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Foto: FIVB Beachvolleyball World Tour | Dieser Beitrag ist ursprünglich in der 31. Ausgabe des Sport Business Magazin (02-2021) erschienen.

EXKLUSIV-GESPRÄCH Beachvolleyballtalent Laurenz Leitner über persönliche Vorbilder, Hallenvolleyball, Olympische Ziele, Trainingsalltag, Karrierehöhepunkte, Erfolgsrezepte, wechselnde Partner und persönliche Eitelkeiten.

Dem 21-jährigen Zeitsoldaten und BWL-Studenten aus Salzburg, der aktuell Teil des Heeressportzentrums in Wien ist, wurde der Volleyballsport praktisch in die Wiege gelegt. Sein Vater Gernot war selbst Volleyballprofi. Seine Bilanz: 25 Länderspiele für Österreich, 35 Turniersiege und drei WM-Teilnahmen. Außerdem war er Mitte der 90er-Jahre nicht nur die Nummer eins im österreichischen Beachvolleyballsport, sondern 1997 auch die Nummer 25 der Weltrangliste. Seit 2017 ist er auch Präsident des österreichischen Volleyballverbandes. Es sind große Fußstapfen in die Laurenz Leitner, die aktuelle Nummer 188 der Weltrangliste, treten will. Im Gespräch mit dem Sport Business Magazin lässt er allerdings keine Zweifel daran, dass diese ihm nicht zu groß sein dürften.

Sport Business Magazin Sommerausgabe 02-2021

Herr Leitner, Sie gelten mit Ihren 21 Jahren als einer der größten Zukunftshoffnungen des österreichischen Beachvolleyballsports. Gibt es persönliche Vorbilder, denen Sie nacheifern?

Der US-Amerikaner Phil Dalhausser ist eine lebende Legende, den ich bewundere. Nicht zuletzt deshalb, weil er so wie ich in Block und Verteidigung einsetzbar ist. Früher war ich ausnahmslos Blockspieler. Mittlerweile habe ich mich auf die Verteidigerposition »umschulen« lassen. Dalhausser wurde nicht nur Weltmeister und Olympiasieger (2008 in Peking; Anm. d. Red.), er wurde vom internationalen Volleyballverband (FIVB) bei der interkontinentalen Turnierserie der Beachvolleyballer sechsmal zum besten Offensivspieler und zweimal zum besten Defensivspieler gewählt. Dies beweist, dass er sowohl ein Weltklasseoffensiv- sowie Defensivspieler ist.

Das äußerst erfolgreiche österreichische Beachvolleyball-Duo Clemens Doppler und Alexander Horst, ihres Zeichens EM-Dritte 2014 und Vizeweltmeister in Wien 2017, würde ich ebenfalls als Vorbilder bezeichnen. Es war ein Privileg, mit ihnen erstmals vor zwei Jahren trainieren zu dürfen. Ich habe beispielsweise im Trainingslager in Teneriffa viel von ihnen gelernt – Stichwort mentale Stärke.

 

»Der US-Amerikaner Phil Dalhausser ist ein Weltklasseoffensiv,- sowie Defensivspieler. Daher ist er auch ein Vorbild für mich.«

Beachvolleyballtalent Laurenz Leitner

 

Sie haben von 2010 bis 2019 Hallenvolleyball beim PSV Salzburg in der zweithöchsten österreichischen Liga gespielt. Ist Ihnen die Umstellung von der Halle auf den sandigen Untergrund schwergefallen?

Die Umstellung war kein Problem, weil ich seit meinem 14. Lebensjahr regelmäßig Beachvolleyball gespielt habe. Ab meinem sechsten Lebensjahr habe ich von meinem Vater pritschen und baggern gelernt. Daher ist meine Entscheidung für den Beachvolleyballsport und gegen das Hallenvolleyball schlussendlich recht deutlich ausgefallen.

Sie gehören ebenso wie Kletterprofi Celina Schoibl dem 17-köpfigen Salzburger Olympiakader an, der auf Olympia 2024 in Paris bestmöglich vorbereitet werden soll. Wie realistisch schätzen Sie die Chancen ein, sich bereits für die Olympischen Spiele in Paris 2024 zu qualifizieren? Welche Ziele haben Sie sich in diesem Zusammenhang gesetzt?

Ich schätze die Chancen als realistisch ein. Allerdings nur, wenn ich eine normale World Tour Series, ohne Unterbrechungen aufgrund von Corona oder einer Verletzung, spielen kann.

