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EXKLUSIV-GESPRÄCH Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger, 29, ist Österreichs erster männlicher WM-Medaillengewinner in der Leichtathletik. Mit dem Sport Business Magazin spricht er über das mittlerweile gewohnte Leben in der Bubble, jahrelangen Fokus auf Olympia, finanzielle Fortschritte und die Wertschätzung des Status als Heeressportler.

Herr Weißhaidinger, wie bereiten Sie sich auf das Leben in der Bubble in Tokio vor?

Als Sportler sind wir das Leben in der Bubble längst gewöhnt. Wir trainieren seit Monaten in einer Leichtathletik-Bubble, nur A-Kader- Athletinnen und Athleten, lassen uns konstant testen und halten Abstand. Mein Trainer (Gregor Högler; Anm. d. Red.) trägt beim Training einen Mund- und Nasenschutz. Vorteil: Mittlerweile sind wir beide geimpft. Das heißt, unser Ansteckungsrisiko ist wesentlich geringer geworden. An unserer Vorsicht ändert das nichts. Fremdkontakte sind für mich die absolute Ausnahme.

Am wichtigsten ist für mich, dass die Spiele stattfinden können. Die Verschiebung war im ersten Moment ein Schock. Ich bin Diskuswerfer, Sport ist mein Beruf. Eine Olympia- Medaille fehlt mir noch.

Österreich ist bei den Männern noch ohne Olympiamedaille in der Leichtathletik. Ist das eine Zusatzmotivation für Sie?

Ich habe in Doha die erste Leichtathletik-WM-Medaille bei den Männern für Österreich geholt. Das macht mich zugegebenermaßen stolz. Aber im Vorfeld ist das kein großes Thema. Ich trete bei jedem Wettkampf an, um zu gewinnen. Das ist mein Antrieb.

Gibt es zusätzliches, mentales Training? Immerhin ist es eine Ausnahmesituation. Tennisspieler erzählen, wie zäh das Leben in Quarantäne während Turnieren ist.

Wir reisen bewusst knapp vor meinem Wettkampf an, damit nicht zu viel Zeit zum Nachdenken bleibt. Das hat bis jetzt immer gut funktioniert, sowohl in der Diamond League (jährlich stattfindende Serie von Leichtathletikveranstaltungen; Anm. d. Red.) als auch bei WM, EM und Olympia. Fünf Wochen vor den Olympischen Spielen 2016 in Rio habe ich mir einen Mittelfußknochenbruch zugezogen. Ich war bis zuletzt nicht sicher, ob ich überhaupt antreten kann. Am Ende bin ich bei meiner Olympia-Premiere Sechster geworden.

Die Theorie ist einfach: Je lockerer und gelassener man bleibt, desto größer sind die Erfolgschancen. Das Drumherum darf keine große Rolle spielen. Der Fokus liegt darauf, in der Qualifikation und im Finale die persönliche Top-Leistung abrufen zu können. Wenn ich vorne mitmischen will, wird man eine Weite um die 70 Meter brauchen. Ich weiß, dass ich das kann (die derzeitige persönliche Bestmarke liegt bei 68,98 Meter; Anm. d. Red.).

Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger im Interview

LUKAS WEISSHAIDINGER »In einer Pandemie lernst du es zu schätzen, wenn du am Monatsanfang pünktlich dein Gehalt bekommst« | © GEPA pictures

Ist es unter diesen Umständen schwieriger, die nötige Spannung für Wettkämpfe aufzubauen – auch, weil das Stadion im besten Fall nur spärlich gefüllt sein wird?

Ich arbeite seit Rio 2016 auf die Spiele in Tokio hin. Mittlerweile sind fünf Jahre vergangen. In diesen fünf Jahren war Olympia immer präsent. Die Spiele sind mein ultimatives Ziel. Genügend Spannung aufzubauen, ist definitiv nicht mein größtes Problem. Schon eher, fokussiert und trotzdem locker zu bleiben. Die besten Würfe gelingen nur, wenn man nicht verkrampft ist.

Mangels Wettkämpfen sind für Sportler im letzten Jahr auch wichtige Einnahmen weggefallen. Welche wirtschaftlichen Einbußen mussten Sie im letzten Jahr in Kauf nehmen?

Ich bin beim Bundesheer angestellt und werde von der Sporthilfe unterstützt. Meine Sponsoren, allen voran die Energie AG, sind mir treu geblieben. Ich bin zufrieden und dankbar.

Wie wichtig war gerade in dieser Zeit der Status als Heeressportler?

In einer Pandemie lernst du es zu schätzen, wenn du am Monatsanfang pünktlich dein Gehalt bekommst – Sozialversicherungsund Pensionsbeiträge inklusive. Auch dafür bin ich dankbar.

Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger im Interview

VORFREUDE »Olympia ist die größte Sportbühne der Welt« | © Florian Rogner 

Wie sehr bilden Olympische Spiele für Sie als Leichtathlet auch finanzielle Chancen?

Olympia ist die größte Sportbühne der Welt. Im Erfolgsfall gibt es auch entsprechende Prämien. Der Österreichische Leichtathletik Verband (ÖLV) würde für Olympia-Gold dank einer Kooperation mit Sponsor Helvetia 205.000 Euro auszahlen. Für Silber winken 100.000, für Bronze 50.000 Euro. Gregor (Högler; Anm. d. Red.) hat das ausverhandelt. Für WM-Bronze habe ich nach Doha 25.000 Euro vom Verband bekommen, dazu 20.000 Dollar von vom Welt- Leichtathletik-Verband IAAF.

Immer mehr Sportler setzen in ihrer Vermarktung auf Social Media. Welche Rolle spielt Social Media bei Ihnen – gerade auch in Hinblick auf ein globales Großevent wie Olympia?

Social Media ist Teil des Jobs eines Profisportlers. Trainieren und Wettkämpfe bestreiten – das genügt im Leistungssport schon lange nicht mehr. Meine Partner wie Energie AG, Obereder, Rieder Bier, Toyota, das Bundesheer, die Sporthilfe und das ÖOC wirken als Multiplikatoren. Gutes Teamwork steigert die Reichweite.

Herr Weißhaidinger, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. #

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Eingangsfoto: Florian Rogner 

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