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Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) ist die nationale Förderinstitution für die unternehmensnahe Forschung und Entwicklung in Österreich. Förderungen erleichtern die Finanzierung von Forschungs- und Innovationsprojekten und helfen damit, das Forschungsrisiko abzufedern. Die FFG unterstützt die internationale Vernetzung und fördert wissenschaftliche Karrieren. Wir haben mit der FFG-Geschäftsführung, Henrietta Egerth und Klaus Pseiner, über die Rolle des Sports im österreichischen Innovationssystem gesprochen.

In welchen Sportbereichen sind wir Innovation-Leader?

Henrietta Egerth: Österreich ist ein klassisches Sport- und Tourismusland und beim Anteil des Sports am Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit über vier Prozent EU-weit führend. Damit ist die Sportbranche auch ein wichtiger Wirtschaftszweig und Arbeitgeber in Österreich. Bekanntlich hat Österreich auch eine lange Tradition und internationale Expertise im Wintersport, und das betrifft nicht nur die Anzahl und Qualität der Schigebiete, sondern auch Sportausrüstung, Infrastruktur und Dienstleistungen. Aber auch darüber hinaus gibt es viele Bereiche, in denen Österreich erfolgreiche Innovationen entwickelt, wie im Bereich der Textilien, der Medizintechnik oder digitaler Anwendungen.

Welche Bedeutung nimmt die Digitalisierung im Sport im Forschungsbereich ein?

Henrietta Egerth: Die Digitalisierung ist schon heute im Sport-, Tourismusund Freizeitsektor für viele Unternehmen ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Österreichische Unternehmen sind hier durchaus vorne mit dabei. So ist etwa eines der weltweit ersten Internet-Buchungsportale in Österreich entstanden. Auch in vielen Sportarten selbst sind Spitzenleistungen ohne die Möglichkeiten der digitalen Technologien nicht mehr denkbar. Da gibt es auch einige spannende Projekte, die von uns gefördert wurden, etwa video-basierte Analysesysteme für die Optimierung von Bewegungsabläufen, einen virtual reality Fortbewegungs-Simulator und das skills.lab in Graz, eine Trainingshalle, die ebenfalls mit virtual reality und hochentwickelter Sensorik ausgestattet ist.

Die österreichische Sportbranche ist aufgeteilt in ein produzierendes Gewerbe und in ein Dienstleistungsgewerbe. Wie unterscheiden sich diese hinsichtlich „Innovation, Technik und Forschung“?

Henrietta Egerth: Natürlich hat ein Produktionsbetrieb andere Anforderungen und betriebliche Abläufe als ein Dienstleistungsunternehmen und er wird sich mit anderen Forschungs- und Innovationsprojekten beschäftigen. Es werden unterschiedliche Methoden eingesetzt, um zu einer Lösung oder einer Innovation zu kommen, und Infrastruktur und Ressourcen unterscheiden sich. Der gemeinsame Nenner ist: Jedes Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsprojekt hat ein Entwicklungsrisiko. Um dieses abzufedern, steht die FFG innovativen Unternehmen mit ihren Förderungen und Services als Partner zur Seite. Förderung durch die FFG bedeutet nicht nur eine finanzielle Unterstützung, sondern auch ein Qualitätssiegel von externen Experten.

Nennen Sie uns ein FFG Leitprojekt für Sportinnovationen?

Klaus Pseiner: Eines der erfolgreichsten Unternehmen der letzten Jahre im Sportbereich, runtastic, ist ein gutes Erfolgsbeispiel. Gestartet als Spin-off der Fachhochschule Hagenberg und gefördert von der aws und der FFG, hat runtastic gezeigt, dass man sich mit innovativen Ideen auch in einem hart umkämpften Markt durchsetzen kann. Und das hat runtastic mit einer Verbindung aus Produkt und Dienstleistung geschafft, die einen echten Zusatznutzen bietet. Die Runtastic GmbH ist ein österreichisches Unternehmen, das auf die Entwicklung von Soft- und Hardwareprodukten im Bereich Fitness spezialisiert ist und ist seit August 2015 eine Tochtergesellschaft der Adidas AG.

Welche Produktinnovationen haben Sie noch am Radar?

Henrietta Egerth: Das umfasst Projekte im Bereich der Sportgeräte, vom klassischen Wintersport bis hin zu Boots- und Yachtbau, Tauchgeräten oder Bauteilen für den Motorsport. Im Bereich der Sportbekleidung haben wir eine Reihe von Projekten gefördert, und schon vor zehn Jahren mit dem COMET-Projekt „Smart Textiles“ einen Meilenstein gesetzt. Die Bandbreite der von uns geförderten Projekte reicht aber noch weit darüber hinaus. Von Zutrittssystemen für Sportstätten und Besuchermanagementsysteme, wasserstoffbetriebenen Schneemobilen, über Sensorik und Systeme zur Analyse von Abläufen oder Bewegungen bis hin zu verschiedenen Apps und digitalen Dienstleistungen für bestimmte Zielgruppen oder Einsatzzwecke.

Eine Zielgruppe ist Menschen mit Behinderungen. Gibt es in der FFG Forschungsprojekte, welche Sportler mit Behinderungen unterstützen?

Klaus Pseiner: Wir fördern verschiedene Projekte im Bereich Medizin, Medizintechnik, Rehabilitation, Prothetik und Trainings-Apps, die auch speziell die Bedürfnisse von Sportlern mit Behinderungen berücksichtigen, oder spezielle Lösungen für diese Zielgruppe anbieten. Es gibt auch eigene Förderschienen für Projekte, die die Entwicklung von Lösungen für ältere und beeinträchtigte Menschen zum Inhalt haben.

Welches sind in Österreich die Top 3 Forschungseinrichtungen, welche im Bereich Sport forschen?

Klaus Pseiner: Im Bereich der Grundlagen- und medizinischen Forschung gehören sicher die sportwissenschaftlichen und medizinischen Institute an den Hochschulen und Einrichtungen wie Leistungssport Austria und das Österreichische Institut für Sportmedizin dazu. Aus der Wirtschaft kann man exemplarisch für viele andere hervorragende Unternehmen den Weltmarktführer im Seilbahnbau, die Firma Doppelmayr, nennen. #

Foto: FFG/Martin Lusser