC Milan und Real Madrid erfolgreich, ließ über seinen Sohn und Anwalt Pierfilippo die Vorwürfe, dass „irgendeine Vermittlungsgebühr an Doyen oder irgendeine andere Organisation oder Firma gezahlt“ worden sei, zurückweisen. Die Dokumente der Football Leaks beweisen aber das Gegenteil.

„Messi and Friends“-Tour: Eine bescheidene Show, aber Big Business.

10.000 Dollar Provision

„Kommission für die Lionel-Messi- Spiele“ lautete der Zahlungszweck für eine Rechnung über 10.000 US-Dollar von Doyen Sports – zu zahlen auf ein Schweizer Firmenkonto – an Capello. Nur wofür? 10.000 Dollar Provision bei einer Gesamtbezahlung von 75.000 Dollar ist äußerst verdächtig.

Einen Teil dieser Summe zahlte Doyen an die JAJ Communications, eine in London ansässige PR-Firma mit dem Zahlungshinweis: „Kommission für die Teilnahme von Fabio Capello an den Leo Messi and Friends Spielen 2013.“ Welche Aufgabe JAJ Communications in diesem Deal spielte, ist bis heute nicht bekannt.

Jedenfalls datiert die Rechnung von JAJ auf den 22. Oktober 2013, die Banküberweisung erfolgte allerdings erst am 26. September 2014. Zu diesem Zeitpunkt war die „Messi and Friends“- Tour längst Geschichte. Was blieb sind wenig glamouröse Benefizspiele und ein bitterer Beigeschmack. So wurde beispielsweise das Spiel in Los Angeles kurzfristig abgesagt, nachdem zahlreiche Tickets schon verkauft waren. Der Grund: Messi würde an diesem Abend nicht spielen. Beim Match in Chicago wurde das gegnerische Team mit unbekannten Spielern aufgefüllt.

Eine große Show alla Lionel Messi sieht definitiv anders aus. Aber solange das Business stimmt und so tausende US-Dollars von einem Steuerparadies ins nächste chauffiert werden, sollten der sechsmalige Weltfußballer und seine Stiftung „Fundación Leo Messi“ nichts dagegen haben.

Wir bleiben dran und widmen uns in der nächsten Ausgabe ausführlich dem Thema Stiftungen im Sport. #

Fotos: © messi.com | © imago | © adidas