Saalbach-Hinterglemm gilt als verlässlicher Partner des alpinen Ski-Weltcups. Daher hat der Tourismusort im Pinzgau kurzerhand, die wegen der strengen Corona-Richtlinien in Norwegen abgesagten Weltcup-Rennen der alpinen Ski-Herren aus Kvitfjell übernommen. Durchgeführt werden diese am Wochenende. Am Freitag und Samstag findet jeweils eine Abfahrt und am Sonntag ein Super-G statt. Wir haben die wirtschaftliche Bedeutung und alle relevanten Kennzahlen – auch im Hinblick auf die anstehende Ski-Weltmeisterschaft 2025 – recherchiert.

Salzburgs Sportlandesrat Stefan Schnöll (ÖVP) ist froh, dass die Rennen in Saalbach-Hinterglemm stattfinden können. Im Interview mit dem Sport Business Magazin betont er die zentrale Bedeutung des Skisports für das Bundesland Salzburg und den damit verbundenen internationalen Werbeeffekt für den heimischen Tourismus. Darüber hinaus hätten die Saalbacher erneut bewiesen, „dass sie in der Lage sind, hochprofessionell und auch kurzfristig Weltcup-Rennen austragen zu können“. Schließlich hat Saalbach, der WM-Austragungsort von 2025, bereits in der Vorsaison die Speed-Rennen der Herren übernommen, die in Yanqing auf den chinesischen Olympiastrecken von 2022 hätten ausgetragen werden sollen. Schon damals, Mitte Februar 2020, war das sich von China rasant ausbreitende Coronavirus der Grund für die Verlegung der Rennen. In Summe hat Saalbach-Hinterglemm bereits 34 Weltcuprennen ausgetragen. Im Ort stehen in pandemiefreien Zeiten rund 20.000 beziehungsweise in der gesamten Region bis zu 50.000 Gästebetten zur Verfügung.

Salzburg Sportlandesrat Stefan Schnöll freut sich auf den Ski-Weltcup in Saalbach und die Ski-WM 2025: »Der Skisport hat für das Bundesland Salzburg eine zentrale Bedeutung«

Über 100.000 Euro: Immense Sicherheitskosten für Weltcuprennen

In der Weltcupsaison 2017/18 starben innerhalb eines Monats zwei Abfahrtspezialisten. Zunächst verunglückte der 35-jährige Franzose David Poisson, der WM-Dritte von Schladming 2013, in einer offenbar nicht ideal abgesicherten Trainingsstrecke im kanadischen Nakiska. Ein knappes Monat später, im Dezember 2017 starb der damals erst 17-jährige Deutsche Max Burkhart im Training für ein Rennen der Nor-Am-Serie (Nor-Am = North American) auf der Weltcuppiste von Lake Louise. Diese tragischen Unglücke heizten die Sicherheitsdiskussionen im alpinen Skisport erneut an. FIS-Renndirektor Markus Waldner weiß daher zu berichten, dass es heute Veranstalter von Weltcuprennen wie in Gröden gibt, die über die Jahre bis zu drei Millionen Euro für diverse Sicherheitsmaßnahmen ausgegeben haben. Solch hohe Kosten können allerdings Organisatoren von weniger bedeutenden Rennen meist nicht annähernd stemmen. „Man hat ein Minimum an Budget. Bei einem Europacuprennen muss man mit 70.000 bis 80.000 Euro für Sicherheit durchkommen. Aber das ist sehr viel Geld für einen Skiclub“, meint der Südtiroler Rennchef in einem Interview mit dem „Standard“. „In der zweiten Liga muss man daher sehr clever und sensibel bei den Details sein, damit man das Risiko auf ein Minimum reduzieren kann“, fügt er hinzu.

50 Millionen Euro Budget für die Heim-WM 

Für die alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2025 in Saalbach-Hinterglemm werden, laut dem Salzburger Sportlandesrat Schnöll, „Bund, Land und Gemeinden rund 50 Millionen Euro zur Verfügung stellen“. Dabei sollen 40 Prozent von Bund und Land Salzburg sowie 20 Prozent von der Gemeinde beigesteuert werden. „Das Sportressort hat für Veranstaltungen eigene Förderrichtlinien erstellt, anhand derer die einzelnen Events beurteilt werden. Wesentliche Kriterien sind dafür die Teilnehmer, Nationen und vor allem die sportliche Gewichtung der jeweiligen Veranstaltung“, erklärt Schnöll das System der Sportförderung im Land Salzburg.

Auf die Frage ob es eine Wirtschaftlichkeitsberechnung des Bundes oder Landes gibt, welche Auswirkungen ein Großevent wie die Ski-WM hat, meint der Landesrat: „Wir arbeiten derzeit an der Erstellung eines Sportsatellitenkontos für das Bundesland Salzburg. Anhand dessen können die Beschäftigungs-, Wertschöpfungs- und fiskalischen Effekte des Sportsektors für die gesamte Region neu berechnet werden. Basierend auf diesen Daten kann ein eigenes Tool die exakten Input-Output-Effekte eines derartigen Großevents berechnen.“

Ein Ski-Weltcup kostet jede Menge Geld: »Bei einem Europacuprennen muss man mit 70.000 bis 80.000 Euro für Sicherheit durchkommen«
© Tirolfoto/Red Bull Content Pool

Marketing- und TV-Rechte für WM bleiben in Salzburg

Die international tätige Sportmarketingagentur „Infront“ mit einem Standort in Salzburg hat die Marketing- und Medienrechte für die Ski-Weltmeisterschaft in Saalbach-Hinterglemm inne. Hierbei wird laut Geschäftsführer Stefan Krauß ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag umgesetzt. Detailliertere Einblicke konnte oder wollte er dem Sport Business Magazin nicht geben.

Die Vorfreude auf die WM ist bei Sportlandesrat Schnöll bereits hoch: „Die Vorbereitungen und Planungen für die Ski-WM laufen bereits auf Hochtouren. Wir sind in engem Austausch mit der Gemeinde, den Organisatoren und dem Bund, um eine hochprofessionelle Veranstaltung auf die Beine zu stellen, unter anderem mit einem innovativen und klimaneutralen Verkehrskonzept. Ich freue mich auf ein tolles Event für den heimischen Skisport.“

Bleibt zu hoffen, dass die Heimweltmeisterschaft im Jahr 2025 zu einem internationalen Volksfest wird und uns Geisterrennen wie in den letzten Monaten erspart bleiben. #

Eingangsfoto: Samo Vidic/ Red Bull Content pool