Ein kurzfristiges Ziel ist für mich, nächstes Jahr den Nationalteamstatus zu erlangen, wodurch ich für Olympia startberechtigt wäre. Dieser Status ist untrennbar mit meiner Weltranglistenplatzierung verbunden. Es gäbe auch die Möglichkeit, sich über den Continental Cup mittels Quotenplatz für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.

Mittelfristig will ich mich in der World Tour Series etablieren. Meine langfristigen Ziele sind die Qualifikationen für Olympia 2024 in Paris und die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles.

Beachvolleyballtalent Laurenz Leitner

ERFOLGREICH IN MONTPELLIER »Meine erste Medaille bei einem internationalen Turnier gilt bis jetzt als Karrierehighlight« | © FIVB Beachvolleyball World Tour

Welche Chancen und Möglichkeiten ergeben sich für Sie, durch die Zugehörigkeit zum Olympiakader?

Durch diese Zugehörigkeit wird mir unter anderem die Möglichkeit gegeben, die Sportanlagen in Rif bei Salzburg zu nutzen. Das ist ein großer Vorteil. Darüber hinaus darf ich die dortige Physiotherapie kostenlos in Anspruch nehmen.

Sie werden von der Österreichischen Sporthilfe unterstützt. Inwiefern wirkt sich diese auf Ihren beruflichen Erfolg aus?

Ich werde seit über einem Jahr von der Sporthilfe begleitet und gefördert. Die Sporthilfe promotet die Sportler über die sozialen Medien recht gut und so konnte ich Fortschritte in der Pressearbeit erzielen.

 

»Meine Freundin meint, dass ich eitel bin und selbst beim Training auf mein Äußeres schaue. Ich würde tatsächlich nie mit Jogginghose und Schlabberlook zum Training erscheinen.«

Beachvolleyballtalent Laurenz Leitner

 

Gibt es einen Erfolg in Ihrer noch jungen Laufbahn, der eine besonders große Bedeutung für Sie hat?

Ich holte 2019 mit Florian Schnetzer bei meinem World-Tour-Einstandsturnier im französischen Montpellier Bronze. Dies war meine erste Medaille bei einem internationalen Turnier und gilt bis jetzt als mein Karrierehighlight.

Wie sieht ein typischer Trainingstag von Laurenz Leitner aus?

Zwischen 9.00 und 10.00 Uhr vormittags beginnt die erste Einheit mit Beachvolleyball und Krafttraining. Diese dauert bis 11.30 Uhr. Anschließend habe ich bis 14.00 Uhr Mittagspause. In dieser versuche ich, die Zeit zum Lernen für mein BWL-Studium zu nützen. Ab 14.00 Uhr habe ich noch einmal zwei Stunden Beachvolleyballtraining.

Beachvolleyballtalent Laurenz Leitner

ZIELSTREBIG »Meine langfristigen Ziele sind die Qualifikationen für Olympia 2024 in Paris und die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles.« | © Florian Treiber

Gibt es abgesehen vom harten Training noch ein anderes Erfolgsrezept für die guten nationalen und internationalen Ergebnisse?

Ich beschäftige mich sehr viel mit Physiotherapie, Krafttrainings- und Regenerationstrainingsmethoden. Bei den diversen Turnieren spreche ich mit verschiedenen Physiotherapeuten und hole mir unterschiedliche Meinungen ein. Ich bin aufgrund einiger Verletzungen, wie meiner Kniesehnenentzündung mit der ich von 2017 bis 2019 zu kämpfen hatte, hochsensibel, wenn es um meinen Körper geht. Mein Ziel ist es, meinen eigenen Körper bestmöglich zu optimieren, denn hinter diesem stehe ich mit Herzblut.

Sie hatten in der Vergangenheit wechselnde Partner. Gibt es einen Kollegen, mit dem Sie langfristig planen?

Ich möchte über diese Saison hinaus, langfristig mit Julian Hörl planen. Allerdings ist es immer schwer zu sagen, was die Zukunft bringt. Selbstverständlich ist es dem Erfolg zuträglich, wenn man sich mit seinem Partner zwischenmenschlich gut versteht.

Wie würden Sie sich selbst beschreiben? Was sind Sie für ein Typ?

Ich bin seit meiner Kindheit eher introvertiert, das ändert sich jetzt langsam. Meine Freundin meint, dass ich eitel bin und selbst beim Training auf mein Äußeres schaue. Ich würde tatsächlich nie mit Jogginghose und Schlabberlook zum Training erscheinen. Darüber hinaus würde ich mich als pünktlich, sehr organisiert und als einen humorvollen Menschen bezeichnen, dem das Leben Freude bereitet.

Herr Leitner, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. #

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